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Bildrechte: picture-alliance/dpa

Das Corona-Risiko in Kitas scheint höher als bislang angenommen. Sollten Kita-Eltern dann nicht schneller geimpft werden? Dazu äußert sich der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Dr. Ulrich Weigeldt im Kontrovers-Interview.

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Ulrich Weigeldt: Impf-Priorisierung aufweichen

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands appelliert im Interview mit dem BR-Politikmagazin Kontrovers für eine flexiblere Priorisierungs-Diskussion und mehr individuellen Spielraum der Praxen statt bundeseinheitlicher Maßgaben.

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Von
  • Anna Feininger

Es sei richtig gewesen, zunächst die Mitarbeiterinnen in den Kindertagesstätten und in den Kindergärten zu impfen, sagt Dr. Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, im Kontrovers-Interview. Aber "ich glaube auch, dass es vernünftig ist, nach und nach die Mütter und Familien zu impfen".

Impfpriorisierung nach und nach aufweichen

Um das erreichen zu können, sollte man sich laut dem Chef des Deutschen Hausärzteverbandes davon verabschieden, die Priorisierungsliste bundesweit gleich "wie ein Heckenschnitt" anzulegen. Weigeldt weist drauf hin, dass bereits Menschen aus der dritten Priorisierungsgruppe geimpft werden. Insofern könnten ihm zufolge bald viele Praxen dazu übergehen, tatsächlich auch Jüngere und Mütter mit kleinen Kindern zu impfen.

Testen, wo testen möglich ist

Ob sich nun tatsächlich über die Kitas die Mütter alle ansteckte, ist aus Sicht von Weigeldt eine Frage, die nicht einfach zu beantworten sei. Das Coronavirus sei in Kitas und Schulen laut des Chef des Deutschen Hausärzteverbands oft von außen eingeschleppt worden. Er plädiert für breiter als bisher angelegte Testungen der Einrichtungen.

"Das heißt: Die Impfung und Testung vor allem der Mitarbeiterinnen dort aber auch später die Testung der Kinder hilft uns schon, da das Ansteckungsrisiko zu minimieren." Dr. Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands

Darum glaubt er, dass alles was an Tests möglich sei, nicht schaden könne. Denn: In der Regel sei es so, dass die Tests - wenn sie überhaupt ungenau sein sollten - eher insofern ungenau seien, dass sie zu viele Infektionen anzeigten als zu wenig:

"Wenn solche Selbsttests und einfacheren Tests auch mal fehlerhaft sind, werden sie auf jeden Fall die großen Viruslasten - also das, was uns besonders anstecken kann - erwischen." Dr. Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands

Ethischer Ermessenspielraum für Ärzte

Der Chef des Deutschen Hausärzteverbands, der in Bremen als Hausarzt praktiziert, habe zwar selbst noch nicht erlebt, dass Mütter um eine Impfung bettelten. Aber es gibt eine Diskussion darüber, so Weigeldt weiter. Darum appelliert er im Interview mit dem BR-Politikmagazin Kontrovers für einen flexibleren Umgang:

"Und da müssen wir uns vielleicht - auch in der Prioritätsdiskussion - ein bisschen stärker mit diesen Dingen beschäftigen, was ja auch im Sinne des Ethikrats ist, der ja nicht die ganz strenge, hierarchische Priorisierung, wie es manchmal angenommen wird, vornimmt, sondern einen Ermessenspielraum zulässt, wenn die Patienten besonders leiden." Dr. Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands

Forderung an Jugend- und Familienkonferenz

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands erwartet von der kommenden Jugend- und Familienkonferenz, dass sie ein vernünftiges Konzept dafür entwickelt, wie Kinder und Jugendliche eine Impfung erhalten können. In wenigen Wochen werde ein Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren verfügbar sein.

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