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Online-Konkurrenz: Das stille Sterben des Einzelhandels | BR24

© BR/Hildebrandt

Nach 134 Jahren schließt das traditionsreiche Schuhhaus Braun an der Donauwörther Reichsstraße. Wieder klafft eine Lücke in der Innenstadt, das stille Sterben des Einzelhandels geht weiter.

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Online-Konkurrenz: Das stille Sterben des Einzelhandels

Auch in Schwaben machen viele Einzelhändler dicht, Schaufenster sind leer, die Innenstädte verlieren an Flair. Ein Grund ist die Konkurrenz aus dem Internet. Das Beispiel Donauwörth zeigt aber: Es geht oft um noch mehr.

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Noch hängen bunte Luftballons an der Eingangstür, ein Schild in grellen Farben signalisiert Passanten den Räumungsverkauf. Noch können Kunden hier ihre Schuhe kaufen, doch bald schon wird das Schuhhaus Braun in der Donauwörther Reichsstraße Vergangenheit sein. Und das nach 134 Jahren!

Verkehr bringt Lärm und Stress, aber keine Kunden

Schuhhändler Thomas Musaeus ist zwar jetzt sowieso im Rentenalter, aber ein Nachfolger sei weit und breit nicht zu finden gewesen, sagt Musaeus. Schuld ist aus seiner Sicht zwar auch der Online-Handel, hier in der Reichsstraße spiele aber auch der Verkehr eine große Rolle.

Bummeln zwischen 12.000 Autos?

Laut Stadtverwaltung fahren jeden Tag 12.000 Autos die Donauwörther Prachtstraße entlang. Einkaufen gehen die Autofahrer nicht unbedingt. An manchen Stellen sind keine zwei Meter Platz zwischen den Schaufenstern der Geschäfte und der Straße. Wer dennoch in der Reichsstraße bummeln will, dem kann der viele Verkehr schnell den Spaß daran verderben. Es müsse endlich was geschehen, sagt Noch-Einzelhändler Thomas Musäus.

Fußgängerzone? So einfach geht das nicht

Das sieht auch Donauwörths Bürgermeister Jürgen Sorré so. Der Verkehr in der Reichsstraße sei ein Problem, sagt er, doch kurzfristig lösen könne man das nicht. Denn die Reichsstraße ist Hauptverkehrsachse. Geschwindigkeitsbegrenzungen oder gar die Umwandlung in eine Fußgängerzone seien deshalb rechtlich schwer möglich. Auch eine dauerhafte Fußgängerzone kommt für den Oberbürgermeister nicht infrage. Nur eine Fußgängerzone einrichten, das funktioniere nicht. Auch das Angebot müsse attraktiv sein, und das müsse sich gegenseitig entwickeln.

Zumindest am Samstag die Reichsstraße sperren

Schon vor zwei Jahren gab es erste Planungen, die Reichsstraße zumindest samstags zu sperren. Dafür braucht es aber auch immer eine Veranstaltung oder einen Markt, um die Sperrung begründen zu können. Doch das Coronavirus hat die Pläne erst einmal verhindert. Schuhhändler Thomas Musaeus vermietet sein Ladenlokal künftig an den Donauwörther Stadtladen – ein Lebensmittelgeschäft ähnlich den bekannten Dorfläden, getragen von einer Genossenschaft. Und er hofft, dass die Menschen den Laden annehmen und nicht etwa mit dem Auto daran vorbeifahren.

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