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Die stellvertretende Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, Henrike Paede.
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Karen Zoller-Pfann
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Die stellvertretende Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, Henrike Paede.

Der Bundesrat will am Vormittag über die geplante Grundgesetzänderung entscheiden, die nach dem Willen des Bundes den Weg für eine Digitalisierung der Schulen ebnen soll. Die Länder lehnen die Pläne von Bundesregierung und Bundestag in vorgesehener Form ab. Deshalb soll der Vermittlungsausschuss angerufen werden. Die stellvertretende Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands, Henrike Paede, sieht nur einen geringen Einfluss des Bundes durch die geplante Grundgesetzänderung und sagte im Interview mit der Bayern 2-radioWelt, sie könne die Ängste vor der sogenannten "Einheitsschule" nicht nachvollziehen.

Bayern 2-radioWelt: Nervt sie der Streit um Zuständigkeiten?

Henrike Paede: Der nervt schon, aber mehr nervt eigentlich, dass diese fünf Milliarden Euro seit drei Jahren auf der hohen Kante liegen und versprochen sind, aber bisher kein Euro in den Schulen angekommen ist.

Der Bund darf laut Grundgesetz keinen Einfluss auf die Schulpolitik der Länder ausüben, das ist das sogenannte Kooperationsverbot. Ist das noch zeitgemäß?

Henrike Paede: Darüber kann man natürlich trefflich streiten. Aber ich sehe in diesen vorliegenden Grundgesetzänderungen, in diesem Entwurf der vom Bundestag abgesegnet wurde, die Eingriffe des Bundes in die Bildung nicht so, wie das Herr Söder dargestellt hat, oder Herr Kretschmann. Der Einfluss des Bundes scheint mir doch sehr gering. Dass er bestimmt, wofür die Mittel eingesetzt werden und dass er Qualitätsanforderungen stellt, ist gut und normal.

Wie sieht denn momentan die Situation überhaupt an den Schulen aus?

Henrike Paede: Es gibt ein paar Leuchtturm-Schulen für die digitale Bildung die werden natürlich ausgestattet. Diese Modellschulen stehen vermutlich ganz gut da. Aber die anderen Schulen haben nur eine marginale Ausstattung.

Ist es aus Sicht der Elternschaft überhaupt wünschenswert, dass die Schulen möglichst weitgehend digitalisiert werden?

Henrike Paede: Es gibt Eltern, die haben Angst davor und befürchten, dass dann nur noch digitaler Unterricht stattfindet, das der Lehrer nicht mehr sichtbar ist. Das ist aber nicht richtig. Der Lehrer ist wichtiger denn je. Ich glaube, es liegt darin eine große Chance, weil die Schüler sich mehrere Medien aussuchen können und das, was ihnen am besten liegt, verwenden können.

Ist der Föderalismus eine bildungspolitische Bremse?

Henrike Paede: Man muss sehen, dass im Bildungsföderalismus auch eine riesige Chance steckt. Wir sind als Bayerischer Elternverband gut vernetzt mit anderen Ländern. Und da sehen wir dann, was in anderen Ländern an guten Dingen gemacht wird oder erprobt wird. Und wir sehen auch, was in Bayern gut läuft und in anderen Bundesländern weniger gut läuft.

Wenn der Bund die oberste Hoheit hätte, dann wären vielleicht alle Schulen gleich – aber davon sind wir doch ganz, ganz weit entfernt. Diese Angst der bayerischen Bildungspolitiker vor der sogenannten Einheitsschule … das ist ein Wort, wo ich einfach rot sehe. Die bezeichnen alles als Einheitsschule, was nicht bayerisch ist. Die guten Konzepte für Gemeinschaftsschule legen gerade Wert auf die individuelle Sicht auf den Schüler, auf die individuelle Förderung.

Autoren

Karen Zoller-Pfann

Sendung

radioWelt vom 14.12.2018 - 06:05 Uhr