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Überblick über die Hochwasserlage in Bayern.

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Angespannte Hochwasserlage in Südostbayern: Häuser evakuiert

Im Südosten Bayerns haben starke Regenfälle die Pegel der Flüsse steigen lassen. Das Berchtesgadener Land rief den Katastrophenfall aus. Es gab Tote, 130 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Christine Haberlander
  • Zara Kroiß
  • Martin Breitkopf

Infolge heftiger Regenmengen hat sich die Lage im Berchtesgadener Land zugespitzt. Um 22.22 Uhr musste im Berchtesgadener Land der Katastrophenfall festgestellt werden. Landrat Bernhard Kern (CSU) sagte am Morgen bei einer Pressekonferenz in Bad Reichenhall, die Einsatzkräfte sein die ganze Nacht über ohne Pause im Einsatz gewesen, da aufgrund der Sorge vor weiteren Regenschauern die weitere Entwicklung unklar gewesen sei. Tatsächlich habe in der Nacht der Regen auch erneut eingesetzt.

Dem Landrat zufolge gab es im Landkreis zwei Tote. Eines der beiden Opfer sei an einer natürlichen Ursache gestorben, allerdings könne auch dies mit dem Unwetter zusammenhängen. Weitere Angaben dazu machte er nicht.

900 Hilfskräfte im Berchtesgadener Land im Einsatz

Derzeit sind laut Kern rund 900 Hilfskräfte im Einsatz, unter anderem von Technischem Hilfswerk, Bayerischem Roten Kreuz, Polizei, Feuerwehr, Bergwacht und Wasserwacht. Wie lange der Katastrophenfall andauern werde, könne noch nicht abgeschätzt werden. In stündlichen Einsatzbesprechungen werde die Lage erörtert. Probleme bereite die Wetterentwicklung, die mit weiteren Regenschauern aktuell nicht sehr positiv aussehe.

Autos als "Spielball der Wassermassen"

Wie das Wasserwirtschaftsamt mitteilte, wurde an der Berchtesgadener Ache ein neuer historischer Höchststand erreicht. Der Pegel stieg innerhalb kürzester Zeit auf 3,81 Meter - bisher lag der Höchststand aus dem Jahr 2012 bei 3,12 Meter.

Der örtliche Einsatzleiter Anton Brandner stellte klar, dass Überschwemmungen für den Landkreis nicht außergewöhnlich seien. Die Wucht, mit der es das Berchtesgadener Land dieses Mal getroffen habe, sei dann aber doch überraschend gewesen. Anders als bei früheren Hochwasser-Ereignissen, seien Fahrzeuge "zum Spielball der Wassermassen" geworden und Gebäude einsturzgefährdet.

135 Menschen in Sicherheit gebracht

Deshalb mussten in Schönau am Königssee mehrere Häuser vorsorglich "aus geologischen Gründen" evakuiert werden - 135 Menschen waren davon laut Pressemitteilung des Landratsamtes Berchtesgadener Land betroffen. Ein Geologe sei derzeit vor Ort, um die Gefahr eines Hangabrutsches zu bewerten. Brandner lobte die Bevölkerung, die besonnen reagiert habe und zusammenhalte. Dies sei eine "große Erleichterung für die Einsatzkräfte".

Wie das Landratsamt mitteilt, wurde am Sonntagmittag die Entscheidung getroffen, nun auch Teilbereiche der Königsseer Ache zu evakuieren. Die betroffenen Personen würden direkt kontaktiert. Wichtig sei, auf die Anweisungen der Einsatzkräfte zu achten, zügig das betroffene Gebiet zu verlassen und sich zum angeordneten Sammelpunkt zu begeben.

Ortsteil Scheffau von Außenwelt abgeschnitten

Nach Angaben des Landratsamts waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns betroffen. Die Lage war teilweise dramatisch: Sturzfluten ergossen sich über die Straßen, Hänge rutschten ab, Keller liefen voll. In dem Ort Marktschellenberg war den Angaben zufolge der Ortsteil Scheffau von der Außenwelt abgeschnitten.

Das Berchtesgadener Land hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz stehen für Bürgerinnen und Bürger unter der Telefonnummer +49 8651 773-151 am heutigen Sonntag bis 16:00 Uhr und am morgigen Montag ab 9:00 Uhr zur Verfügung.

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Marktschellenberg am Sonntagmorgen

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Marktschellenberg am Sonntagmorgen

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Marktschellenberg am Sonntagmorgen

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Marktschellenberg am Sonntagmorgen

Einsatzleiter: Unnötige Fahrten unbedingt unterlassen

Der Einsatzleiter in Berchtesgaden, Anton Brandner, appellierte an die Menschen, unnötige Fahrten unbedingt zu unterlassen. Es gebe mehrere Gefahren im Moment: über die Ufer getretene und durch Treibgut aufgestaute Fließgewässer sowie spontane und unberechenbare Sturzbäche. All das könne dazu führen, dass Straßen bis zu 30 Zentimeter und mehr überflutet werden.

"Das Wasser kommt mit Wucht", warnte Brandner. Bei einem Einsatz in der Nacht sei, ein Fahrzeug nur wenige Meter vor der reißenden Ache zum Stehen gekommen. "Da ist man wehrlos, wie in einem Boot ohne Ruder und ohne Paddel." Das könne tödliche enden.

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Einsatzleiter in Berchtesgaden, Anton Brandner

Zugverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden eingestellt

Auch Landrat Bernhard Kern rief vor allem Tagestouristen auf, das Gebiet zu meiden. Die Einsatzkräfte hätten alle Hände voll zu tun. Der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden sei zudem eingestellt, sagte Kern. Bilder von BR-Reporter Martin Breitkopf zeigen, wie die Schienen teils vollständig unter Schlamm und Geröll verschwunden sind. Auch Straßen seien "extremst in Mitleidenschaft gezogen" worden, so der Landrat.

Söder und Herrmann im Hochwassergebiet erwartet

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) wollen am Sonntagnachmittag ins Hochwassergebiet in Südostbayern fahren. Das verlautete am Vormittag aus Regierungskreisen in München. Die beiden Politiker wollten sich in der vom Hochwasser betroffenen Region ein Bild von der Lage machen, hieß es. Ort und Zeit waren zunächst offen.

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Die Bahnstrecke Bad Reichenhall-Berchtesgaden ist von Schlamm und Geröll bedeckt.

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Die Bahnstrecke Bad Reichenhall-Berchtesgaden ist von Schlamm und Geröll bedeckt.

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Die Bahnstrecke Bad Reichenhall-Berchtesgaden ist von Schlamm und Geröll bedeckt.

BR-Wetterexperte: Aktuell keine Entspannung an der Wetterfront

Auch für die kommenden Stunden gibt es nach Angaben des BR-Wetterexperten Michael Sachweh keine Entwarnung für das Berchtesgadener Land. Vom österreichischen Inn-Viertel ist ein "neues Dauerregen-Gebiet" aufgezogen: "20 bis 50 Liter pro Quadratmeter sind wohl noch drin bis zum Abend", prognostiziert der Experte. Die höheren Werte in den Chiemgauer Alpen und dem Berchtesgadener Land. Die kleineren Flüsse werden wohl abends und nachts ihre Höchststände haben, die größeren wie Salzach und Inn erst morgen im Laufe des Tages, so Sachweh.

In den vergangenen 24 Stunden habe es 60 bis 130 Liter pro Quadratmeter geregnet, so der Experte, was normalerweise der Niederschlagsmenge eines ganzen Monats entspreche. Die Böden hätten so viel Wasser auf einmal nicht aufnehmen können, sodass dieses die Hänge "heruntergerauscht" sei und die Bäche und Flüsse gefüllt habe. Dabei sei das Berchtesgadener Land noch einigermaßen glimpflich davongekommen, weil es davor kaum geregnet habe und die Pegel niedrig gewesen seien, sagte Sachweh.

In der kommenden Woche werde es dann etwas Entspannung an der Wetterfront geben, erläuterte Sachweh. Erst für den nächsten Sonntag seien wieder kräftige Gewitter möglich. Bis dahin habe das Wasser aber Zeit abzulaufen, sodass die Flüsse die Regenschauer wieder gut aufnehmen könnten.

Hochwasserwarnung für Stadt und Landkreis Passau

"All das Wasser, das vom Himmel kommt im Berchtesgadener Land und auch in den Chiemgauer Alpen regnet, erreicht den Inn und die Salzach." Dieses Wasser ströme dann der Donau zu bei Passau, erklärt der Wetterexperte. In Passau haben Donau und Inn bereits über Nacht kräftig zugelegt und schon für Überschwemmungen gesorgt. Die Innpromenade ist unter Wasser, die Fluten kommen kräftig daher. An der Donau sind auch 100 bis 200 Meter überspült. An der Friz-Scheffer-Promenade werden Keller gesichert.

"Es ist ein Hochwasser, das jedes Jahr einmal vorkommt in der Drei-Flüsse-Stadt. Damit kommt man im Moment noch ganz gut zurecht. Es laufen die üblichen Vorbereitungen. Sandsäcke und die mobile Wände kommen heraus", berichtet Martin Gruber, BR-Reporter in Passau. Die Menschen in der Drei-Flüsse-Stadt seien Hochwassererfahren, sie würden daher einen kühlen Kopf bewahren - zumal die Vorhersage deutlich - etwa vier Meter - unter dem großen Hochwasser von 2013 liege.

Im Moment liegt die Donau mit acht Metern bei Meldestufe drei. Prognostiziert sind 8.35 Meter, das ist nicht ganz Stufe 4. Der Inn steht bei 5.50 Meter. Prognosen gehen derzeit von einem maximalen Wasserstand von knapp über sechs Metern aus. Der soll in der Nacht erreicht sein. Das wäre gleichbedeutend mit dem Erreichen der zweiten Meldestufe.

"Die Leute sind sehr achtsam, haben natürlich die Bilder von 2013 im Kopf. Damals stand die Donau 12.80 hoch, der Inn 10 Meter. Im Moment hat man die Lage im Griff." BR-Reporter Martin Gruber

Die Polizei schleppte vorsorglich Autos von Parkplätzen an der Donau in Passau ab, wie eine Sprecherin am Sonntag sagte. Anwohner hätten trotz Hochwasserwarnungen versäumt, ihre Fahrzeuge umzuparken. "Wenn wir sie nicht abschleppten, dann schwimmen die Dinger bis Österreich", sagte die Polizeisprecherin.

Entwarnung an Stillach bei Oberstdorf

Entspannt hat sich derweil die Lage an der Stillach bei Oberstdorf: Dort hatte sich das Wasser wegen einer größeren Menge von querliegendem Holz an einer Brücke gefährlich gestaut. Mittlerweile löste sich diese Barriere aber auf. Nach Polizeiangaben wurde niemand verletzt, auch Schäden waren zunächst nicht bekannt.

Die Feuerwehr ist eigenen Angaben nach seit gestern Abend (21 Uhr) im Dauereinsatz. Im Moment pumpen die Einsatzkräfte Wasser entlang der Stillach ab, das in die angrenzenden Wiesen läuft. Einige Anwohnerinnen und Anwohner haben mobile Schutzzäune um ihre Höfe gebaut, damit das Wasser aus der Stillach die Höfe nicht flutet.

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BR-Reporterin Michaela Neukirch an der Stillach

Auch im Landkreis Traunstein steigen die Pegel

Der Starkregen macht auch dem Landkreis Traunstein zu schaffen. In der Tourismusgemeinde Reit im Winkl ist der Gebirgsbach Schwarzlofer über die Ufer getreten. Die Bundesstraße 305 musste im Ortsgebiet wegen Überflutung gesperrt werden. Auch hier versuchen die Einsatzkräfte, mit Sandsäcken Gebäude zu schützen. Die Flusspegel von Tiroler Ache und Traun steigen weiter an.

Nach Auskunft des Wasserwirtschaftsamts Traunstein könnten beide Gewässer morgen sogar noch die Meldestufe 3 erreichen. Vorausgesetzt, es regnet die Nacht anhaltend stark durch. Auch das benachbarte österreichische Bundesland Salzburg meldet nach stundenlangen Regenfällen Hochwasser. In der österreichischen Stadt Hallein ist nach Starkregen die Innenstadt überflutet worden.

BR24live von 9 Uhr zur Hochwasserlage in Bayern

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Im Südosten Bayerns haben starke Regenfälle die Pegel der Flüsse stark ansteigen lassen. Besonders von Überschwemmungen betroffen: das Berchtesgadener Land. Der Landkreis rief den Katastrophenfall aus. BR24 berichtete zur Hochwasserlage in Bayern.

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