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Dinkel und Physalis: Keltisches Superfood in Nördlingen | BR24

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Bei Ausgrabungen in Nördlingen wurden in einem Brunnen aus der Zeit der Kelten Pflanzenreste gefunden. Die könnten auch andere Rätsel lösen.

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Dinkel und Physalis: Keltisches Superfood in Nördlingen

Die heute als Superfood wieder beliebte Physalis wurde offenbar schon von den Kelten geschätzt. Ausgrabungen in Nördlingen haben noch viel mehr Pflanzen, Gewürze und Speisen aus der Zeit der Kelten zu Tage gefördert.

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Archäologische Funde gibt es immer wieder, aber nur selten enthalten sie Informationen wie bei dieser Ausgrabung in Nördlingen. Auf einer Baustelle der Varta AG sind Reste eines Brunnens, der sich auf das Jahr 133 v. Chr. datieren lässt, entdeckt worden.

Seltener Fund von Pflanzenresten

Der Fund wurde bereits letztes Jahr im Juli gemacht, jetzt hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Auswertung des bedeutenden Funds aus der Zeit der Kelten vorgestellt. Der Brunnen ist deshalb von Bedeutung, weil nur selten organisches Material wie Pflanzenreste erhalten bleiben. Da die Brunnenreste aber unter Luftabschluss im Grundwasser standen, konnte vieles die Zeit überdauern.

Dinkel, Physalis und Wildbirnen schmeckten schon den Kelten

Der Fund gibt einen Einblick in den Speiseplan der Kelten: Nicht nur Getreide wie Dinkel oder Gerste sowie etwas Fleisch gab es zu essen, auch Haselnüsse, Wildbirnen, Hagebutten, Holunder und sogar Physalis. Gewürzt haben die Kelten mit Dill. Ebenfalls haben die Archäologen in dem Brunnen Keramikgefäße gefunden. Offenbar wurde der Brunnen zum Schluss zur Müllentsorgung genutzt.

Aufschluss über Verschwinden der Kelten?

Die genaue zeitliche Bestimmung war über das Eichenholz möglich, mit dem der Brunnen verschalt war. Über die Wachstumsringe konnten Wissenschaftler feststellen, wann das Holz für den Brunnenbau geschlagen wurde. Laut Johann Friedrich Tolksdorf vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ist der Fund auch deshalb bedeutend, weil er helfen könnte, das Rätsel des Verschwindens der Kelten zu klären. Der Brunnen stammt aus der spätkeltischen Zeit. Bis heute ist unbekannt, warum circa 100 v. Chr. die Kelten aus dem süddeutschen Raum verschwunden sind.