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Abiturienten sollen im Wechsel vor Ort und zuhause unterrichtet werden. Das wollen sie aber nicht. Mittelschüler dagegen müssen daheim bleiben, hätten aber gerne die Wahl.

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Distanz oder Präsenz: Erlanger Schüler fordert Wahlfreiheit

Über den Unterricht an bayerischen Schulen wird derzeit viel gestritten. Abiturienten sollen im Wechsel vor Ort und zuhause unterrichtet werden. Das wollen sie aber nicht. Mittelschüler dagegen müssen daheim bleiben, hätten aber gerne die Wahl.

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Von
  • Henry Lai

Haram Dar ist 17 Jahre alt und macht an der Eichendorffschule in Erlangen gerade seinen mittleren Schulabschluss. Früher einmal war er Landesschülersprecher, hat sich dann aber nicht mehr zur Wahl aufstellen lassen, weil er sich auf sein Abschlussjahr konzentrieren wollte. Erst kürzlich hat er in der Münchner Runde im Gespräch mit Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) auf sich aufmerksam gemacht. Damals kritisierte er das Dogma des Distanzunterrichts für alle – außer Abiturienten.

Schüler wollen Wahlfreiheit

Dabei wollten gerade die nicht in die Schule zurückkehren, zumindest nicht alle. Seitdem fordern sie die Rückkehr nach Hause oder wenigstens die Möglichkeit zwischen dem Präsenzunterricht oder Home-Office zu wählen – je nachdem wie stark die Kommune von Corona betroffen ist.

Und genau das möchte Haram auch. Denn gerade für Schüler in manchen Familien ist das Lernen daheim ein schwieriges Unterfangen. "Der Distanzunterricht ist viel zu viel davon abhängig, ob Schülerinnen und Schüler zuhause ein digitales Endgerät haben und auch die Unterstützung von Zuhause", sagte er. Besondere Schüler, die Migrationshintergrund haben oder aus bildungsfernen Familien kommen hätten nicht die gleichen Chancen, einen Abschluss zu schaffen.

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Haram Dar möchte eine Wahlfreiheit zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling.

Kein Laptop und kein Internet

In der Schule von Haram ist es derzeit ziemlich still. Kein Wunder, die meisten Schüler sitzen ja daheim vor dem Laptop und sind in Teams unterwegs. Aber was ist mit denjenigen, die kein Laptop oder Internet haben? Für die hat die Schule ein Angebot geschaffen: Sie dürfen in die Schule kommen und bekommen Tablets zur Verfügung gestellt. "So können wir letztlich Not lindern und allen ermöglichen, am Distanzunterricht teilzunehmen", erklärt Schulleiter Helmut Klemm.

Schüler dürfen nicht verloren gehen

Doch die technische Komponente ist nur eine der Hürden, die Lehrer und Schüler nehmen mussten. Eine Besonderheit der Mittelschule im Vergleich zum Gymnasium gibt es noch: "Schülerinnen und Schüler lernen bei uns über Beziehungen. Sie brauchen die Ansprache, die Motivation, sie müssen verstehen warum sie etwas lernen und sie müssen bei ihrem Lernen begleitet werden", so Klemm. Die Sorge sei groß, die Lernenden zu verlieren, weil sie demotiviert werden, wenn sie nicht angesprochen werden. Das zu verhindern und sie trotz Distanz mitzunehmen, erfordere einen "hohen organisatorischen und personellen Aufwand".

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Helmut Klemm, Leiter der Eichendorff-Schule Erlangen, sorgt sich um die Motivation seiner Schüler.

Mehr Verantwortung für Schulen und Kommunen

Den Spagat zu machen zwischen infektiologisch sinnvollem Distanzunterricht und pädagogischem Lernen ist anstrengend für Lehrer und Schüler. Wo es sein muss, da soll es so sein. Doch wenn es nicht unbedingt sein muss, würde sich Haram wünschen, dass Schulleiter und Kommunen mehr Verantwortung hätte.

"Überlasst den Kommunen die Entscheidung, ob Präsenzunterricht möglich ist oder nicht." Haram Dar, Schüler

Denn nur zu gern würde er wieder in seine Schule zurückkehren, wenn es die Rahmenbedingungen wieder erlauben.

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