BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Down-Syndrom: Bluttest für Schwangere als Kassenleistung? | BR24

© BR

Soll ein Bluttest für Schwangere zur Früherkennung von Down-Syndrom Ungeborener künftig von Krankenkassen bezahlt werden? Tests gibt es bereits seit Jahren. Bezahlen müssen werdende Mütter diesen selbst. Doch die Diskussion geht über Geld hinaus.

7
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Down-Syndrom: Bluttest für Schwangere als Kassenleistung?

Soll ein Bluttest für Schwangere zur Früherkennung von Down-Syndrom Ungeborener künftig von Krankenkassen bezahlt werden? Tests gibt es bereits seit Jahren. Bezahlen müssen werdende Mütter diesen selbst. Doch die Diskussion geht über Geld hinaus.

7
Per Mail sharen
Teilen

Der seit 2012 angebotene vorgeburtliche Test ermöglicht es Ärzten, einer Schwangeren anhand von wenigen Tropfen ihres Bluts mit hoher Treffsicherheit zu sagen, ob ihr Kind das Down-Syndrom (Trisomie 21) haben wird. Dieser vergleichsweise einfache Bluttest ersetzt die früher gängigere, aber risikoreichere Fruchtwasseruntersuchung. Allein im vergangenen Jahr haben sich in Deutschland mehr als einhunderttausend Frauen für den Bluttest entschieden - also etwa jede achte werdende Mutter.

"Ich bin froh, dass sich die Medizin und die Genetik weiterentwickeln und inzwischen andere Tests möglich sind als noch vor zehn Jahren. Ich finde es nicht verwerflich, dass ich jetzt mit dem Test die Gewissheit habe, so dass ich mich bewusst für oder gegen ein Kind mit Trisomie 21 entscheiden kann." Schwangere aus Nürnberg

Test auf eigene Kosten ist sozial ungerecht

Bislang müssen werdende Mütter den Test selber zahlen. Ob er künftig eine Kassenleistung wird, das sei eine gesellschaftliche Entscheidung, die die gewählten Vertreter im Bundestag debattieren müssen. So heißt es in einer Mitteilung vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. In dieser Diskussion müsse man zwischen der Ethik und dem Recht unterscheiden, sagt der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Prof. Peter Dabrock.

"Wenn ich als Ethiker in der Gesellschaft gefragt werde, sollen wir das zulassen oder nicht? Dann ist es eine Frage, die am Ende rechtlich entschieden werden muss. Das heißt: ich muss ethisch darüber nachdenken, ob das rechtlich geboten ist? Und wenn wir Fruchtwasseruntersuchungen bezahlen, dann müssen wir auch bei Risiko-Schwangerschaften die nicht invasiven Tests zahlen. Das ist eine Sache der Fairness." Prof. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Wissenschaftliche Möglichkeit und moralische Diskussion

In den Ländern, in denen dieser Bluttest als Kassenleistung eingeführt wurde - wie beispielsweise in Dänemark - ist die Zahl der Neugeborenen mit Down-Syndrom stark zurückgegangen. Vertreter von Organisationen, die für die Rechte von Menschen mit Behinderung eintreten, als auch Kirchensprecher und einige Politiker fordern daher, dass vorgeburtliche Bluttests auf Down-Syndrom nicht zur Regeluntersuchung werden dürfen.

"Es gibt Methoden, die sinnvoll sind, weil sie auch lebensrettend sein können. Aber diese Tests, die jetzt als Kassenleistung diskutiert werden, dienen nicht dem Leben, sondern dienen tatsächlich dem Selektieren: Darf das Kind weiterleben oder nicht?" Dr. Elzbieta Szczebak, Leiterin des Deutschen Down-Syndrom InfoCenters, Lauf an der Pegnitz bei Nürnberg

Ein solcher Test dürfe aber nicht von den finanziellen Möglichkeiten einer werdenden Mutter abhängen - diese Meinung vertritt Anita Kinle, die die Down-Syndrom-Beratungsstelle in Fürth und den "Laufclub 21" für Menschen mit und ohne Down-Syndrom gegründet hat. Sie ist selber Mutter eines Sohnes mit Down-Syndrom:

"Das Leben ist anders als mit einem Kind ohne Down-Syndrom. Aber wir führen trotzdem ein normales Familienleben. Es ist mein Wunsch an die Gesellschaft, dass sie jeden Menschen so nimmt wie er ist, und nicht einen Einzelnen als Last bezeichnet. Denn wo fängt die Last an, wo hört die Last auf? Ist ein schwer erziehbarer Junge auch schon eine Last?" Anita Kinle, Down-Syndrom-Beratungsstelle Fürth

Orientierungsdebatte - nicht nur um finanziellen Aspekt

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten und Krankenkassen hat vorgeschlagen, dass die Krankenkassen den etwa 200 Euro teuren Bluttest bezahlen, wenn es besondere Risiken oder Auffälligkeiten in einer Schwangerschaft gibt. Das Gremium hat den Auftrag, wissenschaftlich-technisch zu überprüfen, ob mit dem neuen Verfahren bestimmte Gendefekte zuverlässig erkannt werden können. Über ethische und rechtliche Aspekte müsse die Politik entscheiden - so das Gremium. In dieser Woche findet daher im Deutschen Bundestag eine ethische Orientierungsdebatte statt.

"Wenn wir Pränataldiagnostik weiter zulassen, dann müssen wir auch diesen Test zulassen. Wir müssen gleichzeitig darüber reden, wie wir als Gesellschaft mit Menschen mit Behinderung umgehen wollen. Wir müssen alles tun, damit das Leben von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft lebenswert und lebenswerter wird." Prof. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates
Von
  • Ulrike Nikola
Schlagwörter