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Gedenken an Opfer der Reichspogromnacht | BR24

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Die Reichspogromnacht heute vor 82 Jahren war der Beginn der systematischen Vertreibung von Juden aus Deutschland. Synagogen gingen in Flammen auf, Tausende Geschäfte wurden zerstört.

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Gedenken an Opfer der Reichspogromnacht

Am Montag jährte sich zum 82. Mal die sogenannte Reichspogromnacht. Wegen Corona konnte diesmal nur mit digitalen Veranstaltungen daran erinnert werden – auch in München, dem Ausgangspunkt der brutalen Exzesse.

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Von
  • Birgit Grundner

Normalerweise würde am 82. Jahrestag der Reichspogromnacht eine Gedenkveranstaltung im Alten Rathaus in München stattfinden, und die Namen jüdischer Opfer würden öffentlich verlesen. Heuer konnte wegen Corona nur im Internet an das dunkle Kapitel in der Stadtgeschichte erinnert werden.

Signal für Hetzjagd in ganz Deutschland

9. November 1938. Im Alten Rathaus hat sich am Abend fast die gesamte NS-Elite versammelt, Propagandaminister Josef Goebbels hält eine hasserfüllte Rede gegen das, wie er sagt, "internationale Judentum". Es ist das Signal für eine Hetzjagd auf Juden in ganz Deutschland. Noch in derselben Nacht brennen Synagogen, jüdische Geschäfte und Einrichtungen werden zerstört, Wohnungen systematisch verwüstet. Allein in München sterben 26 jüdische Bürger.

Aus der Heil- und Pflegeanstalt in die "Tötungsanstalt"

Dieses Jahr wurde auch besonders an die 191 Juden erinnert, die in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar untergebracht waren und später in der "Tötungsanstalt" Hartheim in Österreich ermordet wurden. Ihre Namen und Lebensgeschichten sollten eigentlich am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße verlesen werden. Wegen Corona geschah das nun mit einem verkürzten Programm digital im Internet.

Gedenkakt und Verlesung von Namen im Internet

Um 15 Uhr wurden die Aufnahmen veröffentlicht und um 19 Uhr fand auch der Gedenkakt statt – mit Vorträgen und Lesungen aus historischen Quellen. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Isralitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, warnte erneut vor wachsendem Extremismus.

"Ob rechts- oder linksextrem oder Islamisten: Der Judenhass als kleinster gemeinsamer Nenner bleibt“, stellte sie auch mit Blick auf die Anschläge der vergangenen Wochen und Monate fest. Dagegen brauche es ein stärkeres politisches und gesellschaftliches Engagement.

"Den Feinden jüdischen Lebens, den Feinden der Demokratie, den Feinden von allem, was unser Leben gut und lebenswert macht, müssen wir mit der Kraft des Gedenkens entgegentreten." Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Isralitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erinnerte in seinem Grußwort an die Übergriffe auf den Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman und den den Jugendtrainer des TSV Maccabi München, Max Brym, in diesem Jahr. Rechtsextreme und Islamisten würden auch die Corona-Pandemie immer öfter nutzen, "um mit gezielten Verschwörungsfantasien den Judenhass weiter anzuheizen."

In Erinnerung an den 9. November 1938 betonte Reiter die Bedeutung von zivilgesellschaftlichem Einsatz. Die Pogromnacht sei "ein Akt von verordnetem Staatsterror" gewesen, "der eben gerade nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit verübt wurde, sondern ganz bewusst unter deren Augen und Einbeziehung". Reiter rief dazu auf, antisemitische Parolen heute im Alltag nicht unwidersprochen zu lassen: "Nicht hinschauen oder wegducken ist ein für allemal vorbei!"

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