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Dokumentation Domspatzen: So lief die Recherche | BR24

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BR24-Webchannel-Moderatorin Karen Bauer im Gespräch über die Recherchen zur Doku mit Autor Eckhart Querner.

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    Dokumentation Domspatzen: So lief die Recherche

    Zwei BR-Autoren haben die Domspatzen seit dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals begleitet. Wie haben sie recherchiert? Wie offen waren die heute Verantwortlichen gegenüber den Reportern? Autor Eckhart Querner erzählt von dern Recherchen zur Doku.

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    Auf der einen Seite eine fast 1.000-jährige Tradition mit Konzerten in aller Welt. Auf der anderen Seite: Prügel, Psychoterror und sexueller Missbrauch. Das ist die Geschichte von Deutschlands ältestem und berühmtesten Chor: den Regensburger Domspatzen. Im Jahr 2010 gab es erste Hinweise auf Misshandlungen und Missbrauchsfälle. Es sollte noch fünf Jahre dauern, bis die Aufklärung Fahrt aufnahm. Heute weiß man: Zwischen 1945 und den 1990er-Jahren wurden um die 500 Jungen misshandelt und mehr als 60 sexuell missbraucht.

    BR-Autoren begleiten Domspatzen ein Jahr intensiv

    Die beiden BR-Autoren Eckhart Querner und Christian Wölfel berichten seit Jahren über den Regensburger Knabenchor. Ein Jahr lang haben sie die Domspatzen intensiv in ihrem Alltag mit Schule, Internat und Heimweh begleitet.

    Für die Opfer war der Schritt vor die Kamera "riesig"

    Die Recherchen, gerade die Gespräche mit den Opfern vor der Kamera, seien nicht leicht gewesen, sagt Autor Eckhart Querner. Für diese sei es "ein riesen Schritt" gewesen, mit ihrer leidvollen Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. "Gleichzeitig war es für viele aber auch eine große Erleichterung, da sie dadurch die öffentliche Aufmerksamkeit auf ihr Schicksal lenken konnten", sagt Querner.

    "Die Opfer haben dadurch eine Anerkennung und Beachtung erfahren, die ihnen durch die katholische Kirche jahrelang nicht zuteilgeworden ist." BR-Autor Eckhart Querner

    Vor dieser Dokumentation gab es zwei Filme, die sich mit der Aufarbeitung beziehungsweise der Nicht-Aufarbeitung beschäftigten, so Querner. Während dieser Filme hätten er und sein Kollege Christian Wölfel sich immer wieder gefragt, wie eigentlich der Alltag der Domspatzen heute aussehe: "Wie oft proben die, wie läuft das mit der Schule? Schaffen sie beides? Wie läuft es im Internat ab, was machen die Domspatzen am Wochenende? Wie oft haben sie Dienst im Regensburger Dom?"

    Keine Auflagen oder Beeinträchtigungen von den Domspatzen

    So reifte der Entschluss zu der nun erschienenen zweiteiligen Dokumentation. Von Seiten der Domspatzen hätte es keine Beeinträchtigungen oder Auflagen gegeben, was wir nicht hätten fragen dürfen, erzählt der Autor: "Wir haben einen total offenen und freien Zugang bekommen."

    Das einzige, was für die beiden Autoren ganz klar war, sagt Querner, war, "dass wir auf die Bilder der aktuellen Domspatzen, zum Beispiel auf deren Chorproben, nicht das erzählen, was in den 60er- und 70er-Jahren passiert ist."

    "Wir haben sauber getrennt zwischen der aktuellen Situation und dem, was früher war." BR-Autor Eckhart Querner

    Vier Terrabyte Filmmaterial, 70 DIN-A4-Seiten Interviews

    Das Recherchematerial für die Dokumentation sei riesig gewesen, erzählt Querner: "Insgesamt hatten wir vier Terrabyte an Filmmaterial." Um den Überblick nicht zu verlieren, wurden die Interviews alle verschriftlicht. "So konnten wir nach Stichpunkten suchen, um einzelne Passagen schneller zu finden", so der Autor. Allein für den zweiten Teil der Dokumentation seien auf diese Weise 70 DIN-A4-Seiten schriftliche Interviews zusammengekommen.

    Die beiden Dokumentationen "Die Domspatzen nach dem Skandal - Der Umbruch" und "Die Domspatzen nach dem Skandal - Der Neuanfang", können in der BR Mediathek beziehungswesise heute Abend um 22.00 Uhr im BR Fernsehen angesehen werden.