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Für ihr Engagement als weltoffener Arbeitgeber hat die Stadt München im vergangenen Jahr den Diversity-Preis bekommen. Jeder fünfte städtische Mitarbeiter hat einen Migrationshintergrund. Trotzdem gibt es in einigen Bereichen Nachholbedarf.

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Diversity bei der Stadt München: Vielfalt mit Luft nach oben

Für ihr Engagement als weltoffener Arbeitgeber hat die Stadt München im vergangenen Jahr den Diversity-Preis bekommen. Jeder fünfte städtische Mitarbeiter hat einen Migrationshintergrund. Trotzdem gibt es in einigen Bereichen Nachholbedarf.

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Mehr als 1.100 Ampeln stehen in München - ein paar von ihnen gleich an der großen Kreuzung neben Mustafa Erciyas Büro am Kreisverwaltungsreferat. Mustafa Erciyas ist der Herr der Ampeln. Seit vier Jahren plant er als Verkehrsingenieur, wer wann und wie lange grünes Licht bekommt. Mustafa ist einer von insgesamt mehr als 4.000 Mitarbeitern der Stadt München mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit. Im vergangenen Jahr hat die Landeshauptstadt für ihr Engagement als weltoffener Arbeitgeber den Diversity-Preis gewonnen. Mustafa Erciyas ist mit der Vielfalt unter den Mitarbeitern zufrieden. Seiner Meinung nach geht da aber noch deutlich mehr.

Auf Augenhöhe

Geboren und aufgewachsen ist Mustafa Erciyas in der Türkei. Dort hat er Bauingenieurswesen studiert, bevor er mit 21 Jahren nach Deutschland kam und in Darmstadt seinen Master machte. In der Abteilung der Verkehrssteuerung der Stadt München war Mustafa einer der ersten ausländischen Mitarbeiter. Die Kollegen haben ihn sofort gut aufgenommen. "Die Beziehung war von Anfang an auf Augenhöhe", erinnert sich Mustafa. "Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich einen Migrationshintergrund oder eine Zusatzqualifikaton habe." Als Moslem konnte er etwa während des Ramadan seinen Kollegen viele Fragen zu seinem Glauben beantworten. "Das war ein Austausch und eine Bereicherung für alle", findet Mustafa.

Jeder fünfte Mitarbeiter mit Migrationshintergrund

Mittlerweile arbeiten in Mustafas Abteilung Menschen aus acht Nationen - darunter Griechenland, Kroatien oder China. Gut zwölf Prozent aller städtischen Mitarbeiter haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Wieviele einen Migrationshintergrund haben, kann die Stadt nur schätzen, da sie hierzu keine Angaben erfassen darf. Die Stadt geht davon aus, dass insgesamt rund 20 Prozent ihrer Mitarbeiter einen Migrationshintergrund haben. Personalreferent Alexander Dietrich betont, die Landeshauptstadt stehe seit Jahren dafür, eine weltoffene und solidarische Arbeitgeberin zu sein.

Höherer Migrantenanteil erwünscht

"Ich bin dankbar, dass die Stadt München an der Vielfalt festhält", sagt Mustafa Erciyas. Dennoch ist er überzeugt: Da geht noch mehr. Denn in der Bevölkerung ist der Ausländeranteil deutlich höher. Insgesamt haben mehr als 40 Prozent aller Einwohner Münchens eine ausländische Staatsangehörigkeit oder einen Migrationshintergrund. Auch Personalreferent Alexander Dietrich stellt klar, die Stadt wolle den Migrantenanteil ihrer Mitarbeiter in den nächsten Jahren deutlich erhöhen. Dafür suche man Nachwuchskräfte gezielt an Schulen mit einem hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund.

Größte Hemmschwelle ist die Sprache

Nach wie vor sind die ausländischen Mitarbeiter der Stadt hauptsächlich in gering qualifizierten Bereichen tätig, wie etwa bei der Müllabfuhr. Bei höher qualifizierten Berufen oder in Führungsebenen sind ausländische Beschäftigte immer noch die Ausnahme. Das größte Hindernis ist die Sprache, sagt Dietrich. Gerade in der sehr rechtlich geprägten Verwaltung. "Die deutsche Sprache ist schon schwierig. Die Rechtssprache ist noch komplizierter", erklärt Alexander Dietrich. Verkehrsingenieur Mustafa Erciyas wünscht sich deshalb, dass die Stadt ihre Mitarbeiter noch besser unterstützt, etwa mit Schreibkursen oder einem Mentorenprogramm.

Bei der Kommunalwahl fühlt sich Mustafa Erciyas ausgegrenzt

Fast die Hälfte seines Lebens hat Mustafa Erciyas mittlerweile in Deutschland verbracht. In München fühlt er sich wohl. Vor allem die Nähe zu den Bergen und Seen gefällt ihm. Für Mustafa ist München das "Sahnehäubchen" unter den Großstädten. Trotzdem fehlt ihm noch etwas Wichtiges: Da er die türkische Staatsangehörigkeit besitzt und somit kein EU-Bürger ist, hat er auch kein kommunales Wahlrecht. "Bei der Kommunalwahl fühle ich mich ausgegrenzt. Ich darf die Verkehrsampeln in München planen, aber ich darf nicht mitbestimmen, wer Oberbürgermeister wird", sagt Mustafa.

"Vom Aussehen her merkt man nicht, dass ich die Ampeln in München plane"

Auch offenen Rassismus hat er bereits erlebt. Vor drei Jahren hat ihn ein Mann von hinten eine Rolltreppe hinuntergestoßen. "Meine Frau hat ein Kopftuch und ich habe schwarze Haare. Vom Aussehen her merkt man nicht, dass ich die Ampeln in München plane", sagt Mustafa.

Deshalb setzt er sich auch für die Interessen anderer Migranten in München ein. Als Ehrenamtlicher im Migrationsbeirat der Stadt vertritt er deren Interessen. München sei in Sachen Diversity sehr vorbildlich, meint er. Der Prozess ist aber noch lange nicht zu Ende.

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