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Diplomat mit islamkritischer Botschaft: AfD-Kandidat Zimniok | BR24

© picture alliance/Matthias Balk/dpa

Bernhard Zimniok

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    Diplomat mit islamkritischer Botschaft: AfD-Kandidat Zimniok

    Er war Soldat, war an den deutschen Botschaften in Syrien und Pakistan tätig und will nun für die AfD ins Europaparlament einziehen: Bernhard Zimniok ist der bayerische AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl.

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    Auf den ersten Blick wirkt Bernhard Zimniok wie ein typischer pensionierter Deutschlehrer: graues kurzes Haar, braue Hornbrille, violettes Hemd und ein Trachtenjanker – so präsentiert sich Bernhard Zimniok vor den 900 Gästen beim politischen Aschermittwoch der AfD in Osterhofen. Der 65-Jährige wirkt bei seinem Auftritt selbstbewusst: "Wie lange kann ich euch eigentlich hier in Bayern noch mit Grüß Gott begrüßen?", fragt er das Publikum, "ab wann wirft man mir die Ausgrenzung von Andersgläubigen, Atheisten, Preußen, Randbayern vor?"

    Neben Europawahlkandidaten wie Jörg Meuthen (Platz eins der bundesweiten Liste) und Guido Reil (Platz zwei) kommt Zimniok die Rolle des bayerischen Gesichts für die Europwahl zu. Der gebürtige Münchner hat sich im November vergangenen Jahres auf dem Nominierungsparteitag der AfD in Magdeburg ziemlich überraschend Platz fünf gesichert. Sein Weg in die Politik war ein ungewöhnlicher.

    Oberstleutnant, Diplomat, Sicherheitsberater

    Zimniok studierte Nachrichtentechnik und Politikwissenschaft. Er trat in die Bundeswehr ein, war 15 Jahre lang im Truppendienst, bis er in die Welt der Diplomatie wechselte: erst vier Jahre als Legationsrat an der deutschen Botschaft in Syriens Hauptstadt Damaskus, dann vier Jahre in Islamabad, Pakistan. Später als Sicherheitsberater in der arabischen Welt und in Afrika.

    Jahre, die ihn und seine Sicht auf den Islam prägten: Auf Vorträgen in AfD-Kreisverbänden warnt er seit Jahren vor der Islamisierung Europas: "Sie würde unsere Lebensweise verschieben, sie würde auch massiv die Frauenrechte einschränken und unsere offene, freie Lebensweise massiv verändern, hin zu einem Weltbild, das wir so nicht kennen", sagt er bei einem Gespräch in einem Münchner Gasthof. Zimniok hat sich mit der Islam-Kritik einen Namen gemacht in der Partei. Sein Aufruf zu mehr deutschem Selbstbewusstsein und einer Rückkehr zu nationalen Sicherheitsinteressen gilt als emotionale Antwort auf die akademische Euro-Kritik der früheren Bernd-Lucke-Anhänger in der AfD.

    Anekdoten über Besuch in Kabul und Islamabad

    Bei seinem Auftritt beim politischen Aschermittwoch grüßt er die V-Leute im Saal, schimpft über die Gurkenkrümmungsverordnung der EU, nennt die Medien "unterwürfig" und vergleicht Außenminister Heiko Maas (SPD) mit einer "lästigen Fliege auf der internationalen Bühne". Der bayerische Spitzenkandidat punktet bei den AfD-Anhängern mit solchen Sprüchen sowie mit Anekdoten über seinen Besuchen in Kabul und Islamabad. Zimniok will den Eindruck vermitteln, dass er außenpolitisch mehr Erfahrung hat als seine politischen Mitbewerber. EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber ist laut Zimniok ein "Systemling Merkels aus Brüssel", der keine innovativen Ideen mitbringe.

    "Deutschland auf der Liste der aussterbenden Nationen"

    Das Thema Flüchtlinge hat auch bei Zimniok einen Platz: 2015 trat er in die Partei ein, weil er die Entwicklungen in Deutschland und Europa als "höchst besorgniserregend" wahrnahm, wie Zimniok beschreibt. Am Bahnhof habe er Flüchtlinge mit Bierdosen gesehen und eine alte Frau, die die Dosen vom Boden aufgehoben habe. "Dieser Moment hat in mir etwas bewirkt", sagt er, schimpft auf die gegenwärtige Migrationspolitik der EU und orakelt: "Schon bald wird Deutschland auf der Liste der aussterbenden Nationen stehen."

    Einen Dexit, also den Austritt Deutschland aus der EU, sieht Zimniok als letzte Option, wenn sich die Europäische Union nicht zügig reformieren sollte. Ihm schwebt dabei ein Zeitraum von vier bis acht Jahren vor. Dieses Thema aber sprechen weder er noch die anderen Redner auf den Bühnen an.

    Von
    • Johannes Reichart
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