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Diskussion in Würzburg: gemeinsam gegen Antisemitismus | BR24

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Es war ein Plädoyer für eine wehrhafte Demokratie. Auf Einladung der Würzburger CSU haben Politiker und Mitglieder der jüdischen Gemeinde über Antisemitismus diskutiert.

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Diskussion in Würzburg: gemeinsam gegen Antisemitismus

Es war ein Plädoyer für eine wehrhafte Demokratie. Auf Einladung der Würzburger CSU haben Politiker und Mitglieder der jüdischen Gemeinde über Antisemitismus diskutiert. Es ging um Anfeindungen gegen Juden – und wie wichtig Solidarität ist.

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"Für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus", so lautete das Thema einer Diskussionsrunde in Würzburg. Die Würzburger CSU hatte dazu ins Gemeindezentrum "Shalom Europa" geladen. Auf dem Podium: Ludwig Spaenle, Antisemitismus-Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung, Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU), die jüdische Lehramtsanwärtin Alexandra Poljak und Stefan Lutz Simon, Leiter der Jugendbildungsstätte Unterfranken.

Judenfeindliche Tendenzen in Bayern

Stadtrat Aaron Schuster, selbst Mitglied der jüdischen Gemeinde in Würzburg, leitete die Diskussion. Er sprach einleitend von einer traurigen Aktualität judenfeindlicher Tendenzen. Denn, so Schuster, die soeben veröffentlichte Kriminalstatistik des Bayerischen Kriminalamtes verzeichne für 2019 einen Anstieg antisemitischer Straftaten um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das führe in den jüdischen Gemeinden zu größter Besorgnis.

Spaenle: Für eine Solidarität der Anständigen

Ludwig Spaenle, Antisemitismus-Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung, sprach von einer Verrohung des zwischenmenschlichen Klimas. Drei Ziele seien ihm besonders wichtig. Eine Solidarität der Anständigen müsse Jüdinnen und Juden den Rücken stärken. Außerdem brauche man Wege, um die "digitale Brandbeschleunigung" im Netz zu bekämpfen. Am wichtigsten seien jedoch Bildung und Aufklärung. Für eine starke Zivilgesellschaft sprach sich auch Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt aus. Die Politik könne zwar Regeln beschließen, für ein gutes Miteinander müsse die Stadtbevölkerung zusammenstehen, wie sie es in Würzburg immer wieder eindrucksvoll zeige.

Erinnerungskultur nicht nur im Schulunterricht wichtig

Ebenfalls auf dem Podium: die jüdische Lehramtsanwärterin Alexandra Poljak. Sie berichtete, dass junge Menschen oft genervt reagierten, wenn es um das Thema Holocaust gehe. In der Schule aber auch allgemein hält sie Erinnerungskultur vor allem dann für eindringlich, wenn sie an konkreten Personen festgemacht wird und so Emotionen auslöst. Traurig mache es sie, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland inzwischen wieder darüber nachdächten, das Land zu verlassen. Und Stefan Lutz Simon, Leiter der Jugendbildungsstätte Unterfranken, nahm die Erwachsenengeneration in die Pflicht. Sie müsse die Jugend vor Menschenverachtung jeder Art warnen und beschützen. Die mit großem Ernst geführte Diskussion verfolgten rund 200 Besucher.