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Drei Nürnberger bleiben in Frankreich in Haft | BR24

© dpa-Bildfunk/Emilio Morenatti

Drei Nürnberger bleiben in Frankreich in Haft

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Drei Nürnberger bleiben in Frankreich in Haft

Drei junge Nürnberger, die seit Ende August in Frankreich in Haft sitzen, bleiben vorerst hinter Gittern. Ein Berufungsgericht wollte am Freitag kein Urteil sprechen. Der Fall sei "zu komplex", um ihn an einem Tag zu entscheiden, so die Richterin.

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Rund acht Stunden waren schon verhandelt, als die Richterin den Berufungstermin der drei Nürnberger beendete. Aber nicht mit einem Urteil, sondern mit einer Vertagung. Am 17. Oktober will das Oberste Gericht in Pau weiter über den Fall der drei jungen Männer verhandeln. Dabei geht es um die Frage, ob ein vorheriges Urteil eines Schnellgerichts rechtmäßig war oder nicht. Die vorsitzende Richterin Anne Dufau verwies auf die Komplexität des Falles. Ein Urteil nach einem Tag wäre nicht möglich, so die Richterin.

Die 18- bis 23- Jährigen waren Ende August kurz vor dem G7-Gipfel in Biarritz mit auffälligen Gegenständen im Auto kontrolliert worden. Daraufhin wurden sie in Gewahrsam genommen und direkt im Anschluss von einem Schnellgericht zu zwei und drei Monaten Haft verurteilt. Die beiden Älteren sind in Deutschland als "Gewalttäter Links" polizeibekannt.

Staatsanwaltschaft: "Alles Nötige für Krawalle im Auto"

Während der Berufungsverhandlung in der südfranzösischen Stadt Pau wurden erneut die Gegenstände aufgezählt, die bei den dreien im Auto gefunden wurden. Darunter Sturmhauben, Boxhandschuhe, Pfefferspray sowie linke Aufkleber und linke Literatur. Die zuständige Staatsanwältin Fabienne Coupry stellte daraufhin fest, dass sich in "diesem Auto alles fand, was für Krawalle nötig" sei - außer Waffen.

Anwälte: Verfahren ein "Skandal"

Die Anwälte der drei widersprachen vehement. Sie hätten keine Gewalttaten begangen und auch nicht an Ausschreitungen teilgenommen. Die Anwälte sind ebenfalls überzeugt, dass die jungen Nürnberger nicht zum G7-Gipfel fahren wollten, sondern zum Urlaub in das nordspanische Baskenland. Das vorherige Urteil halten sie für einen Skandal - in der Berufungsverhandlung sprachen sie von Repression gegen ihre Mandanten. Vom heutigen Verhandlungstag seien sie schockiert.

Hohe Polizeipräsenz - und Tumulte

Als die Richterin bekanntgab, dass die drei Nürnberger weiterhin in Haft bleiben, kam es noch im Gerichtssaal zu tumultartigen Szenen. Es gab vereinzelte Sprechchöre gegen die Polizei und das Justizsystem. Vor dem Gerichtssaal und auf der Treppe zum Gerichtsgebäude kam es anschließend zu Rangeleien. Die Polizei setzte Tränengas ein. Wer die Tumulte auslöste, ist unklar.

Bereits den ganzen Tag über waren rund einhundert Polizisten in der beschaulichen Pyrenäenstadt Pau im Einsatz. Man habe vermutet, dass die drei Nürnberger dem sogenannten "Schwarzen Block" zugerechnet werden. Der schwarze Block gilt in Frankreich als extrem gewaltbereite linke Gruppierung. Entsprechend habe man die Sicherheitsstufe erhöht, so ein Sprecher der örtlichen Polizei.

Verurteilte beteuern Unschuld

Im Lauf des Verhandlungstages erhielten auch die drei Verurteilten die Möglichkeit, sich zu äußern. Der Jüngste beteuerte seine Unschuld und wiederholte mit dem Urteil "nicht einverstanden" zu sein. Die beiden Älteren bekräftigten, dass sie nicht zum G7-Gipfel unterwegs waren, sondern in den Urlaub.

Nächster Termin: 17. Oktober

Am 17. Oktober soll weiter über die Berufung der drei verhandelt werden. Weder Staatsanwaltschaft noch Vorsitzende Richterin wollten sich bezüglich einer möglichen Entscheidung dem BR gegenüber äußern. Ein Anwalt sagte, er freue sich auf den Tag, weil er davon ausgehe, dass sie spätestens dann freigelassen werden.

Die Eltern der drei zeigten sich am Ende des heutigen Prozesstages mitgenommen. Sie hatten ihre Kinder seit über einem Monat nicht gesehen oder gesprochen - bevor die drei Nürnberger nach Ende der Verhandlung abgeführt wurden, konnten sie ihre Eltern kurz umarmen.