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Ein bewaffneter Polizeibeamter steht im bayerischen Kriminalamt neben der Präsentation einer Drogenproduktionsstrecke
© dpa-Bildfunk/Christoph Brüwer

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Ein bewaffneter Polizeibeamter steht im bayerischen Kriminalamt neben der Präsentation einer Drogenproduktionsstrecke

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach bei Vorstellung der Ermittlungsergebnisse von einem "tollen Schlag". Es sei das bislang größte Ermittlungsverfahren dieser Art in Deutschland.

Hauptbeschuldigter kommt aus München

42 Personen im Alter zwischen 20 und 68 Jahren werden beschuldigt, über eine Tonne der verbotenen Kräutermischungen mit einem Marktwert von mehr als zehn Millionen Euro verkauft zu haben. Fünf Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft, darunter der geständige Haupttäter aus München. Der 32-Jährige soll in München und Dinkelsbühl die Kräuterdrogen-Cocktails selbst angemischt haben.

Vertrieb der Drogen via Internet und Post

Kunden konnten diese "Neuen psychoaktiven Stoffe", kurz NPS, wie sie von den Ermittlern genannt werden, über 30 verschiedene Online-Shops bestellen. Umverpacker, die teilweise wohl selbst nichts von der Illegalität gewusst haben, teilten die NPS in kleine Mengen auf, und füllten den Stoff in kleine bunte Tüten. Diese wurden dann an die Abnehmer über den ganz normalen Postweg verschickt. Daneben gab es Service-Mitarbeiter, die sich um werbewirksame Aktionen ("Nimm drei, zahl' zwei!") und Reklamationen kümmerten, Computer-Administratoren, die für Gestaltung und Ablauf der Web-Shops zuständig waren und Finanzagenten, die die Zahlungsvorgänge verschleierten.

Spur des Drogenrings führte von NRW nach Ansbach

Aufgekommen war der Fall, als im März 2017 in Nordrhein-Westfalen vier Pakete mit insgesamt 87 Kilogramm NPS entdeckt wurden. Ein Absender stammte aus Ansbach. Die weiteren Ermittlungen führten dann zu dem 32-jährigen Hauptverdächtigen. Er war der Polizei in Ansbach bekannt, weil dort gegen ihn bereits 2011 und 2013 wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt und er deshalb auch verurteilt wurde.

Polizeiliche Ermittlungen gegen die Drogenhändler

Zusammen mit dem LKA gründete Ansbach die Ermittlungsgruppe "EG Speer" (angelehnt an eine österreichische Band, die damals mit einem Song erfolgreich war, der zum Thema passte). Die Behörden griffen erst im Dezember 2018 zu, weil man nicht nur den Haupttäter, sondern die ganze Bande auffliegen lassen wollte.

Hohe Gefährdung durch die Neuen psychoaktiven Stoffe (NPS)

NPS gelten als sehr gefährlich, weil sie zwar klassische Drogen wie Heroin, Cannabis oder andere synthetisch nachahmen, aber teilweise eine tausendfach stärkere Wirkung haben. 2016 sind in Bayern nachweislich 40 Menschen nach einer NPS-Einnahme gestorben, 2017 waren es 37 und vergangenes Jahr acht. Dass die Zahl so stark gesunken ist, wird von den Experten mit dem Verbot eines Wirkstoffes begründet, die Dunkelziffer wird aber als sehr hoch eingeschätzt.

Die Vorwürfe gegen den Hauptverdächtigen

Dem Haupttäter wird gewerbsmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringem Umfang in 14 Fällen vorgeworfen und zwei Fälle von NPS-Handel. Der Strafrahmen sieht für jeden Einzelfall bis zu 15 Jahre Haft vor.