Ortsschilder von Meinheim und Zedtwitz
Bildrechte: BR/Ulrike Lefherz/Annerose Zuber

Die Dörfer Meinheim und Zedtwitz kämpfen um die bundesweite Goldmedaille im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft".

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Dorf mit Zukunft: Meinheim und Zedtwitz in bundesweitem Finale

Die beiden fränkischen Dörfer Meinheim und Zedtwitz sind im Finale für den bundesweiten Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft". Meinheim will mit kostengünstiger Energieversorgung punkten. Zedtwitz präsentiert sich als kreative Dorfgemeinschaft.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Franken am .

Ein bunt gemusterter Kirchturm schmückt das mittelfränkische Dorf Meinheim. Warum allerdings Meinheim bundesweit in der Endausscheidung für den Wettbewerb "Dorf mit Zukunft" gute Chancen hat, ist auf den ersten Blick nicht so leicht zu erkennen. Der große Schatz verläuft unter der Erde. Es sind jede Menge Rohre. Seit rund zehn Jahren werden 80 Prozent der Haushalte mit der Abwärme zweier örtlicher Biogas-Anlagen versorgt. Warmes Wasser und Heizung sind also "Abfallprodukt" der regionalen Stromerzeugung. Und die Wasserversorgung kommt aus einem eigenen Brunnen, den die Dorfgemeinschaft vor rund 20 Jahren aufwändig saniert hat. Die Gemeinde ist damit in Sachen Energie- und Wasserversorgung unabhängig von globalen Ereignissen.

Meinheim ist Vorreiter für Nahwärme auf dem Land

Für die Bürgerinnen und Bürger sei die Nahwärme unschlagbar günstig, sagt Bürgermeister Wilfried Cramer (Freie Wähler). Als vor mehr als zehn Jahren die gemeinsame Riesenheizung fürs ganze Dorf eingerichtet werden sollte, seien einige Dorfbewohner noch skeptisch gewesen. "Die kommen heute und fragen, ob sie auch mitmachen können", sagt er. Zu allen teilnehmenden Haushalten mussten neue Rohre verlegt werden. Damals wurden gleich auch Glasfaserkabel mit verlegt. "Das Netz fürs schnelle Internet gehört der Gemeinde über eine GmbH komplett selber", so Cramer. Die beiden örtlichen Biogasbetreiber profitieren ebenfalls von der Nahwärme. "Wir können damit unser Abfallprodukt veredeln", sagt Christoph Westphal. Anfangs habe es Fördergelder gegeben. Doch inzwischen rechne sich die Einrichtung auch so, erklärt Westphal.

Meinheim: gewachsene Dorfgemeinschaft

Meinheim hat bereits mehrmals an Wettbewerben teilgenommen. "Es ist unheimlich viel Zusammenhalt entstanden", sagt Christa Wolf, eine der ehrenamtlich Engagierten in Sachen Musik. Jeder im Dorf trage dazu bei, sich bei der Jury gut zu präsentieren. In einer ehemaligen Bankfiliale am Dorfplatz wird derzeit ein neues Bürgerhaus fertig dekoriert. Alte Schätze aus Meinheimer Dachböden können hier künftig in Vitrinen ausgestellt werden. Eine Gruppe von Studierenden der Universität Augsburg sei beauftragt, ihre Ideen für die Zukunft Meinheims zu erarbeiten. Die Teilnahme an Wettbewerben bringe ein Dorf weiter, sagt Bürgermeister Cramer. "Weil man alles strukturell durchleuchtet und auf den Prüfstand stellt. Dabei ziehen viele mit und denken in die Zukunft. Das tut der Gemeinde gut."

Großer Gemeinschaftssinn in Zedtwitz

Warum hat Zedwitz Gold verdient? Bei dieser Frage müssen die Menschen in dem oberfränkischen Dorf bei Hof nicht lange überlegen – alle betonen den großen Gemeinschaftssinn. "Wir haben den besten Zusammenhalt – egal ob jung oder alt, ob alteingesessen oder neuzugezogen“, fasst eine junge Mutter zusammen. Und schon klappt sie Bierbänke für einen kleinen Kinderflohmarkt auf, die die Freiwilligen von der Zedtwitzer Feuerwehr vor den "Zedtkauf" transportiert haben.

Dorfladen mitsamt Cafe und Wohnungen

Der "Zedtkauf" wurde im Herbst 2022 eröffnet und ist weit mehr als nur ein Dorfladen. "Es ist ein wichtiger Treffpunkt im Ort", erklärt der zweite Bürgermeister Markus Schmidt (Freie Überparteiliche Wähler Gemeinschaft). Im ehemaligen Kuhstall eines lange leerstehenden Bauernhofs finden die rund 900 Frauen, Männer und Kinder von Zedtwitz (fast) alles, was das Herz begehrt: vom Gummibund über Konserven bis zum frischen Obst, Gemüse, Brot und Fleisch. Dazu Mehl, Eier und andere Spezialitäten von Direktvermarktern aus dem Landkreis Hof. Bioprodukte findet man genauso im Regal wie Artikel zu Discounter-Preisen. Und an der Kasse können sie bei Bedarf auch Bargeld abheben.

Engagierte Bürger plus Geld vom Staat

Der alte Dreiseit-Hof wurde dank Zuschüssen in Höhe von 90 Prozent aus der "Förderoffensive Nordbayern" zu einem Schmuckstück am Ortseingang – mitsamt drei Wohnungen und einem Café mit 40 Sitzplätzen, in dem auch täglich Mittagessen angeboten wird. Betrieben wird der "Zedtkauf" von einer Gesellschaft, zu der sich nicht nur die Gemeinde Feilitzisch, zu der Zedtwitz gehört, und drei Unternehmer aus dem Ort zusammengetan haben. Mehrere Hundert Bürger sind auch sogenannte "stille Beteiligte". Das Konzept des kleinen Vollsortimenters haben die Zedtwitzerinnen und Zedwitzer in wöchentlichen Sitzungen intensiv entwickelt.

Zusammenhalt hat Tradition in Zedwitz

Dabei konnten sie auch ihre Erfahrungen bei der Umnutzung des alten Gasthofs einbringen. Das konnte durch einen Zusammenschluss der verschiedenen Dorfvereine schon 2009 gerettet werden. Gästezimmer werden vermietet, es finden Familienfeiern statt und auch die Landjugend bringt sich ein – die mit über 100 Mitgliedern zu den größten Landjugendgruppen Oberfrankens zählt.

Kinder lernen spielerisch "Unser Dorf hat Zukunft"

Und das neueste Gemeinschaftsprojekt ist ein Kinderpflanz-Garten am Dorfrand gleich neben dem Fußballfeld und einem abwechslungsreich gestalteten Wasserspielplatz. Mit Unterstützung des Obst-und Gartenbauvereins pflegen und hegen die Zedwitzer Grundschulkinder Kohlrabi, Karotten, Salat. Und auf kleinen Schiefertafeln haben sie genau notiert, wer wann für das Gießen zuständig ist. Da wächst nicht nur frisches Gemüse, sondern schon die nächste Generation in Zedtwitz heran, die das Motto "Unser Dorf hat Zukunft" des Bundeswettbewerbs mit Leben füllt.

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