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Digitaler Unterricht: Schulen unterschiedlich gut vorbereitet | BR24

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Möglicherweise müssen die Schulen ab kommender Woche wegen Corona wieder auf Homeschooling umstellen

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    Digitaler Unterricht: Schulen unterschiedlich gut vorbereitet

    Womöglich müssen die Schulen bald wieder vermehrt auf Homeschooling umstellen. Die Entscheidung fällt kommende Woche. Manche Schulen nutzen Apps und können den Unterricht streamen - aber ein Drittel der Schulen hat immer noch kein WLAN.

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    Julian geht in die 10. Klasse der Münchner Maria-Probst-Realschule und profitiert dort von den neuen digitalen Hilfsmitteln. Denn die Schule hat eine App zur Verfügung gestellt, mit der das Lernen zuhause zeitgemäß und deutlich einfacher möglich ist.

    "Wenn ich zum Beispiel jetzt mal die Hausaufgaben nicht aufgeschrieben hab, kann ich in der App das sehen, was ich für den nächsten Tag machen muss", sagt der Schüler. "Oder auch, wir hatten gestern eine Matheschulaufgabe geschrieben. Unser Lehrer hat uns eine Liste reingestellt, was alles drankommt, welche Übungen wir dazu machen können. Es unterstützt halt dann schon sehr."

    Die App vereinfacht die Kommunikation mit den Lehrern

    Seine Mathematik-Lehrerin Monika Matzeder ist überzeugt von den digitalen Unterrichtsmöglichkeiten: "Ich kann jederzeit meine Schüler einzeln individuell und als Klasse kompakt erreichen. Ich kann sofort auf Dinge eingehen, die vorher nie möglich waren, weil durch Emails immer die Eltern dazwischen saßen."

    Matzeder, die an der Maria-Probst-Realschule auch Katholische Religion unterrichtet, sieht noch weitere Vorteile der App: Sie könne jeden Schüler individuell beschulen und Antworten geben. Die App verringere die Hemmschwelle, mit ihr in Kontakt zu treten. Per E-Mail sei das deutlich komplizierter gewesen, so Matzeder.

    Die Software "WebUntis" ist ein zentrales Portal

    Die Kommunikations-App ist Teil der Verwaltungssoftware "WebUntis". Schon vor Corona hat die Stadt München sie den Schulen zur freiwilligen Nutzung bereitgestellt. Der stellvertretende Schulleiter, Markus Schuster, hat sie dann vergangenes Jahr direkt an seiner Schule eingeführt.

    Das Ziel der Digitalisierung sei, die Kommunikation zu beschleunigen und Verwaltungsaufgaben an seiner Schule zu vereinfachen. "WebUntis" sei ein zentrales Portal, wo alle zusammenarbeiten. "Und so kann sich die ganze Schulfamilie Zeit sparen, weil unnötige Dinge wegfallen, und mehr Zeit gewinnen, um mit den Kindern ordentlich zu arbeiten, mit ihnen besser zu sprechen."

    Die Software unterstützt Lehrer, Schüler und Eltern bei der Organisation der Klassen- und Stundenpläne. Außerdem bietet sie eine digitale Kommunikationsplattform, die auch ohne Corona-Fernunterricht für den Schulalltag sehr hilfreich sein kann.

    Die Homeschooling-App ist datenschutzkonform

    Der Messenger der Plattform ist dabei im Gegensatz zu anderen Messengern datenschutzkonform. Außerdem läuft jede Kommunikation über eine Lehrkraft. So werden Beleidigungen im Klassenchat von vornherein ausgeschlossen, erklärt Lehrerin Monika Matzeder. "Dadurch löse ich nachmittags innerhalb von zwei bis drei Minuten ein Problem, was dann vielleicht in der Schule fünf bis zehn Minuten Unterrichtsstoff klauen würde."

    Aufgrund der städtischen Corona-Zuschüsse hat jeder Lehrer an der Maria-Probst-Realschule nun auch ein Dienst-Tablet, um mit dem Programm arbeiten zu können. Über MS-Teams will man sogar zusätzlich versuchen, Unterrichtsinhalte live zu streamen - solange die Schul-Server das auch zulassen.

    10.000 bayerische Klassenzimmer immer noch ohne Internet

    Allerdings: Nicht jede bayerische Schule scheint auf den drohenden Wechselunterricht technisch so gut vorbereitet zu sein. Dies sagt Michael Schwägerl, Vorsitzender des bayerischen Philologenverbands. Was die technischen Voraussetzungen betreffe, müsse man realistisch sein. "Es ist viel passiert, auch im Bereich der Lehrgeräte. Ich denke, die Schülerinnen und Schüler werden versorgt werden können. Bei den Dienstgeräten ist noch wenig in Bewegung." Die Lehrkräfte müssten ihre Privatgeräte zum Einsatz bringen.

    Und in der Tat: Laut aktueller Anfrage der Landtags-SPD gibt es in 10.000 bayerischen Klassenzimmern nach wie vor kein Internet. Ein Drittel aller Schulen besitzt kein WLAN und 36 Prozent der Schulen können keine digitalen Endgeräte für Homeschooling bereitstellen. Die Maria-Probst-Realschule bleibt ein schönes Beispiel, wie Digitalisierung funktionieren könnte.

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