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"Erinnerungsort Badehaus" in Wolfratshausen
© Bayerischer Rundfunk 2018

Autoren

Annette Kugler
© Bayerischer Rundfunk 2018

"Erinnerungsort Badehaus" in Wolfratshausen

Eröffnung des "Erinnerungsortes Badehhaus" in Waldram am 21.10.2018.

Eröffnung des "Erinnerungsortes Badehhaus" in Waldram am 21.10.2018.

Für die Eröffnung der Erinnerungsstätte waren über 60 Zeitzeugen mit ihren Familien nach Waldram angereist, die – teils zum ersten Mal - nach Waldram gekommen sind - aus Deutschland, Israel und den USA. Föhrenwald – so hieß der Wolfratshauser Ortsteil damals – war der Ort ihrer Kindheit; bis 1957 fand dort nach dem Holocaust erstmals wieder jüdisches Leben in Freiheit statt.

Spender, Förderer und Ehrenamtliche

Eben dafür gibt es nun auch einen offiziellen Erinnerungsort – ein Museum, eingerichtet im ehemaligen Badehaus des DP-Camps, des Camps für "Displaced Persons". Das sollte ursprünglich abgerissen werden, um für Wohnhäuser Platz zu machen – der Verein "Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald e.V." durfte schließlich 2015 das Gebäude von der Erzdiözese München-Freising übernehmen und renovierte es in tausenden ehrenamtlichen Arbeitsstunden mithilfe von Fördergeldern und Spenden.

Überlebende des Holocaust

Die Schul-Aula von St. Matthias in Waldram war zur Eröfnungsfeier kaum wieder zu erkennen: Polizisten bewachen die Eingänge, viele Gäste tragen Kopfhörer, die Reden werden simultan übersetzt - im ersten Moment fühlt es sich nach internationaler Konferenz an, gleichzeitig aber wie ein Familientreffen – allerdings ein sehr besonderes Familientreffen.

"Ich kam her, da war ich zwei, zweieinhalb Jahre, und ich hab die schönste Zeit meines Lebens hier verbracht, und nicht nur ich, sondern alle Kinder." Abraham Ben

Abraham Ben, heute 71, ist einer von ihnen – von den Kindern von Föhrenwald. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen sie als sogenannte DPs, als "Displaced Persons" nach Waldram, das damals noch Föhrenwald hieß – die amerikanischen Besatzer hatten die ehemalige Mustersiedlung der Nazis kurzerhand umfunktioniert, sie wurde eines der größten rein jüdischen DP-Camps in Bayern. Von 1945 bis 1957 fanden hier tausende Überlebende des Holocaust erstmals wieder eine Heimat in Freiheit. Und rund 60 von ihnen sind an diesem Wochenende zurückgekehrt, aus den USA, aus Europa und Deutschland und aus Israel.

Frida Epshtein ist im DP-Lager Föhrenwald auf die Welt gekommen, war hier im Kindergarten und noch in der 1. Klasse. Die Stimmung war gut, sagt sie, es war wie in einer großen Kinder-Kommune, wie in einem Kibbuz. Heute lebt sie in Haifa – und ist zum ersten Mal wieder an ihrem Geburtsort.

Waldramer wollten keinen Abriss des Hauses

Möglich gemacht hat das der Verein "Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald". Vor rund sechs Jahren sollte das ehemalige Badehaus am Kolpingplatz abgerissen werden, um für Wohnhäuser Platz zu machen. Interessierte Bürger hatten herausgefunden, dass dort zu DP-Camp-Zeiten die Mikwe, also das jüdische Ritualbad untergebracht war – sie wollten diesen Ort unbedingt erhalten, die Idee erschien zunächst aussichtslos.

"Da kommen so paar engagierte Leute und behaupten, sie machen da ein Museum, und ob das dann auch wirklich klappt? Es hat halt sehr viel Einzelverhandlungen gegeben. " Wolfgang Saal, Verein "Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald"

Mit Erfolg: das Haus ging 2015 tatsächlich an den Verein – es folgten Berge von abgeklopftem Putz, herausgebrochene Wände, ein neuer Dachstuhl – dank Spenden und Fördergeldern ist für insgesamt 1,8 Millionen Euro eine hochprofessionelle und außergewöhnliche Ausstellung entstanden – gestern gab es die ersten Führungen. Zu sehen ist auch eine kleine Inszenierung mit originalen Munitionskisten, eine davon stammt aus der Nachbarstadt Geretsried als Spende.

Die Ausstellung erzählt die wechselvolle Geschichte des Lagers in Föhrenwald, beleuchtet die Anfänge unter den Nazis und die Zeit als jüdisches Schtetl. Der persönlichste Teil schließlich dann im Dachgeschoss: Dort erzählen die Zeitzeugen in Aufnahmen selbst ihre ganz persönlichen Erinnerungen – und was die neue Waldramer Dokumentationsstätte für sie bedeutet.

"Es muss erhalten bleiben, es war ja kein Vernichtungslager oder ein KZ, sondern es war eine Heimstätte und es war eine wichtige Heimstätte. / Dass es nicht nur jüdische Menschen sind, die nachempfinden, was hier alles erlebt worden ist." Aus den Tonaufnahmen Betroffener

Ab sofort geöffnet

Ebenfalls zum Festakt gekommen waren US-Generalkonsulin Meghan Gregonis, Staatskanzleichef Florian Herrmann, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster, der katholische Weihbischof Wolfgang Bischof, die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler sowie weitere Vertreter aus der Regional- und Landespolitik. Die Dokumentationsstätte ist ab sofort für das Publikum geöffnet.

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Eröffnung der Dokumentationsstätte "Erinnerungsort Badehaus" in Waldram am 21.10.2018.

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