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Mehr Regionalität geht nicht: Landwirt Christian Hannig baut Dinkel an, der kommt zur nahen Mühle und von hier kommt das Mehl wieder zurück nach Hollfeld zur Bäckerei Spreuer. Alle genießen das Miteinander - Lebensmittelproduktion Auge in Auge.

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Direktvermarktung: Dinkel auf kurzem Weg zum Verbraucher

Dinkel erlebt derzeit einen regelrechten Boom. Verbraucher greifen immer öfter zu Dinkelprodukten wie Brötchen, Brot oder Hörnchen. Ein Landwirt aus Oberfranken nutzt diesen Trend und vermarktet sein Getreide mit dem geringstmöglichen CO2-Fußabdruck.

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Von
  • Ulrich Detsch

Dinkel – der 7.000 Jahre alte Verwandte des Weizens ist eine Art Modegetreide. Aber woher kommt das Getreide im Dinkel-Hörnchen? Genau bei dieser Frage setzt Landwirt Christian Hannig in Hollfeld in der Fränkischen Schweiz an. Er sucht den kurzen Weg zum Verbraucher. Hannig verkauft seinen Dinkel direkt an einen Bäcker am Ort und lässt die Körner in einer kleinen Mühle der Region mahlen. Alle profitieren und haben Freude an dem Projekt. Viele Landwirte schimpfen über den "bösen" Handel, von dem sie sich ungerecht behandelt fühlen. Landwirt Hannig und seine Partner schalten den Handel einfach aus.

Regionale Partnerschaft statt jammern

Dinkel braucht weniger Stickstoffdünger als Weizen, bringt aber auch weniger Ertrag und lässt sich nicht so leicht backen wie Weizen. Dinkelteig ist weniger formstabil. Zudem sind Dinkelkörner von einer dünnen Haut umhüllt, dem "Spelz". Der muss vor dem Mahlen entfernt werden.

Trotzdem: Die Verbraucher mögen die optisch dunkleren Dinkelbackwaren, und sie mögen Lebensmittel aus ihrer Region. Deshalb kauft die Hollfelder Bäckerfamilie Spreuer Dinkel direkt bei Landwirt Christian Hannig im Ort. Der wiederum bringt seinen Dinkel in die kleine Kunstmühle Partheimüller im 30 Kilometer entfernten Stadtsteinach. Der Müllermeister wird vom Bäcker fürs Mahlen des Dinkels entlohnt und liefert das Mehl an die Bäckerei.

Zum Artikel: Mühlen im Aufwind: Altes Handwerk boomt durch Corona

Lebensmittelproduktion Auge in Auge

Christian Hannig liefert seine Dinkelernte in kleinen Mengen persönlich an die Mühle und kommt mit dem Müller ins Gespräch. Landwirt und Müller genießen den direkten Kontakt, den Erfahrungsaustausch über Jahresverlauf, Wetter und Getreidequalität. Diese Lebensmittelproduktion Auge in Auge tut beiden gut. Die kleine Mühle braucht regionale Rohstoffkreisläufe zum Überleben. Landwirt Hannig sucht Kunden in seiner Umgebung, weil der dabei mehr verdient, als wenn er seinen Dinkel bei großen Landhandelsfirmen abkippt, schnell wieder davonfährt und die Abrechnung mit der Post bekommt.

Beim Dinkelmehl zeigt sich, wer backen kann

Hannig freut sich, wenn Menschen in seiner Heimatstadt Backwaren mit Getreide von seinen Äckern essen. Bäcker Matthias Spreuer wiederum hat ein regionales Produkt, wie es die Discounter, Supermärkte und großen Back-Ketten in Hollfeld nicht bieten können. Außerdem genießt der kurz vor der Meisterprüfung stehende Bäcker Matthias Spreuer die Herausforderung mit dem naturbelassenen Dinkelmehl. Das zu verarbeiten sei viel schwieriger als das "Massenmehl" des Großhandels. Da zeige sich, wer wirklich noch backen kann. Matthias Spreuer und sein Vater Richard sind vom Dinkeleinkauf beim örtlichen Landwirt so überzeugt, dass sie bei ihm im nächsten Jahr auch Roggen kaufen wollen.

Eismacher zahlt für Milch doppelten und trotzdem gleichen Preis

Auch der Bayreuther Eismacher Oliver Hoyer hatte von dem Dinkelprojekt gehört. Er fragte bei Christian Hannig an, ob er nicht auch Milch für sein Speiseeis direkt ab Hof kaufen könne. Inzwischen sind die beiden im Geschäft. Milchbauer Hannig bekommt vom Eismacher mehr als doppelt so viel Geld für einen Liter Milch wie von der Molkerei. Trotzdem zahlt der Eismacher nicht mehr als im Handel und hat noch einen zusätzlichen Gewinn, weil er durch die nicht entrahmte Milch direkt vom Bauernhof teure Sahne spart. Landwirt Hannig ist überzeugt: "Mit regionalen Lebensmitteln, da lässt sich noch viel mehr machen als wir Landwirte glauben."

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