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DNA-Probe bestätigt Wolfsangriff auf Nutztiere in der Rhön

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    DNA-Probe bestätigt Wolfsangriff auf Nutztiere in der Rhön

    Bereits Ende Oktober hat ein Schäfer in der Rhön zwei seiner Ziegen tot auf der Weide gefunden. Eine DNA-Probe hat nun bestätigt: Die Tiere wurden von einem Wolf gerissen. Der Unterfranke fordert Schutzmaßnahmen und ergreift schon einmal eigene.

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    Ralph WegeRalph WegeJulia DechetJulia Dechet
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    Ende Oktober hatte der Schäfer Julian Schulz zwei tote Ziegen vorgefunden – "außerdem wurde ein Schaf so schwer verletzt, dass es von seinen Qualen erlöste werden musste", erzählt er. Seine Tiere weiden auf einem eingezäunten Gebiet in der Nähe des Wanderwegs zur Thüringer Hütte in der Rhön. Schnell hatte er eine Ahnung, wer für den Tod seiner Tiere verantwortlich sein könnte: ein Wolf.

    DNA-Probe von Bissstellen der gerissenen Tiere

    Diese Vermutung wurde jetzt mit Hilfe einer DNA-Probe bestätigt. Laut Schulz hatte ein Parkranger mit Wattestäbchen Speichelproben von den Bissstellen an den Kadavern genommen. Ein Labor untersuchte die Proben. Knapp zwei Wochen später erhielt der Schäfer das Ergebnis: Die DNA stamme von einem Wolf, so Schulz.

    Er sagt, dass dies der erste Wolfsangriff auf eingezäunte Nutztiere in der Rhön war. Nach Angaben des Schäfers hatte vor zwei Jahren ein Wolf Kamerunschafe gerissen, die waren aber zuvor "ausgebüchst" gewesen. Schulz befürchtet nun, dass es wieder zu Wolfsangriffen kommen wird.

    Schäfer fordert Abschuss des Wolfs

    Momentan betreut er etwa 1.000 Schafe und 40 Ziegen. Sie befinden sich auf zwei Weiden. Schulz fordert ein "gezieltes Wolfsmanagement". Der betreffende Wolf solle erschossen werden, so die Forderung. Denn dieser werde vermutlich wieder über Weidezäune springen und Nutztiere reißen. "Experten sind der Meinung, dass Wölfe nicht ohne Weiteres über erhöhte Zäune springen, doch ich habe da andere Erfahrungen. Meine Weidezäune sind schon einen Meter zehn hoch und somit 20 Zentimeter höher als gefordert. Trotzdem ist der Wolf darüber gesprungen."

    Herdenschutzhunde in der Rhön schwierig einsetzbar

    Herdenschutzhunde gegen den Wolf sind für den Schäfer auch keine Lösung. In der Rhön seien die nicht ohne Weiteres einsetzbar, sagt der Schäfer. In dieser Kulturlandschaft führen viele Wanderwege in unmittelbarer Nähe von Weidegebieten entlang. Somit würden die Herdenschutzhunde Wanderer ankläffen, um ihre Herde zu schützen. Dies könnte sich unter Umständen negativ auf den Tourismus in der Rhön auswirken, so Schulz.

    Schutz vor dem Wolf: Tiere kommen in den Stall

    Am Freitag will Schulz knapp 600 seiner Schafe von der Weide in den Stall bringen, um sie vor dem Wolf zu schützen. Die Mutterschafe haben Lämmer, die leicht zur Beute werden könnten. Die restlichen Tiere werde Schulz erst in knapp zwei Wochen in den Stall führen. "Eher geht nicht, sonst müsste ich sie jetzt schon mit eingelagertem Futter versorgen und unter Umständen zusätzliches einkaufen, um sie den Winter über zu versorgen. Das wäre für mich nicht wirtschaftlich genug."

    Überwachungs-Kameras und Esel auf der Weide

    Zusätzlich will der Unterfranke in den nächsten Tagen zwei Überwachungs-Kameras auf der Weide installieren. Damit könne er live über sein Handy die Herde beobachten. Überdies werde er für kommendes Frühjahr zwei bis drei Esel anschaffen, um seine Schafe und Ziegen auf der Weide zu schützen. "Bei Gefahr schreien die Esel sehr laut und werden so den Wolf in die Flucht schlagen", sagt der Rhönschäfer.

    Finanzieller Ausgleich für tote Tiere

    Eine Anfrage beim Landesamt für Umwelt läuft noch, ob und welche Maßnahme gegen den Wolf unternommen werden. Für die getöteten Tiere hat der Schäfer zwar finanziellen Ausgleich erhalten, dieser entspreche dem Schlachtwert. Die getöteten Tiere seien aber auch für die Nachzucht wichtig gewesen. Besonders schlimm ist für den Schäfer die emotionale Belastung: Eines der Tiere habe er mit der Flasche großgezogen. "Das war für mich ein Schock, als ich es tot auf der Weide fand. Die ersten Nächte nach dem Wolfsangriff habe ich kaum schlafen können."

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