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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Philipp von Ditfurth

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Eichstätt fordert Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf, die nach Äthiopien abgeschobene Nürnbergerin Mimi T. sofort nach Deutschland zurückzuholen.

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Diözese Eichstätt fordert Rückholung abgeschobener Äthiopierin

Der Eichstätter Diözesanrat fordert, dass die im Dezember abgeschobene Äthiopierin Mimi T. umgehend nach Deutschland zurückgebracht wird. Zudem sollten die Abläufe und das Verfahren in der Abschiebehaftanstalt Eichstätt geprüft werden.

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Von
  • Nicolas Eberlein

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Eichstätt fordert Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf, die nach Äthiopien abgeschobene Nürnbergerin Mimi T. sofort nach Deutschland zurückzuholen. Zudem sollten die Abläufe und das Verfahren in der Abschiebehaftanstalt Eichstätt, in der Mimi T. vor ihrer Abschiebung untergebracht war, auf die Achtung der Menschenrechte geprüft werden, heißt es in einer Mitteilung der Diözese.

Psychische Probleme: Selbstmordversuch während Abschiebehaft

Mimi T. hatte acht Jahre in Nürnberg gelebt, dann kam sie im November 2020 in Eichstätt in Abschiebehaft. Bereits im Vorfeld litt sie an Depressionen, in der Haft verschlechterte sich ihr Zustand um psychotische Symptome bis hin zu einem Selbstmordversuch. Danach stand Mimi T. unter besonderer Beobachtung. Daraufhin wurde ein Abschiebeversuch abgebrochen.

Im Rollstuhl, in Gefängniskleidung und ohne Geld am Flughafen abgestellt

Am 28. Dezember wurde Mimi T. dann aber in Begleitung von vier Polizisten von Frankfurt am Main aus in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba abgeschoben. Der Bayerische Flüchtlingsrat kritisierte damals, dass sie noch immer in Gefängniskleidung und im Rollstuhl ohne Bargeld am Flughafen abgestellt wurde. Eine Unterstützerin organisierte mit Hilfe persönlicher Kontakte, dass Mimi T. vom Flughafen abgeholt wurde und ein Pensionszimmer beziehen konnte.

Arzt bescheinigte Reiseunfähigkeit und Selbstmordgefahr

Der Flüchtlingsrat verwies auch darauf, dass psychiatrische Gutachten sowohl den labilen psychischen und physischen Zustand als auch die Reiseunfähigkeit der Äthiopierin attestiert hätten. Ein Arzt warnte am 23. Dezember wegen deren Selbstmordgefahr, die Frau abzuschieben.

Stadt Nürnberg weist Vorwürfe zurück

Nürnbergs Stadtrechtsdirektor Olaf Kuch stellte dem aber gegenüber, dass die vorgebrachten Gutachten im Ergebnis nicht den Anforderungen genügten. Angebotene psychologische Unterstützung sei abgelehnt worden. Auch das Verwaltungsgericht Ansbach habe erklärt, "dass kein Abschiebehindernis ausreichend dargelegt wurde", so Kuch im Interview mit dem BR. Der Bayerische Flüchlingsrat kritisierte aber auch, dass die Abschiebung trotz Pandemie und der Situation in Äthiopien durchgeführt wurde.

Eichstätter Diözesanrat verweist auf Worte von Papst Franziskus

Der Eichstätter Diözesanrat verweist in seiner Forderung auch auf Papst Franziskus. Der Pontifex fordere "alle gesellschaftlichen Kräfte zu einer menschenwürdigen Behandlung von Migranten und Migrantinnen in allen Phasen ihres Verfahrens" auf. Häufig würden sie nicht so behandelt, wird der Papst zitiert. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Christen diese Mentalität und diese Haltungen teilen, indem sie politischen Präferenzen Vorrang einräumen vor tiefen Glaubensüberzeugungen, nämlich die unveräußerliche Würde jedes Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion sowie das höchste Gesetz der geschwisterlichen Liebe", so Franziskus.

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