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Bund Naturschutz plant Abholzungen im Naturschutzgebiet | BR24

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Ausgerechnet der Bund Naturschutz und die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Schwaben setzen sich dafür ein, dass Hecken und Bäume im Schutzgebiet Mertinger Höll abholzt werden. Die Maßnahme dient dem Vogelschutz, sorgt aber für Diskussionen

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Bund Naturschutz plant Abholzungen im Naturschutzgebiet

Ausgerechnet der Bund Naturschutz und die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Schwaben planen, dass Hecken und Bäume im Schutzgebiet Mertinger Höll abgeholzt werden. Die Maßnahme soll dem Vogelschutz dienen, sorgt aber für Diskussionen.

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Im Naturschutzgebiet "Mertinger Höll" im Landkreis Donau-Ries sind kilometerlange Abholzungen von Hecken, Gehölzen und Bäumen geplant. Das Paradoxe dabei: Ausgerechnet der Bund Naturschutz und die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Schwaben setzen sich für die Abholzung ein. Doch es gibt Kritik an diesen Plänen.

Abholzen im Mertinger Höll für den Vogelschutz

Es geht um mehr als drei Kilometer lange Streifen, auf denen Hecken und Bäume wachsen. Der Großteil soll abgeholzt werden, zum Schutz des bedrohten Großen Brachvogels. Dieser Wiesenbrüter hält nämlich mit seinem Gelege 100 bis 200 Meter Abstand von Bäumen, um sicher vor Greifvögeln zu sein. Sind die Gehölze weg, erhoffen sich der Bund Naturschutz (BN) und die Höhere Naturschutzbehörde bessere Brutbedingungen.

Nur noch sechs Brutpaare vom Großen Brachvogel

Der BN hat deshalb in den letzten Jahren extra Flächen dafür angekauft und besitzt nun mehr als 100 Hektar in dem Gebiet. Durch ein Flurneuordnungsverfahren liegen diese Wiesen, die künftig von den Pächtern nur noch sehr umweltschonend bewirtschaftet werden dürfen, jetzt direkt nebeneinander.

Ein großes Gebiet also, in dem der Große Brachvogel, von dem es zuletzt nur noch sechs Brutpaare in der Region gab, beste Bedingungen vorfinden soll. Die sind aber erst dann erfüllt, wenn die Hecken und Bäume weg sind. Das bestätigt auch die Bayerische Vogelschutzwarte in einem Gutachten.

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Kein Freund von Hecken: der Große Brachvogel

Jäger und Vogelschützer kritisieren Pläne des Bund Naturschutz

Aus Teilen der Jägerschaft und sogar der örtlichen Vertretung des Landesbundes für Vogelschutz wurde aber Kritik laut. Schließlich dienen die Hecken und Bäume dem Wild und anderen Vögeln als Rückzugsgebiet. Man befürchtet, dass andere Tierarten darunter leiden, wenn sich der Schutz jetzt auf den Brachvogel konzentriere.

Nach einem Treffen aller Beteiligten am Dienstag gab es aber immerhin schon eine Annäherung: Die Höhere Naturschutzbehörde will im Einzelfall prüfen, wo man noch mehr Teile der Hecken und Bäume stehen lassen kann. Ursprünglich sollten 90 Prozent der Gehölze verschwinden.

Mertinger Höll ist ein wichtiges Brutgebiet

Auf einer Versammlung am Donnerstagabend sollen den Grundstücksbesitzern des Gebietes die Planungen präsentiert werden. Die Höhere Naturschutzbehörde hofft auf Verständnis, denn der Große Brachvogel ist vom Aussterben bedroht.

Die Mertinger Höll gehört zu den zehn wichtigsten Brutgebieten in Bayern. Und ursprünglich war die Mertinger Höll schon komplett frei von Hecken und Bäumen. Erst durch die Entwässerung des sehr feuchten Gebietes nahe der Donau durch den Menschen, konnten in den letzten Jahrzehnten Bäume dort überhaupt erst wachsen. So hatte sich die Mertinger Höll zu einem Paradies für Wiesenbrüter entwickelt, das nun aber bedroht ist.