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Die Kritik am jahrelang umstrittenen Donauausbau in Niederbayern reißt nicht ab: Jetzt gibt es Widerstand gegen die aktuell vorliegenden Pläne im Teilabschnitt ll zwischen Deggendorf und Vilshofen.

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Donauausbau: Anwohner kämpfen mit Mahnmal für Hochwasserschutz

Erneute Kritik am Donauausbau in Niederbayern: Anwohner wehren sich gegen die Pläne im Teilabschnitt ll zwischen Deggendorf und Vilshofen. Sie haben eine Interessensgemeinschaft gegründet und machen das auch sichtbar.

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Von
  • Sarah Beham
  • BR24 Redaktion

Die Kritik am jahrelang umstrittenen Donauausbau in Niederbayern reißt nicht ab: Jetzt gibt es Widerstand gegen die aktuell vorliegenden Pläne im Teilabschnitt ll zwischen Deggendorf und Vilshofen. Hier wird noch nicht gebaut - anders als im Teilabschnitt l zwischen Straubing und Deggendorf. Das Planfeststellungsverfahren läuft noch.

Mahnmal für mehr Schutz

Zehn Orte entlang der Donau in den Landkreisen Deggendorf und Passau haben sich zur Interessensgemeinschaft "Gleicher Hochwasserschutz für alle" (IG) zusammengeschlossen und bei Künzing im Landkreis Deggendorf ein Mahnmal aus Holzbaumstämmen errichtet. Jeder Baumstamm symbolisiert einen Menschen, der auch nach dem Donauausbau von einem 100-jährlichen Hochwasser betroffen wäre. Insgesamt geht es um 181 Gebäude, darunter 28 Wohnhäuser.

Es geht um Menschen

Mit dem Mahnmal wollen die Anwohner auf ihre Situation aufmerksam machen und für einen Hochwasserschutz kämpfen, erklärt Andrea Scheday, die Sprecherin der Interessensgemeinschaft: "Die Baumstämme stehen für uns Menschen. Es darf nicht nur um Geld gehen - wir brauchen Aufmerksamkeit für unsere ausweglose Situation. Wir geben 380 Hektar Land für Deichrückverlegungen her, damit ermöglichen wir für die Gesellschaft einen 100-jährlichen Hochwasserschutz. Aber wir erhalten ihn nicht - den fordern wir, er wurde uns 2013 von der Politik versprochen."

Forderung: Geschlossener statt offener Polder

Die Interessensgemeinschaft kämpft für einen geschlossenen Polder im Bereich Ruckasing/Endlau. Im Zuge des Donauausbaus ist hier aber ein offener Polder geplant. Dagegen wehren sie sich. Denn: Die Interessensgemeinschaft erwartet dadurch bei Hochwasser einen Rückstau der Donau durch den Herzogbach und den Angerbach. Nicht alle Anwohner wären so vor einem 100-jährlichen Hochwasser geschützt. Deswegen wollen sie einen geschlossenen Polder mit Schöpfwerk. Der würde alle Anwohner schützen.

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Mitglieder der IG stellen Plakate auf und wollen auf ihre Situation aufmerksam machen.

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Auf die Holzstämme wurden die betroffenen Familiennamen geschrieben.

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Einige betroffene Familien verewigen sich mit Fotos beim Mahnmal.

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Mit ihrer Protestaktion wollen sie einen 100-järhlichen Hochwasserschutz für ihre Häuser erreichen.

WIGES: Offener Polder gesetzlich vorgegeben

Von WIGES (Wasserbauliche Infrastrukturgesellschaft), der Firma, die die Arbeiten des Donauausbaus im Auftrag von Bund und Bayern durchführt, heißt es: Ein offener Polder sei gesetzlich vorgegeben, ansonsten würden Unterlieger wie beispielsweise Passau oder Oberösterreich Nachteile im Hochwasserschutz erhalten.

"Anwohner erhalten Verbesserung, keine Verschlechterung"

Zudem würden Anwohner im betroffenen Bereich im Zuge des Donauausbaus eine Verbesserung in Sachen Hochwasserschutz erfahren. Bisher waren die Anwohner vor einem 30-jährlichen Hochwasser geschützt, nach dem Donauausbau seien alle vor einem 50-jährlichen Hochwasser geschützt. „755 Wohngebäude stünden hier bei einem 100-jährlichen Hochwasser unter Wasser, das wollen wir ändern. 96 Prozent der Gebäude werden vollkommen geschützt. Bei 28 Gebäuden gelingt das nicht ganz – es wird besser, aber es gelingt nicht ganz. Weil wir überzeugt sind, dass der Polder offenbleiben muss“, so Dr. Markus Schmautz, Geschäftsführer von WIGES.

Podiumsdiskussion für Hochwasserschutz geplant

WIGES und die Interessensgemeinschaft haben sich in einem BR-Gespräch auf eine Podiumsdiskussion nach Corona verständigt. Sollten beide Parteien keinen Kompromiss finden, könnten Klagen und Verzögerungen beim Donauausbau die Folge sein.

💡 Fakten zum Donauausbau

Jahrzehntelang war der Donauausbau in Niederbayern zwischen Straubing und Vilshofen umstritten. Letztlich einigte man sich auf einen sanften Donauausbau ohne Staustufen. Die Ziele: Zum einen sollen die Schifffahrtsverhältnisse, zum anderen der Hochwasserschutz verbessert werden. Orte entlang der Donau sollen künftig vor einem 100-jährlichen Hochwasser geschützt werden. Die Bilder von 2013, als beispielsweise der Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf komplett überschwemmt wurde, machten deutlich, dass es einen besseren Hochwasserschutz braucht. Dafür werden jetzt zum Beispiel Deiche erhöht und rückverlegt. Die Kosten für den gesamten Donauausbau betragen über eine Milliarde Euro. Vergangenes Jahr begannen mit dem Spatenstich die Bauarbeiten im Teilabschnitt eins zwischen Straubing und Deggendorf. Im Teilabschnitt zwei zwischen Deggendorf und Vilshofen läuft gerade das Planfeststellungsverfahren. Bis hier gebaut wird, dauert es noch.