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Donauausbau: Bürger wollen veränderten Hochwasserschutz | BR24

© BR/Sarah Beham

Bewohner mehrerer Gemeinden an der Donau zwischen Deggendorf und Vilshofen haben sich jetzt zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Sie wollen einen im Rahmen des Donauausbaus geplanten offenen Polder verhindern.

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Donauausbau: Bürger wollen veränderten Hochwasserschutz

Bewohner mehrerer Gemeinden an der Donau zwischen Deggendorf und Vilshofen haben sich jetzt zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Sie wollen einen im Rahmen des Donauausbaus geplanten offenen Polder verhindern.

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Neue Diskussion um den Donauausbau zwischen Deggendorf und Vilshofen: Bürger mehrerer Gemeinden aus dem Landkreis Deggendorf haben sich jetzt im Zuge des Planfeststellungsverfahrens für den sogenannten Teilabschnitt zwei zur Interessengemeinschaft "Gleicher Hochwasserschutz für alle" zusammengeschlossen.

Ziel: Offenen Polder verhindern

Sie wollen für die Orte Arbing, Gramling, Endlau, Schnelldorf, Herzogau, Langkünzing, Künzing, Langburg, Zainach und Rossfelden einen Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser durchsetzen und konkret einen geplanten offenen Polder im Bereich Ruckasing/Endlau verhindern. Stattdessen wollen die Anwohner einen besseren Hochwasserschutz in Form eines geschlossenen Polders erreichen.

Zweites Fischerdorf befürchtet

Für Andrea Scheday, Mitgründerin und Sprecherin der Interessengemeinschaft, ist es eine Frage der Gerechtigkeit: "Wir ermöglichen der Gesellschaft einen 100-jährlichen Hochwasserschutz, indem wir 380 Hektar Ackerfläche bereitstellen - wir selbst bekommen den Hochwasserschutz aber nicht. Wir bekommen einen offenen Polder: Das bedeutet, dass künstlich geschaffene Bachableiter in die Donau münden und bei Hochwasser plötzlich rückwärts zu uns laufen, weil wir tiefer liegen und wir vollaufen. Unsere Ortsteile, die die Interessengemeinschaft gegründet haben, werden mit Absicht zu einem zweiten Fischerdorf von 2013 gemacht." Der Deggendorfer Ortsteil stand beim Hochwasser 2013 komplett in den Fluten der Donau.

Vollständiger Hochwasserschutz nicht umsetzbar

Die zuständige Wasserbauliche Infrastrukturgesellschaft mbH WIGES (früher Rhein-Main-Donau GmbH) hat nach Angaben Schedays ausgerechnet, dass im Fall eines hundertjährlichen Hochwassers 181 Gebäude betroffen wären. Ein geschlossener Polder sei laut den Planungsvarianten durchaus möglich, werde aber in erster Linie aus Kostengründen abgelehnt, so Scheday.

Von der WIGES heißt es hierzu auf BR-Anfrage: "Aufgrund der deutlich höheren Baukosten von mindestens 16 Millionen Euro netto weisen alle untersuchten Varianten mit geschlossenem Polder gegenüber der im Verfahren befindlichen Planung ein deutlich schlechteres Nutzen-Kosten-Verhältnis auf". Und weiter: "Ein vollständiger Hochwasserschutz für alle Gebäude im Poldersystem ließe sich auch bei einem geschlossenen Polder nicht erreichen."

Planungsänderungen hätten immensen Nutzen

Scheday hingegen weist die Bedenken zurück: Die Änderung in der Planung würde den Steuerzahler ca. sechs bis zehn Millionen Euro mehr kosten als der offene Polder. Der Nutzen für die Anwohner sei aber immens. "Und bei einem Bauprojekt, das insgesamt 1,5 Milliarden kosten soll, müssten doch sechs bis zehn Millionen Euro für den Schutz der Bevölkerung vertretbar sein", so Scheday.

Online-Petition gestartet, Protestaktionen geplant

Mit einer Online-Petition will die Interessengemeinschaft nun stärker auf ihre Situation aufmerksam machen und Unterstützer finden. Bislang (Stand 28. September, 9 Uhr) haben mehr als 900 Menschen die Petition unterschrieben. Außerdem plane man in den betroffenen Gemeinden wie Osterhofen und Künzing in zwei Wochen Aktionen mit Bauzaunplakaten, heißt es. Damit wolle man mehr Petitions-Unterstützer erreichen und sich Gehör bei Politikern verschaffen.

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