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Nach Petition: Erste Stadt verbietet Donaulied | BR24

© pa/dpa/imageBROKER/Wolfgang Weinhäupl

Die Donau bei Passau

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    Nach Petition: Erste Stadt verbietet Donaulied

    Eine Petition aus Niederbayern zeigt Wirkung über die Grenzen Bayerns hinaus. Eine erste Stadt hat jetzt verboten, die sexistische Version des Donauliedes auf Volksfesten zu spielen. In Passau ist das offenbar immer noch kein Thema.

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    Das Donaulied - Tradition oder verzichtbarer Bierzeltsexismus? Darüber wurde heftig gestritten, nachdem die Passauer Studentin Corinna Schütz eine Petition gestartet hatte, die das Lied aus den Passauer Bierzelten verbannen sollte. Mittlerweile wird darüber nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland diskutiert und eine Stadt hat nun durchgegriffen.

    Die Stadt Montabaur verbietet Donaulied

    Eine Stadträtin aus Montabaur (Rheinland-Pfalz) nahm die Petition aus Niederbayern zum Anlass, selbst aktiv zu werden und regte eine Abschaffung des Liedes auf dem Volksfest an. Montabaurs Bürgermeisterin Gabriele Wieland (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Auf Initiative eines Stadtratsmitglieds haben wir beschlossen, dass wir bei Vertragsabschluss mit Bands vereinbaren, dass sie das Donaulied nicht spielen." Sie gehe davon aus, dass sich die Bands daran halten.

    Der Liedtext des Donaulieds beginnt harmlos: "Einst ging ich am Strande der Donau entlang...", und thematisiert dann eine Vergewaltigung: "Ich machte mich über die Schlafende her, Ohohoholalala."

    Parteiübergreifender Zuspruch für Verbot

    Rund 35.000 Menschen aus ganz Deutschland hatten bis diese Woche die Online-Petition unterzeichnet. Von bayerischen Politikern gab es parteiübergreifend großen Zuspruch für die Initiative: Martin Hagen, FDP-Fraktionsvorsitzender, schrieb auf Twitter: "Gut, dass sich die Zeiten ändern. Vergewaltigung ist kein Bierzelt-Joke." Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) meinte: "Schon Worte können verletzen. Da hört für mich der Spaß auf." Und die bayerische Grünen-Chefin Eva Lettenbauer schreibt dazu: "Da Taten mit Worten beginnen, hat das Lied keinen Platz in Bierzelten. Danke für die Petition." Auch Kabarettist Christian Springer und der Rapper Monaco F. gehören zu den Unterstützern der Passauer Petition.

    Der Kreisverband Donau Ries von der Partei "Die PARTEI" gestaltete sogar ein Plakat mit dem ironischen Slogan "Vergewaltigung ist Passauer Kulturgut!" und darunter "Außerdem haben wir wichtigere Probleme. Wählt Die PARTEI, sie besingt keine Straftaten."

    Aktuell rund 35.000 Unterstützer der Petition

    Auch Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) hatte bereits Anfang Juni Unterstützung für die Petition der Studentin signalisiert: "Ich werde mich deshalb dafür einsetzen, dass wir gemeinsam mit den Wirten eine Lösung finden, damit dieses Lied auf den Passauer Dulten nicht mehr gespielt wird." Bisher ist nichts passiert.

    Die Frage, ob auch in Passau geplant ist einen Verbotsantrag für das Donaulied in den Stadtrat einzubringen, ließ die Pressestelle der Stadt Passau unbeantwortet. Auch wenn die Stadt Veranstalter sei, liege die Buchung der Bands in den Händen der Festwirte. Man wolle "im Dialog mit allen Beteiligten eine gute Lösung in Sachen Donaulied" finden, heißt es in der Pressemitteilung allgemein.

    Gegen-Petition und Drohungen

    Allerdings erntete die Passauer Gruppe auch Spott, Beleidigungen und Kritik. Einige Verfechter des Donauliedes initiierten im Internet eine Gegen-Petition, die bislang fast 5.500 Unterzeichner fand. Initiatorin Corinna Schütz erhielt nach eigenen Aussagen auch Mord- und Vergewaltigungsandrohungen.

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