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Die Slow-Food-Bewegung setzt sich seit 30 Jahren für regionales, faires und ökologisches Essen ein. Zwei Beispiele aus Unterfranken.

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30 Jahre Slow Food – regionale Leckereien aus Unterfranken

Slow Food, die Bewegung gegen Fast Food und für bewusstes Genießen, ist vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen. Das Essen mit allen Sinnen wird heute in Unterfranken von 70 Unternehmen unterstützt – mit einem klaren Ziel für die Lebensmittelbranche.

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Carlotta SauerCarlotta Sauer
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Mit geübten Handbewegungen knetet Sebastian Heinrich einen hellen Teig, den der Bäckermeister und Konditor anschließend in eine Pizza-große Form gibt. Der "Blooz", eine Art Käsekuchen, ist traditionell fränkisch, erklärt der 43-Jährige. Seit sieben Jahren leitet Heinrich die MainBäckerei Heinrich mit Standorten in Wipfeld und Theilheim. Das Familienunternehmen gehört seit knapp 25 Jahren zu den Unterstützern von Slow Food.

Slow Food heißt: Produktion umstellen

Regionale Zutaten zu verwenden und bei allen Bestandteilen die Herkunft nachvollziehen zu wollen, das bedeutete damals eine große Umstellung, besonders in der Produktion, erzählt Heinrich heute: "Damals haben wir noch Fertigmischungen benutzt, das tun wir seitdem nicht mehr – alle Körnermischungen mischen wir selbst. Außerdem verwenden wir nur Produkte, von denen wir wissen, wo sie herkommen."

Bäckermeister und Konditor Sebastian Heinrich belegt seinen Streusel-Blooz mit Zwetschgen.

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Slow Food für Regionalität

Die Slow Food-Bewegung setzt sich für eine faire und regionale Ernährung ein, die klimafreundlich ist und die biologische Vielfalt respektiert. Außerdem möchte sie die Menschen dazu bringen, wieder bewusst zu essen und zu genießen. Für Bäcker Heinrich heißt das, dass er Walnüsse für die Nussschnecken aus dem eigenen Garten nutzt, zudem Obst, Eier und Mehl, die so nah wie möglich produziert worden sind.

Slow Food als Gegenbewegung zum Fast Food

Der italienische Soziologe und Journalist Carlo Petrini hat Slow Food 1989 ins Leben gerufen – als Gegenbewegung zum Fast Food. Auch heute noch hat Slow Food seinen Sitz im italienischen Piemont. 1992 wurde in Deutschland der erste nationale Slow Food-Verein außerhalb Italiens gegründet. Slow Food unterstützt Erzeuger und Restaurants dabei, auf Regionalität zu achten – bietet etwa Trainingsprogramme für die Gastronomie, die Landwirtschaft und die Lebensmittelbranche an.

Einstellung zum Essen hat sich verändert

In den vergangenen 30 Jahren habe es geholfen, dass sich die gesellschaftliche Einstellung zum Essen gewandelt habe, sagt Gerd Sych, Leiter der Slow Food-Gruppe Hohenlohe-Mainfranken: "Früher war es vor allem eine Genussvereinigung, bei der es hauptsächlich um das gute Essen ging. Inzwischen setzen wir sehr stark auf die Regionalität." Als fränkische Produkte, die praktisch von vor der Haustür stammen, können Verbraucherinnen und Verbraucher etwa schwarze Nüsse oder eine Vielzahl an Tomatensorten genießen. Slow Food setzt sich zudem dafür ein, dass diese angebaut werden, ohne der Umwelt zu schaden.

Slow Food in Unterfranken heißt auch: Wein

Deutschlandweit unterstützen Slow Food über 1.100 Unternehmen, davon 330 in Bayern und 70 in Unterfranken. Hier sind viele Weingüter Unterstützer von Slow Food – eines von ihnen ist das Weingut Rothe in Nordheim am Main, das seit 2002 bei Slow Food aktiv ist. Winzer Manfred Rothe bietet montags bis donnerstags sein Weinbistro an. Alle Zutaten der Brotzeit, zum Beispiel Tomaten, Käse, Nüsse und Wurst, sind slow.

Lebensmittel brauchen Zeit

Das bedeutet für den Winzer: "Wie beim Wein auch, kommt die Qualität oft mit der Ruhe und mit der Zeit, die man einem Produkt gibt. Beim Obst und Gemüse ist es die Reife, dann wird es schmackhaft. Es ist sehr wichtig, unseren Lebensmitteln diese Zeit auch zu geben." Gleiches gelte für Schinken oder Wurst. Mehr Gewinn macht er dadurch nicht. Für Rothe ist Slow Food vor allem eine Einstellungssache. Das ist anders als zum Beispiel mit seiner Entscheidung für eine Bio-Zertifizierung: Die wirkt sich auch in der Kasse aus.

Gerd Sych (links), Leiter von Slow Food Hohenlohe-Mainfranken, mit Winzer Manfred Rothe in seinem Weinbistro.

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Hohe Inflation: Weniger Fleisch als Lösung?

Den Druck in der Kasse spüren auch die Verbraucher gerade. Denn die derzeitige Inflation macht vor den Lebensmittelpreisen nicht halt. Regionale Ernährung wird momentan zunehmend teurer, beobachtet Gerd Sych. Der Leiter der Slow Food-Gruppe Hohenlohe-Mainfranken sieht eine überwiegend vegetarische Lebensweise als Lösung. "Früher gab es Fleisch nur am Sonntag, daher kommt der Sonntagsbraten. Wir müssen wieder dahinkommen, Fleisch, das wir essen, bewusst zu genießen." Genau dazu möchte er mit seinem Engagement bei Slow Food beitragen.

Regionales Gemüse für das Slow Food-Weinbistro

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