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Donauwörther Internat: Schläge mit dem Holzpantoffel | BR24

© BR/Judith Zacher

Ohrfeigen, Kopfnüsse, Schläge: Solche Strafen waren im Donauwörther Internat Heilig Kreuz bis in die 1990er Jahre Alltag. Das berichten Betroffene im Gespräch mit dem BR.

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Donauwörther Internat: Schläge mit dem Holzpantoffel

Ohrfeigen, Kopfnüsse, Schläge: Solche Strafen waren im Donauwörther Internat Heilig Kreuz bis in die 1990er Jahre Alltag. Das berichten Betroffene im Gespräch mit dem BR. Vertreter der Katholischen Kirche haben Gesprächsbereitschaft signalisiert.

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Wie die Betroffenen schildern, sollen vor allem zwei Patres den Schülern Gewalt angetan haben. Aber auch weltliche Erzieher hätten den Kindern nicht beigestanden. Kopfnüsse, Ohrfeigen, Schläge mit dem Schlüsselbund oder mit dem Holzpantoffel waren an der Tagesordnung, berichtet der ehemaliger Internatsschüler Stefan (Name von der Redaktion geändert). Mit zwölf Jahren ist er 1990 ins Donauwörther Internat gekommen.

Körperliche Bestrafung wegen Lausbubenstreichen

An ein Ereignis erinnert sich der heute 40-jährige Stefan besonders: Einmal hat er Mitschüler zum Lachen gebracht, während ein Pater ihnen eine Standpauke gehalten hat. Der Pater zitierte ihn in sein Zimmer:

"Dann ist er auf mich zu, ganz langsam, hat mir seinen langen Fingernagel ins Ohr, hat da gezogen und reingedrückt. Und ich hab mich so hilflos gefühlt. Er hat so lange gedrückt, bis es runtergelaufen ist, bis das Blut rausgelaufen ist." Stefan

Gewalt gegen Schüler in den 1990er Jahren – obwohl Kinder in Bayern seit 1983 das Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind nicht zulässig. Das regelt das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen.

Verantwortliche bedauern Übergriffe

Das Donauwörther Heilig Kreuz Internat ist seit 2016 Geschichte. Geleitet wurde es bis zu seiner Schließung von den Herz-Jesu-Missionaren. Der BR hat den in Salzburg ansässigen Provinzial Andreas Steiner mit den Vorwürfen konfrontiert. Seine Antwort: "Die Übergriffe, die Sie schildern bedauere ich sehr. Ich kann sie nur ablehnen, unabhängig im welchen Jahr dies geschehen ist.“ Der Provinzial empfiehlt Betroffenen, sich an die unabhängigen Ombudsstellen der Deutschen Bistümer zu wenden, mit denen die Herz-Jesu-Brüder – den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zufolge – konstruktiv zusammenarbeiteten.

Bistum Augsburg hat Aufklärung zugesagt

Stefan geht es erstmal um etwas anderes: Bis zur Schließung des Internats 2016 habe es immer nur Lobesreden für die Einrichtung gegeben, kritisiert er. "Es gab eben auch die Kehrseite des Ganzen, diese Angst, diese Gewalt, die nie öffentlich wurde und das ist jetzt mein Versuch, diese Kehrseite, Schattenseite, eine Stimme zu geben." Die wird sie bekommen: Auch das Bistum Augsburg hat angekündigt, die verantwortlichen Herz-Jesu-Missionare bei der Aufarbeitung unterstützen.

Kein Zusammenhang mit Donauwörther Missbrauchsskandal

Stefan ist angeregt von BR-Berichten über Gewalt in Heimen mit seiner Leidensgeschichte an die Öffentlichkeit gegangen. Die Vorfälle im Internat Heilig Kreuz stehen allerdings nicht im Zusammenhang mit dem von BR-Reporterin Judith Zacher aufgedeckten Missbrauchsskandal im gleichnamigen Donauwörther Kinderheim. Beide Einrichtungen waren jedoch jahrelang im selben Gebäude untergebracht: Während das Kinderheim bereits 1977 geschlossen wurde, bestand das Internat bis 2016.

© BR/Judith Zacher

Ohrfeigen, Kopfnüsse, Schläge: Solche Strafen waren im Donauwörther Internat Heilig Kreuz bis in die 1990er Jahre Alltag. Das berichten Betroffene im Gespräch mit dem BR. Vertreter der Katholischen Kirche haben Gesprächsbereitschaft signalisiert.