BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Doch nicht tot: Wie es mit der Schnepfingerin weitergeht | BR24

© BR/Anne-Lena Schug
Bildrechte: Fred Gruber

Der verschollen geglaubte Brachvogel ist in seinem Brutgebiet bei Dingolfing-Landau wieder aufgetaucht. Nun bereitet sich die Schnepfingerin zusammen mit ihrem Partner auf die bevorstehende Brutsaison vor.

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Doch nicht tot: Wie es mit der Schnepfingerin weitergeht

Der verschollen geglaubte Brachvogel ist in seinem Brutgebiet bei Dingolfing-Landau wieder aufgetaucht. Nun bereitet sich "die Schnepfingerin" zusammen mit ihrem Partner auf die bevorstehende Brutsaison vor.

1
Per Mail sharen
Von
  • Anne-Lena Schug

Vor einem Jahr war der Brachvogel, der mit einem Sender ausgestattet wurde, während seines Rückfluges von Spanien in das niederbayerische Brutgebiet, von der Bildfläche verschwunden.

"Sie war gerade beim Überflug der Pyrenäen", erzählt Joachim Aschenbrenner, von der LBV-Kreisgruppe Dingolfing-Landau. "Und plötzlich hat die ganze Aufzeichnung gestoppt. Und das Verhalten war unerklärlich." Der Sender habe keine Signale mehr und zum Schluss auch noch eine falsche Körpertemperatur mit 14 Grad gesendet, da habe man angenommen, dass der Vogel entweder gewildert worden oder einem Greifvogel zum Opfer gefallen sei, so Aschenbrenner. "Jedenfalls war klar: Der wird nicht mehr hier ankommen."

Doch am 8. März fiel dem Hobby-Ornithologen die Schnepfingerin im Königsauer Moos im Landkreis Dingolfing-Landau auf - denn sie hat einen weißen Ring mit einer Nummer am Fuß. Anhand dieser Nummer konnte der LBV eindeutig feststellen: Bei diesem Vogel handelt es sich tatsächlich um die tot geglaubte Schnepfingerin!

Bald Küken der Schnepfingerin?

Aschenbrenner hofft nun, dass die Schnepfingerin mit ihrem Partner erfolgreich im Königsauer Moos brüten und viele kleine Brachvögel bekommen wird. Frühestens Ende März legen Brachvögel zwei bis fünf bräunliche bis grünliche Eier, die meist dunkler gefleckt sind. Die Brutzeit dauert 27 bis 29 Tage. Mit fünf Wochen sind die Küken dann flügge.

Brachvögel sind sehr selten

Große Brachvögel gelten als stark vom Aussterben bedroht. Die Flächen, auf denen sie brüten, also artenreiche, feuchte Wiesen, werden immer seltener. Außerdem werden die Wiesenbrüter oft von Spaziergängern und Hunden gestört oder von Füchsen oder Mardern gefressen. Häufig werden die Brutgebiete der Brachvögel eingezäunt, damit sie nicht gestört werden. Spaziergänger werden gebeten, die Brutgebiete bis Juni nicht zu betreten, auf den öffentlichen Wegen zu bleiben, nur ausgewiesene Beobachtungsmöglichkeiten zu nutzen und vor allem Hunde an die Leine zu nehmen.

Brachvögel können bis zu 35 Jahre alt werden

Die Schnepfingerin ist inzwischen rund vier Jahre alt. Brachvögel wie sie, können bis zu 35 Jahre alt werden. Aschenbrenner beobachtet die Tiere regelmäßig und mit großer Begeisterung: "Der Große Brachvogel ist ein wahnsinnig guter Flieger. Wenn man ihn über die Wiesen gehen sieht, wirkt er etwas unbeholfen mit den großen Beinen und seinem großen Schnabel. Er schaut recht harmlos aus. Wenn dann plötzlich ein Greifvogel im Gebiet auftaucht, dann sieht man, was das für ein toller und eleganter Flieger ist, wie schnell der in der Luft wenden kann und den Greifvogel dann angreift. Er hat vor nichts Angst." Auf der anderen Seite zeige er ein relativ stilles Verhalten in den Wiesen, wenn er da durchlaufe und mit seinem langen Schnabel im Boden stochere. "Das wirkt so beruhigend", findet Aschenbrenner.

Schnepfingerin war sehr bekannt

Die Schnepfingerin hatte einen Hype ausgelöst: Zwei Jahre lang hatte ein Forschungsteam des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und für viele Zeitungsleser das Leben der Schnepfingerin verfolgt.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb eine Serie über sie und hatte die Leserinnen und Leser über den Namen des seltenen Brachvogels abstimmen lassen. Heraus kam der Name "Schnepfingerin", weil Brachvögel zu den Schnepfenvögeln gehören. Typisch für diese Vögel sind lange Beine und ein sehr langer Schnabel.

Viele Leserinnen und Leser verfolgten Vogel-Schicksal

Andreas von Lindeiner, der Landesbeauftragte des Landesbundes für Vogelschutz, erinnert sich an den Hype, den die Schnepfingerin ausgelöst hatte: "Ich glaube, das Spannende daran ist, dass man ein Tier herausgreift, ihm einen Namen gibt und ihm damit eine Identität verschafft. So kann man anhand der Lebensgeschichte eines Vogels ganz viel über das Leben seiner Artgenossen erzählen. Wir haben ganz viel Interesse erfahren."

Viele Leute hätte die Flugroute der Zugvögel interessiert und beeindruckt. Manche reisen in nur eineinhalb Tagen mit bis zu 90 Stundenkilometern aus dem Süden zurück in ihre Brutgebiete nach Deutschland.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!