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Wer erst spät im Leben in Kontakt mit dem Internet gekommen ist, tut sich mit der Digitalisierung im Alltag meist schwer.

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    Digitale Teilhabe: "Engel" erklären Senioren das Internet

    Wer erst spät im Leben in Kontakt mit dem Internet gekommen ist, tut sich mit der Digitalisierung im Alltag meist schwer. Dabei können bestimmte Dienste gerade älteren Menschen das Leben erleichtern. Daran knüpft das Projekt "Digitaler Engel" an.

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    Von
    • Lisa Müller
    • BR24 Redaktion

    Ein Onlinekurs für Senioren aus den Landkreisen Donau-Ries und Fürth: Die Teilnehmer sollen erzählen, welche Begriffe rund ums Internet sie schon kennen. Zur Auswahl stehen Wörter wie Account, Browser, URL oder E-Mail. "Für mich ist das meiste Fachchinesisch", sagt Kurt und blickt stirnrunzelnd in seine Webcam. Teilnehmer Gaby merkt nach kurzem Zögern an: "Ich kenne die Begriffe schon. Aber ich weiß nicht wirklich, was dahinter steckt." Anders als Kurt scheint sie sich in der Videokonferenz noch nicht ganz wohlzufühlen. Die Kamera ihres Tablets lässt sie lieber ausgeschaltet.

    "Willkommen in der digitalen Welt" heißt der Kurs. Veranstaltet wird er vom "Digitalen Engel" - einem Projekt, das der Verein "Deutschland sicher im Netz" im Jahr 2019 ins Leben gerufen hat.

    Im Internet die Möglichkeiten des Internets kennenlernen

    Normalerweise sind die beiden "digitalen Engel" Johannes Diller und Monika Schirmeier mit einem Infomobil in ganz Deutschland unterwegs. In Kooperation mit Seniorennetzwerken vor Ort möchten sie älteren Menschen verschiedene digitale Angebote nahebringen: von der Reisebuchung übers Online-Banking bis hin zum Online-Shopping. Während der Corona-Pandemie mussten sie jedoch alle Veranstaltungen ins Netz verlegen.

    Gaby hat sich von dieser zusätzlichen Hürde nicht abschrecken lassen. Bei der Installation von Zoom konnte sie bereits die Unterstützung in Anspruch nehmen. Da in ihrem Landkreis kein Anfängerkurs angeboten wurde, hat sie sich in einem anderen Ort angemeldet - und ist begeistert: "Früher habe ich ja nie etwas im Internet gemacht, auch weil ich zu viel Angst hatte. Aber jetzt sehe ich, wie praktisch das sein kann. Solche Angebote sollte es viel öfter geben."

    Zentrale Frage: Was kann Technik für mich tun?

    Im Gespräch mit den älteren Menschen, müsse man zunächst herausfinden, welche digitalen Anwendungen ihnen im Alltag nützlich sein könnten, weiß Projektleiterin Katharina Kunze. Denn je größer der Mehrwert, desto leichter fiele es den Senioren, Vorbehalte gegenüber der neuen Technik abzulegen. "Wenn die Tür erst einmal offen ist, sehen die Leute, was die Technik wirklich für sie tun kann. Es ist für sie dann einfacher, weitere digitale Dienste anzuwenden."

    Doch Begeisterung allein reicht nicht aus, die Senioren müssen auch lernen, sich sicher im Netz zu bewegen. "Wir sprechen beispielsweise auch über Datenschutz und Cookies", erklärt Kunze. "Um Technik souverän nutzen zu können, muss man sie nämlich zumindest im Ansatz verstehen."

    Den Alltag meistern und mit den Liebsten in Kontakt bleiben

    Der Digitale Engel bietet seine Kurse vor allem in ländlichen Regionen Deutschlands an. Denn dort schließen immer mehr Einrichtungen des täglichen Bedarfs, wie Post-oder Bankfilialen. Digitale Angebote könnten diese wegbrechenden Infrastrukturen ersetzen und so das Leben der älteren, nicht mehr mobilen Bürger erleichtern, so Kunze.

    Noch mehr als Hindernisse im Alltag beschäftigt viele Senioren derzeit aber eine Frage: Wie kann ich trotz Corona mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben? Dem digitalen Engel Johannes Diller zufolge drückt sich das in einer hohen Nachfrage nach Kursen zum Thema "Umgang mit dem Tablet/Smartphone" und "Videotelefonie" aus. "Ich habe schon öfter die Rückmeldung bekommen, dass die Videotelefonie den Menschen ganz neue Möglichkeiten eröffnet hat. Vor der Pandemie wurde überhaupt nicht in Erwägung gezogen, mal so mit dem Enkelkind zu telefonieren."

    Corona: Ein "Schubs" hin zu digitalen Angeboten?

    Generell beobachtet das Team des Digitalen Engels, dass sich viele ältere Menschen seit Beginn der Corona-Pandemie verstärkt mit digitaler Technik auseinandersetzen. Die Tatsache, dass derzeit ein Großteil des Alltags – sogar die Anmeldung im Restaurant – online stattfindet, habe ihnen einen kleinen "Schubs" gegeben, so Diller. Vielen Kursteilnehmern sei es wichtig, in puncto Digitalisierung nicht abgehängt zu werden.

    Allerdings betrifft diese Entwicklung nur einen Teil der älteren Bevölkerung. Diejenigen, die keinen Zugang zum Internet oder kein Endgerät haben, bleiben außen vor. Meist sind das Menschen in der Altersgruppe der 73- bis 84-Jährigen, wie eine Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen zeigt. Diese Zielgruppe konnten auch die Mitarbeiter des Digitalen Engels im letzten Jahr kaum erreichen. "Das ist natürlich ein großes Manko für den ursprünglichen Projektgedanken", bedauert Katharina Kunze. Deshalb sei es umso wichtiger, dass das Infomobil ab August wieder auf Tour gehe. Nächste Haltestellen sind in Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

    Um digitale Teilhabe geht es auch beim heutigen Digitaltag. Bundesweit sollen zahlreiche Aktionen Digitalisierung erlebbar machen und sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die Zukunft in den Blickpunkt rücken.

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