Bildrechte: dpa-Bildfunk/Julius-Christian Schreiner

Polizeibeamte stehen hinter explodierendem Feuerwerk. (Symbolbild)

  • Artikel mit Audio-Inhalten

DRK-Studie: Gewalt gegen Rettungskräfte nicht nur an Silvester

Gewalt gegen Rettungskräfte gibt es nicht nur an Silvester. Der Würzburger Arzt Peter Sefrin kam 2021 in einer Studie zu Gewalt gegen Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes zu diesem Ergebnis. Aber nicht nur sie werden immer öfter angegriffen.

Nach Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte, vor allem in der Silvesternacht, ist das Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Die Politik fordert harte Strafen für die Randalierer. Auch ein allgemeines Böllerverbot wird kontrovers diskutiert. Der Würzburger Arzt Peter Sefrin macht jetzt darauf aufmerksam, dass sich die zunehmende Gewalt gegen Rettungskräfte nicht nur auf Silvester beschränkt.

Studie: Gewalt gegen Rettungskräfte nimmt zu

2021 hat Sefrin zusammen mit Kollegen eine Studie veröffentlicht. Diese thematisiert Gewalt im Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Demnach seien Beleidigungen und Angriffe auf Einsatzkräfte des Rettungsdienstes keine Ausnahme. In der Studie wurden Rettungskräfte aus drei Landesverbänden des DRK befragt. Alle Befragten waren sich einig und berichteten von einer "Zunahme der Übergriffe in den zurückliegenden Jahren".

Unterschieden wurde in der Studie zwischen verbalen und körperlichen Übergriffen. 44 Prozent der Betroffenen waren ein bis zwei Mal pro Monat mit verbalen Übergriffen konfrontiert. Körperliche Angriffe dagegen waren seltener – und ereigneten sich bei knapp 84 Prozent der befragten Rettungskräfte weniger als ein bis zwei Mal pro Monat.

Bundeskriminalamt bestätigt steigende Fallzahlen

Das Bundeskriminalamt bestätigt laut Sefrin für die Zeit von 2012 bis 2017 eine Zunahme der einfachen Körperverletzungsdelikte bei Rettungskräften um 57 Prozent – bei einer großen Dunkelziffer. Übergriffe seien nicht nur in Großstädten, sondern auch in ländlichen Regionen feststellbar. Jeder zweite Übergriff gehe auf das Konto von von Jugendlichen. Dabei seien häufig Alkohol und Drogen im Spiel.

Gewalt auch gegen Polizei und Feuerwehr

Erst vergangene Woche waren Polizisten in Ostheim vor der Rhön mit Flaschen und einem Böller beworfen worden. Auch hier waren vor allem Jugendliche an der Randale beteiligt. Die Vorfälle in der Silvesternacht zeigen laut Sefrin, dass sich die Gewalt aber nicht nur gegen Rettungskräfte, sondern auch gegen Polizei und Feuerwehr richtet. In Kitzingen wurden Feuerwehrleute beispielsweise bei einem Einsatz mit Pyrotechnik beschossen. "Die fehlende Akzeptanz beruht teilweise auf Unkenntnis des Rettungssystems und subsummiert dieses unter die Blaulichtorganisationen", so Sefrin.

Würzburg Arzt: Situation "nicht akzeptabel"

Der Arzt kritisiert, dass die strafrechtlichen Folgen bisher nicht abschreckend genug seien. Sefrin fordert außerdem für die Rettungskräfte Fortbildungen, die diese auf derartige Situationen vorbereiten. Außerdem müsse die Zusammenarbeit mit der Polizei intensiviert werden. Die aktuelle Situation bezeichnet Sefrin als "kontraproduktiv" für die Gewinnung von Freiwilligen. Hauptamtliche Rettungskräfte seien zunehmend frustriert. "Es ist nicht akzeptabel, es als gegeben hinzunehmen, dass Helfer im Rettungseinsatz beleidigt oder tätlich angegriffen werden", so Sefrin.

Sefrin setzt sich für Rettungswesen ein

Der Würzburger Arzt Peter Sefrin ist in ganz Bayern und darüber hinaus durch sein Engagement in der Notfallversorgung bekannt. Er war jahrzehntelang selbst als Notarzt tätig und unter anderem Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes. Außerdem hat er zahlreiche medizinische Fachbücher zum Thema Notfallmedizin veröffentlicht. Zuletzt war Sefrin als Oberarzt des Instituts für Anästhesiologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg tätig. Für seine Arbeit erhielt er mehrere Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz am Bande, den Bayerischen Verdienstorden oder die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!