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Doch keine Gurkensuppe? JVA-Insassen sauer auf Ministerium | BR24

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Besser gelüftete Zellen und kalte Gurkensuppe: Damit sollten die Häftlinge in Bayern die Hitzewelle Ende Juli gut überstehen. Das jedenfalls teilte das Justizministerium damals mit. Aber mehrere Gefangene widersprechen dieser Darstellung.

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Doch keine Gurkensuppe? JVA-Insassen sauer auf Ministerium

Besser gelüftete Zellen und kalte Gurkensuppe: Damit sollten die Häftlinge in Bayern die Hitzewelle Ende Juli gut überstehen. Das jedenfalls teilte das Justizministerium damals mit. Aber mehrere Gefangene widersprechen dieser Darstellung.

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Es war heiß Ende Juli im Freistaat - sehr heiß. Angesichts von Temperaturen um die 40 Grad kümmerte sich das bayerische Justizministerium nach eigenen Angaben deshalb auch um die hiesigen Gefangenen. Das Ministerium teilte der Deutschen Presse-Agentur damals mit, dass es zur Hitze-Bewältigung für die bayerischen Häftlinge unter anderem kalte Gurkensuppe und mehr frisches Obst und Gemüse gebe. Zudem würden die Zellen häufiger gelüftet.

Auch der BR berichtete damals über die Extra-Maßnahmen für die Gefangenen. Daraufhin meldeten sich mehrere Häftlinge. Ein Insasse der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing schrieb in einem Brief: Gurkensuppe und mehr frisches Obst und Gemüse, das habe es bei ihnen nicht gegeben. "Über Ihren Artikel im Teletext musste nicht nur ich hier schmunzeln, sondern auch die Mitgefangenen", teilte der Mann mit. "Ich weiß nicht, wie das Ministerium darauf kommt. Hafträume werden häufiger gelüftet? Wann soll das bitte stattfinden???“

Der Häftling hat sogar eine Strafanzeige gegen die JVA Straubing und das bayerische Justizministerium gestellt - wegen der Verbreitung falscher Tatsachen. Auch aus dem Gefängnis im schwäbischen Kaisheim schrieb ein Häftling, dass kein Wort der Ministeriums-Ankündigung wahr sei.

Ministerium: lediglich "exemplarische Darstellung"

Auf BR-Anfrage ruderte das Justizministerium nun etwas zurück. Schriftlich teilte die Pressesprecherin mit, dass die genannten Maßnahmen lediglich eine exemplarische Darstellung gewesen seien. Was in den einzelnen Justizvollzugsanstalten möglich sei, hänge stark von den Verhältnissen vor Ort ab. Wörtlich heißt es: "Es ist bedauerlich, wenn einige Gefangene die dpa-Meldung so verstanden haben sollten, dass jeder Einzelne von allen genannten Maßnahmen profitiert."

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger kritisiert die Kommunikation des Justizministeriums. Steinberger sitzt im Anstaltsbeirat der JVA Straubing und sagt: "Ich finde es ja gut, dass das Ministerium bei der Hitzewelle auch an die Gefängnis-Insassen gedacht hat. Aber es kann nicht sein, dass die Gurkensuppe oder andere Erleichterungen nur angekündigt werden. Wenn das Ministerium schon solche Ankündigungen macht, muss man dafür sorgen, dass diese Versprechungen auch bei den Gefängnis-Insassen ankommen.“

Steinberger kritisiert "reine Luftnummer"

Das Justizministerium will die Beschwerden der Häftlinge nun zur Bearbeitung weiterleiten - an die jeweilige Anstaltsleitung. Das wiederum findet Grünen-Politikerin Steinberger nach eigenen Angaben "billig". Sie betont: Entweder bekommen die JVAs vom Justizministerium die nötigen Mittel für solche Hitze-Maßnahmen - oder das Ganze sei eine "reine Luftnummer".