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"Donaulied" sorgt für Diskussionen in Passau | BR24

© picture alliance/imageBROKER

Feiern im Bierzelt

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    "Donaulied" sorgt für Diskussionen in Passau

    Im Volksfestzelt ein Lied mitsingen, das von der Vergewaltigung eines Mädchens handelt? Dafür hat eine Passauer Studentin kein Verständnis. Sie hat eine Petition gegen das "Donaulied" gestartet und damit eine rege Diskussion ausgelöst.

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    Mit einer Online-Petition gegen ein umstrittenes Festzeltlied hat eine Passauer Studentin eine Diskussion über Sexismus angestoßen. Das sogenannte Donaulied, das von der Vergewaltigung eines schlafenden Mädchens handelt, soll demnach nicht mehr in Passauer Festzelten und Kneipen gesungen werden, wie es auf der Petitionsseite heißt.

    Viele Menschen machen sich über den Text keine Gedanken

    "Ich machte mich über die Schlafende her, Ohohoholalala, Sie hörte das Rauschen der Donau nicht mehr, Ohohoholalala" oder "Mein Mädchen, mein Mädchen, was regst du dich auf, Ohohoholalala, Für mich war es schön und für dich sicher auch, Ohohoholalala" heißt es in dem Lied, von dem auch Ballermann-Sänger Mickie Krause eine - abgemilderte - Version aufgenommen hat. Viele Leute machten sich um den Text wohl gar keine Gedanken, sagt Studentin Corinna Schütz.

    "Sprache formt Denken"

    Die 22-Jährige hat zudem die "Aktion gegen Bierzelt-Sexismus" gestartet. Die Gruppe hat mittlerweile 45 Unterstützer. Auf der Petitionsseite heißt es: "Sprache formt das Denken. In diesem alten Volkslied vermittelt der umgeschriebene Text ein Weltbild, welches sexuelle Gewaltfantasien gegen Frauen normalisiert und verherrlicht. Deswegen stellt das Donaulied eine Form sexueller Gewalt dar." Es soll in Bierzelten nicht mehr gesungen werden.

    Mit dem Text auseinandersetzen statt verbieten

    Sie wollen kein Verbot des Donauliedes erwirken, stellt die Studentin klar. Vielmehr sollten sich die Leute mit dem Text auseinandersetzen und freiwillig auf das Singen verzichten. Es werde Vergewaltigung verharmlost. Ihre Mitstudenten kämen aus aller Welt. "Wir müssen uns dann rechtfertigen, warum wir so etwas noch singen", sagt die Studentin. Mehr als 1.000 Unterstützer beteiligten sich bis Freitag an der Petition. Aber auch Beleidigungen und Häme musste die 22-Jährige für ihre Aktion im Internet schon einstecken.

    Negative Reaktionen und Beleidigungen im Netz

    "Anscheinend is des Corona schon bei manchen ins Hirn, falls die eins haben, vorgedrungen und hat Schäden hinterlassen", heißt es da. Oder: "Der wünsch I, dass (sie) später Kaugummi verkaufen muass an der Tankstelle. Vielleicht soi de aber erstmoi mit ihren intellektuellen Freunden a Demo gegen die niederbayerische Kultur organisieren."

    Schütz sagt, sie sei keine Traditionsfeindin und ginge gerne zur Dult. "Aber dann stehen wir auf der Bierbank und müssen uns das anhören."

    Auch die Politik beschäftigt die Diskussion jetzt

    Den Grünen-Landtagsabgeordneten Toni Schuberl ärgert besonders ein Kommentar des stellvertretenden Passauer Landrates Hans Koller (CSU) zu dem Lied. Dieser hatte auf Facebook eine spöttische Aussage gegen die Aktion als "sehr gut" bewertet. In einem offenen Brief fragte Schuberl den CSU-Politiker: "Darf ich das so werten, dass Du die Verherrlichung und das Besingen einer Vergewaltigung gutheißt?"

    Der Deutschen Presse-Agentur sagte Koller: "Mir gefällt das Lied auch nicht." Es sei ein "uraltes, primitives Sauflied", jedoch gebe es in Corona-Zeiten wichtigere Themen als das Donaulied. Das habe er mit seinem Kommentar zum Ausdruck bringen wollen.

    Text zum Lied entstand möglicherweise im Ersten Weltkrieg

    Die Ursprungsfassung des Liedes stammt aus dem 19. Jahrhundert, wie Michael Fischer, Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik an der Universität Freiburg sagt. Es sei später vielfach parodiert worden, zumeist mit erotisch-sexuellen Inhalten. Die heute noch bekannte Fassung ist möglicherweise im Ersten Weltkrieg entstanden. "Wenn dies stimmt, müsste man die derbe Lesart mit der Situation junger Männer im Krieg zusammenbringen", sagt Fischer.

    Dieses Lied habe nichts mit Traditionspflege zu tun

    "Lieder dieser Machart leben von der Grenzüberschreitung", meint der Experte. Jedoch: Der Text des Donauliedes sei aus heutiger Sicht "unerträglich, nicht nur aus der Perspektive von Frauen, sondern auch aus der Perspektive der Männer, die als Vergewaltiger dargestellt werden". Das Singen solcher Lieder hat seiner Ansicht nach nichts mit Humor, Harmlosigkeit oder Traditionspflege zu tun.

    Die Anstößigkeit bestehe in der wenig verschleierten Vergewaltigung der Schlafenden. Dass es in der Gegenwart bei Party- oder Festkontexten immer wieder zu solchen Straftaten komme, sollte nicht ausgeblendet werden. "Deshalb sollte man auf dieses Lied besser verzichten", sagt Fischer.

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