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Drogenhändler aus Rocker-Szene in Nürnberg vor Gericht

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Drogenhändler aus Rocker-Szene in Nürnberg vor Gericht

Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth müssen sich Mitglieder der Nürnberger Rockerszene und ein mutmaßlicher Drogendealer aus Regensburg verantworten. Die Rocker sollen kiloweise Drogen bei dem Oberpfälzer gekauft und rund 700.000 Euro umgesetzt haben.

Von
Jonas MillerJonas Miller
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Bei dem Prozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth geht es um kiloweise Methamphetamin, auch bekannt als Crystal Meth, drei Mitglieder der Rockergruppe "United Tribuns" aus Nürnberg, einen 35-Jährigen aus Regensburg und zwei seiner Helfer. Alle sechs Männer im Alter zwischen 28 und 47 Jahren müssen sich wegen des Handelns mit Drogen in nicht geringer Menge oder Beihilfe zum Handel verantworten. Der Prozess hat heute begonnen.

Ermittler: Nürnberger Rocker bezogen die Drogen aus Regensburg

Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben sich die drei Rocker, 28 bis 32 Jahre alt, im Sommer 2020 zu einer Drogenbande zusammengeschlossen und rund 700.000 Euro mit mehreren Kilogramm Methamphetamin umgesetzt. Die Drogen haben sie demnach bei dem 35-jährigen Regensburger erworben. Dieser soll die Drogen mit einem Komplizen mit dem Auto von Regensburg nach Nürnberg transportiert haben. Als Übergabestelle diente unter anderem eine Tankstelle in Altdorf bei Nürnberg.

Treffpunkt war eine Tankstelle in Altdorf

Eingekauft haben die drei Nürnberger Rocker das Crystal Speed für 40 Euro pro Gramm und sollen es dann mit zehn Euro Gewinn pro Gramm direkt weiterverkauft haben. Die Drogen bunkerten sie dafür den Ermittlungen zufolge in einem Selfstore-Lagerraum oder im eigenen Keller, um sie dort zwischenzulagern, zu portionieren und zu verpacken. Mit dem Geld sollen die jungen Rocker ihren Lebensunterhalt und weitere Drogenbestellungen bei dem Regensburger finanziert haben.

Mutmaßlicher Drogendealer kommunizierte mit Kryptohandy

Der mutmaßliche Drogendealer aus Regensburg soll darüber hinaus Methamphetamin per Post an bislang unbekannte Abnehmer geschickt haben. Zudem nutzte der Mann laut Ermittlern ein Kryptohandy, um mindestens 27 Kilogramm Marihuana bei einem Lieferanten zu bestellen, das er zu einem weiteren Komplizen in Regensburg hat liefern lassen. In der Wohnung des mutmaßlichen Helfers des Drogendealers fanden Ermittler im Februar 2020 neben 64 Gramm Methamphetamin noch eine Restmenge von rund neun Kilogramm Marihuana.

Zudem konnten die Ermittler rund 44.500 Euro Bargeld und mehr als 8.300 Patronen bei dem Regensburger sicherstellen, obwohl dieser dafür keine Erlaubnis hatte. Für die Kommunikation nutzte der 35-Jährige ein Krypothandy. Dabei handelt es sich um speziell verschlüsselte Smartphones, die ein eigenes Betriebssystem haben. Das soll den Nutzern eine angeblich vollkommen geheime Kommunikation ermöglichen und zudem weder abgehört noch geortet werden können.

Männern drohen mehrere Jahre Haft

Als die Polizei im Februar 2021 die Wohnungen der Männer in Nürnberg durchsuchte, wurden unter anderem auch verbotene Waffen wie ein Schlagring und ein Springmesser gefunden. Bis auf einen mutmaßlichen Helfer befinden sich alle sechs Beschuldigten seit Februar vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind insgesamt zehn Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird im März 2022 gerechnet. Den Männern drohen teils mehrere Jahre Haft.

Rocker sollen durch Drogendeals in Hierarchie aufgestiegen sein

Wie der BR erfuhr, handelt es sich bei den drei Angeklagten um Mitglieder der Rockergruppierung "United Tribuns". Durch die Drogengeschäfte sollen sie von Anwärtern zu Vollmitgliedern der Gruppe aufgestiegen sein. Mitglieder dieser Rocker-Gruppe sind den Behörden schon in den vergangenen Jahren wegen Körperverletzungs- und Betäubungsmitteldelikte aufgefallen, heißt es aus Sicherheitskreisen. Das bayerische LKA schätzt die "Tribuns" als streng hierarchisch strukturierte und abgeschottete, rockerähnliche Gruppierung ein, deren Mitglieder in Kutten martialisch auftreten.

Motorräder spielen für Rocker-Gruppe "keine Rolle"

Motorräder spielen für Mitglieder demnach allerdings "bis auf wenige Ausnahmen" keine Rolle, heißt es vom LKA. Stattdessen würden die Mitglieder eher in szenetypischen Geschäftsfeldern wie dem Rotlichtmilieu oder der Türsteherszene agieren. Im Gesamtgefüge der bayerischen Rockergruppierungen spielen die "Tribuns" laut LKA "eher eine untergeordnete Rolle". In Bayern ist die Gruppe mit eigenen Chaptern in Augsburg, Ingolstadt und Nürnberg vertreten.

Prozessauftakt: Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth stehen Mitglieder der Nürnberger Rockerszene und ein mutmaßlicher Drogendealer aus Regensburg.

Bildrechte: BR/Martin Hähnlein

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