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"Divers": Was das dritte Geschlecht in Bayern bewirkt hat | BR24

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M - W - D - sieht man inzwischen in den meisten Stellenanzeigen. D steht für Divers und gilt seit Dezember offiziell als drittes Geschlecht.

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"Divers": Was das dritte Geschlecht in Bayern bewirkt hat

Vor einem Jahr hat das Bundeskabinett den Weg für das dritte Geschlecht freigemacht. Neben männlich und weiblich gibt es seitdem auch "divers". Die Auswirkungen in Bayern sind bisher überschaubar.

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Lange hatten verschiedenste Verbände und Betroffene darum gekämpft, vor einem Jahr war es soweit: Das Bundeskabinett hat beschlossen, das dritte Geschlecht "divers" einzuführen. Intersexuelle Menschen können seither wählen, welches Geschlecht sie beim Standesamt im Personenstandseintrag dokumentieren lassen wollen – männlich, weiblich, divers oder kein Eintrag.

Das X im Reisepass

"Diverse" Menschen machen laut Schätzungen verschiedener Intersexuellenverbände immerhin 0,1 Prozent der Bevölkerung aus, sind mit rund 80.000 in Deutschland also keine kleine Randgruppe. Entscheidet sich eine Person für divers oder keinen Eintrag, steht im deutschen Reisepass unter "Geschlecht" die Eintragung "X". Im Personalausweis ist keine Eintragung des Geschlechts vorgesehen.

So viele sind in Bayern bisher "divers"

Laut Auskunft des bayerischen Innenministeriums haben von Ende Dezember 2018 bis Ende März 2019 in Bayern 33 Personen solche Erklärungen abgegeben. Neun Personen haben ihr Geschlecht von "männlich" auf "weiblich" ändern lassen, zwölf von "weiblich" auf "männlich" und elf Menschen haben die Eintragung in "divers" ändern lassen. Eine Person hat keine Angaben zum Geschlecht gemacht. Bei Neugeborenen wurde in den ersten drei Monaten dieses Jahres einmal als Geschlecht "divers" eingetragen.

Nicht alle Diskussionen sind beendet

Die politische Diskussion geht aber auch nach der Einführung weiter. Die Grünen im bayerischen Landtag hatten zum Beispiel beantragt, Leitlinien zu erstellen, wie im öffentlichen Dienst mit der geschlechtlichen Vielfalt von Beschäftigten umzugehen ist. Dieser Antrag wurde Mitte März von CSU, Freien Wählern und der AfD im bayerischen Landtag abgelehnt.

Braucht es "diverse" Schultoiletten?

Großes Medienecho lösten Pläne der Gemeinden Pullach, Garching und Taufkirchen aus, in ihren Schulneubauten die Toiletten so zu gestalten, dass "diverse" Kinder nicht diskriminiert werden.

In Taufkirchen ist das Thema vom Tisch, nachdem sich das Sozialamt vom Bundesverband "Intersexuelle Menschen" hat beraten lassen. Der Bundesverband hat abgeraten, gesonderte Toiletten für Kinder mit diversem Geschlecht einzurichten. Der Grund: Die betroffenen Kinder würden sich am liebsten nicht outen und zum Gesprächsstoff anderer werden wollen.

Lieber neutral als divers

Auch in Pullach soll es keine gesonderten Toiletten für Kinder mit diversem Geschlecht geben. Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund meinte dazu bereits im Januar, man müsse sich alle Lebensbereiche einmal anschauen. "Ich persönlich bin kein Freund einer dritten Toilette. Positiv finde ich vielmehr das Beispiel Schweden, wo es geschlechtsneutrale Toiletten gibt", so Tausendfreund. "In Pullach sind wir vorausschauend und sprechen diesen Punkt deshalb bereits bei der Konzepterstellung und den Planungsvorgaben mit an."

Alle sollen sich wohlfühlen

Für die neue Grundschule in Pullach hat der Gemeinderat im März 2019 mit dem Raumprogramm einen "Sanitärbereich Inklusion" beschlossen, in dem sich alle Kinder wohlfühlen sollen, wenn sie auf die Toilette gehen. Ein Architekt entwickelt nun die konkrete Ausgestaltung, der der Gemeinderat dann zustimmen muss.

Ohne große Diskussion haben dagegen die Münchner Kammerspiele Toiletten mit dem Zeichen "divers" eingeführt. Beim Theaterpublikum führt das zu keinen größeren Irritationen, eher zu anerkennendem Lächeln.