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Die Schreinerei 4.0 | BR24

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Die Digitalisierung ist in diesem Handwerksbetrieb schon angekommen: Die Beer Küchenmanufaktur in Wolfersdorf im Landkreis Freising hat investiert in Produktionsanlagen und Umschulungen. Der Familienbetrieb ist schon mehrfach ausgezeichnet worden.

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Die Schreinerei 4.0

In vielen Handwerksbetrieben haben digitale Technologien schon Einzug gehalten. Wie erfolgreich eine Digital-Strategie sein kann, zeigt eine Küchen-Schreinerei in Wolfersdorf im Landkreis Freising. Hier heißt es: 3D-Scanner statt Zollstock.

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Von weitem sieht es so aus, als würden IT-Experten vor zwei Bildschirmen stehen und Grafiken vergleichen. Tatsächlich befindet sich hier das digitale Hirn der Schreinerei. Schreinermeister Christian Beer lässt sich von Simon Ostertag, Auszubildender zum Druckdesigner, Aufnahmen zeigen - aus einem noch leeren Raum in einer Wohnung bei München.

Zollstock war gestern - heute wird der Raum digital gescannt

Dort soll bald eine Küche aus der Manufaktur von Christian Beer stehen. Doch anders als früher wurde der Raum nicht mit dem Zollstock ausgemessen, sondern mit einem 3D-Scanner, erklärt Simon Ostertag:

"Wenn man einen Neubau hat, dann ist das ideal, dann hat man gerade Wände. Aber in diesem Fall haben wir eine ganz alte Wohnung, die saniert wird. Und vor 100 Jahren wurde nicht so genau gebaut. Da muss man genau schauen: Wie sehen die Wände aus? Muss ich da was anpassen? Damit die Küche am Ende ohne Lücken an der Wand steht." Simon Ostertag, Auszubildender zum Druckdesigner

Gleich nebenan ist die Fertigung. Ein halbes Dutzend Schreiner sind bei der Arbeit. Aber nicht mit dem Hobel an der Werkbank: Stattdessen stehen sie vor einer Maschine so groß wie eine Doppelgarage, die sie von einem Computer aus bedienen. Nach dem 3D-Raumscan und der Konstruktion der Küche am Bildschirm werden hier die Teile von Regalen, Küchenfronten und Arbeitsplatten hergestellt.

"Sie sehen hier ein computergesteuertes Plattenlager: Das weiß, wo die einzelnen Platten sind, holt diese automatisch selber und legt sie dann auf das Bearbeitungszentrum." Schreinermeister Christian Beer

Hohe Investitionskosten - dafür exakt, sparsam und schnell

Die Maschine arbeitet exakter und materialsparender als ein Schreiner das von Hand könnte. Vor allem aber beschleunigt die Maschine die Herstellung. Die Digitalisierung hat die Produktion doppelt so schnell gemacht – die Umstellung war allerdings auch teuer: Etwa eine Million Euro, so schätzt Christian Beer, hat er allein in die Maschinen seiner 25-Mitarbeiter-Firma gesteckt.

Digitalisierung ist nicht per se der Schlüssel zum Erfolg

Wie wichtig Digitalisierung im Handwerk ist, hängt stark von der jeweiligen Branche ab. Gerade in der Metall- und Gesundheitsbranche oder eben auch im Schreinerhandwerk arbeiten viele schon digital, sagt Georg Räß von der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Die Investition in die digitale Zukunft garantiert aber noch nicht den Erfolg warnt der Innovationsberater.

"Wenn man größere Softwarelösungen einführt, Warenwirtschaftssysteme und so weiter, dann ist das nichts, was man mal so aufspielt wie ein Betriebssystem, sondern das ist ein Projekt, das teilweise über mehrere Monate geht. Und wenn das schiefgeht, dann kann es relativ schnell existenzbedrohend werden." Georg Räß, Innovationsberater der Handwerkskammer für München und Oberbayern

Frühzeitige Beschäftigung mit Digitalisierung zahlt sich aus

Christian Beer hat bei der Einführung der digitalen Technologie in seinem Betrieb nichts übers Knie gebrochen. Seine Investitionen zahlen sich aus: Inzwischen hat die Schreinerei so viele Aufträge, dass die Mitarbeiter kaum noch hinterher kommen mit der Produktion. Jetzt sucht Christian Beer weitere qualifizierte Arbeitskräfte. Wenn die gefunden sind, will der Schreinermeister weiter am Projekt Digitalisierung arbeiten.

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Die Digitalisierung ist in diesem Handwerksbetrieb schon angekommen: Die Beer Küchenmanufaktur in Wolfersdorf im Landkreis Freising hat investiert in Produktionsanlagen und Umschulungen. Der Familienbetrieb ist schon mehrfach ausgezeichnet worden.