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Die Anregiomed-Klinik in Dinkelsbühl soll umstrukturiert werden, Teile der Chirurgie nach Rothenburg ob der Tauber umziehen. Dieses Vorhaben sorgt für Unmut: Kritiker sehen die Notfallversorgung in Dinkelsbühl gefährdet.

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Dinkelsbühl: Demo gegen Klinik-Umstrukturierung

Die Anregiomed-Klinik in Dinkelsbühl soll umstrukturiert werden, Teile der Chirurgie nach Rothenburg ob der Tauber umziehen. Dieses Vorhaben sorgt für Unmut: Kritiker sehen die Notfallversorgung in Dinkelsbühl gefährdet. Am Freitag demonstrieren sie.

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Von
  • Laura Grun

Am Freitagabend findet in Dinkelsbühl am Weinmarkt eine Demo gegen die geplanten Umstrukturierungen der Anregiomed-Klinik in Dinkelsbühl statt. Die Bauchchirurgie und Teile der Unfallchirurgie sollen, Plänen des Anregiomed-Vorstands Gerhard Sontheimer zufolge, nächstes Jahr von Dinkelsbühl nach Rothenburg ob der Tauber verlegt werden.

Ärzteschaft sieht Grundversorgung gefährdet

Das gefährde jedoch die Grund- und Regelversorgung der Menschen in der Region, befürchtet die Sprecherin der Ärzteschaft, Petra Ziegler. Daher fordern die Kritiker, bestehende Strukturen zu erhalten. Aktuell verfüge die Klinik in Dinkelsbühl unter anderem über eine akute Unfallchirurgie mit einem zusätzlichen Schwerpunktbereich für künstlichen Gelenkersatz sowie über eine allgemeinchirurgische Abteilung, so Ziegler im BR-Interview.

Sollten Teile der Unfall- und Bauchchirurgie verlagert werden, verspreche die Politik eine 24-stündige Besetzung der Unfallambulanz vor Ort, um Notfälle versorgen zu können, so Ziegler weiter. Diese würde allerdings nicht mehr mit Unfallchirurgen besetzt sein, sondern durch Ober- oder Assistenzärzte einer anderen Fachrichtung, kritisiert Ziegler die Pläne. In der Folge bedeute das, dass zwischen 18 Uhr am Abend und 8 Uhr am Morgen keine chirurgischen Notfälle mehr operiert werden könnten, so die Ärztesprecherin.

Umstrukturierung würde 23.000 Menschen betreffen

Eine akute Blinddarmentzündung oder eine entzündete Gallenblase hielten sich jedoch nicht an Uhrzeiten, mahnt Notarzt und Mitorganisator der Demo Matthias Lammel. Mit Hilfe eines Online-Simulators hat Lammel berechnet, wie viele Menschen die geplanten Umstrukturierungen betreffen würden.

Für Dinkelsbühl und Feuchtwangen seien das rund 23.000 Menschen, die im Notfall länger als 30 Autominuten bräuchten, um ein Krankenhaus mit Grundversorgung zu erreichen. Transporte in Krankenhäuser im nahegelegenen Baden-Württemberg seien in solchen Notsituationen dann attraktiver, so Lammel weiter.

Kritiker befürchten lebensbedrohliche Szenarien

Wie häufig derartige Notsituationen im Klinikalltag auftreten können, leitet Petra Ziegler von einer Statistik ab. Demnach kämen auf 100.000 Einwohner etwa 500-750 Patienten im Jahr, die eine akut zu behandelnde Erkrankung des Bauches haben. Auf die Region heruntergebrochen seien das circa 150 Fälle jährlich.

Ziegler spitzt sogar noch zu: Bei etwa 30 Prozent dieser Fälle, die mit einer Erkrankung im Bauchraum eingeliefert werden, sei der Gesundheitszustand so schlecht, dass sie eine sofortige Behandlung brauchen. Eine Fahrt in das 40 Minuten entfernte Rothenburg könnte bei rund 50 Menschen im Jahr womöglich nicht gut ausgehen, so Ziegler.

Demonstration und Petition

Neben der Demonstration werden auch Unterschriften gegen die Pläne gesammelt. Bislang sind der Ärztesprecherin zufolge knapp 8.000 Stimmen gegen die Umstrukturierungen zusammengekommen. Die Petition läuft noch bis 31. Juli. Für die Demonstration sind 200 Teilnehmer angemeldet.

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