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Diskussionen um Gedenken an NSU-Opfer in Nürnberg | BR24

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Ein Bündnis fordert, dass Straßen und Plätze in Nürnberg nach den NSU-Opfern benannt werden. 26 Initiativen, Organisationen und Parteien haben sich dem angeschlossen. In der Stadt scheint es bereits Pläne zu einer Umbenennung zu geben.

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Diskussionen um Gedenken an NSU-Opfer in Nürnberg

Ein Bündnis fordert, dass Straßen und Plätze in Nürnberg nach den NSU-Opfern benannt werden. 26 Initiativen, Organisationen und Parteien haben sich dem angeschlossen. In der Stadt scheint es bereits Pläne zu einer Umbenennung zu geben.

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In Nürnberg wurden drei Menschen von den Rechtsterroristen des selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ermordet. So viele, wie in keiner anderen Stadt. Den drei Nürnberger NSU-Opfern wird jährlich gedacht. Doch 25 Initiativen, Gruppen und Parteien um den migrantisch geprägten Verein "Junge Stimme e.V." kritisieren das bisherige Gedenken an die NSU-Opfer in Nürnberg.

Stadt soll sich stärker in Gedenken einbringen

Sie fordern, dass die Stadt Nürnberg sich stärker am Gedenken beteiligt und einbringt. Von zivilen Gruppen gebe es etliche Veranstaltungen, wie Mahnwachen und das Straßenfest gegen Rassismus und Diskriminierung. In einem offenen Schreiben bemängeln die Aktivisten, dass die Gedenkveranstaltungen fast ausschließlich von zivilgesellschaftlichen Initiativen organisiert werden. Sie werfen der Stadt Nürnberg daher "mangelnde Tätigkeit" vor.

Stadt widerspricht Vorwurf

Martina Mittenhuber vom Menschenrechtsbüro der Stadt will den Vorwurf so nicht stehen lassen. Es sei nicht so, dass das Gedenken fast ausschließlich von zivilgesellschaftlichen Gruppen getragen werde. Die Stadt und auch das Menschenrechtsbüro hätten "immer den Kontakt zu den Hinterbliebenen-Familien und deren Anwälten gesucht und immer darum gerungen, wie ein würdevolles Erinnern aussehen kann, ohne dabei aber im reinen Erinnern stehenzubleiben", so Mittenhuber im Gespräch mit dem BR. Die Stadt habe daher den Mosaik-Jugendpreis erschaffen, mit dem Projekte gegen Diskriminierung ausgezeichnet werden und zudem den internationalen Tag gegen Rassismus in der Stadt institutionalisiert.

Plätze und Straßen sollen umbenannt werden

Die Initiativen rund um die Junge Stimme fordern weiter, dass Straßen und Plätze an den Tatorten in Nürnberg nun nach den NSU-Opfern umbenannt werden. Im thüringischen Jena soll am kommenden Wochenende ein Platz nach dem Nürnberger NSU-Opfer Enver Şimşek benannt werden. Der Name stehe stellvertretend für alle Opfer der rechten Mordserie. Eine solche Umbenennung würde auch Mittenhuber begrüßen, jedoch sollten dabei auch immer die Familien der Opfer mit einbezogen werden.

Oberbürgermeister Marcus König will Tatort umbenennen

Auch Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König von der CSU ist der Idee nicht abgeneigt. Er sprach erst vergangene Woche bei der Gedenkkundgebung zu Ehren des NSU-Opfers Enver Şimşek. Zur Umbenennung meint König:

"Es gibt aus dem politischen Rat auch schon die eine oder andere Stimme, und ich kann mir gut vorstellen, dass wir zum Beispiel auch den Platz, an dem Enver Şimşek Blumen verkauft hat, an dem dieser Terroranschlag passiert ist, dass wir genau diesen Platz auch umbenennen." Marcus König (CSU), Oberbürgermeister Stadt Nürnberg

Ob aber mehrere Straßen nach den NSU-Opfern umbenannt werden sollen, da ist sich Marcus König noch nicht ganz sicher.

Allianz schlägt virtuellen Rundgang vor

Stephan Doll von der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, in der sich Kommunen und zivilgesellschaftliche Initiativen engagieren, würde eine Umbenennung ebenfalls begrüßen. Ihm fehle es aber an einem Gesamtkonzept, dass alle Erinnerungsorte miteinander verbindet und diese dadurch mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken würde. Doll könnte sich einen virtuellen Rundgang vorstellen, der über die Opfer informiert, über Rechtsextremismus und so auch in der Bildungsarbeit eingesetzt werden könne.

Zivilgesellschaft und Stadt sollen zusammen an einem Strang ziehen

Es scheint, als ob sich in Zivilgesellschaft und Stadt Nürnberg einiges bewegt in Sachen würdevollem Gedenken an die NSU-Opfer. Stephan Doll von der Allianz ist aber besonders wichtig, dass Zivilgesellschaft und Stadt gemeinsam agieren. Das unterschreibt auch die Initiative Junge Stimme und hofft, dass die Stadt ihr kommendes Straßenfest gegen Rassismus und Diskriminierung stärker unterstützen wird.

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Stephan Doll, Marcus König, Abdul-Kerim Şimşek und Pfarrer Bernt Graßer legen Blumen an der Gedenkstele für Enver Şimşek ab

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