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"Fridays for Future": Die wahre Herkunft des Müll-Bildes | BR24

© Screenshot / BR

Ausschnitt aus einem Twitter-Post zu angeblichem Müll in Augsburg. "Fake" wurde gegen eine missbräuchliche Weiterverbreitung eingefügt.

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  • Artikel mit Audio-Inhalten

"Fridays for Future": Die wahre Herkunft des Müll-Bildes

Ausgerechnet jugendliche Klima-Aktivisten sollen jede Menge Müll auf den Straßen hinterlassen? Social-Media-Posts behaupten das. Doch das verwendete Foto stammt nicht von #FridaysForFuture-Demos.

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Jede Menge Plastikmüll am Straßenrand: Auf dem Foto, das derzeit durchs Internet geistert, sind leere Flaschen, Becher, Besteck und Tüten auf dem Boden zu sehen. Manche Social-Media-Posts behaupten: Diesen Abfall haben ausgerechnet Fridays-for-Future-Demonstranten hinterlassen. Doch das stimmt nicht.

Falsche Verortung in Köln

In das Foto wurde zum Beispiel die Aufschrift gesetzt: "Anspruch und Wirklichkeit. Köln, 15.03.2019 nach der Demo Fridays for Future". Etliche Medien wie der Kölner Stadtanzeiger oder auch die Faktenchecker von Mimikama haben schon darüber berichtet: Das Bild zeigt weder Köln, noch ist es aus dem Jahr 2019. Es handelt sich um eine Art von Fake, bei dem das Foto zwar eine echte Aufnahme ist, es aber in einen falschen Zusammenhang gestellt wird.

Irreführender Augsburg-Post auf Twitter

Das Bild ist auch mit einer - nicht zutreffenden - Verortung in Augsburg im Netz aufgetaucht. "Wirklich schlimm, diese Schüler von #FridaysForFuture! Demonstrieren angeblich für die #Umwelt, dabei hinterlassen sie die Straßen in Augsburg so!!!", heißt es in einem Twitter-Post. Das identische Bild mit Müll auf dem Gehsteig - nur dieses Mal mit der Aufschrift "Augsburger Innenstadt vermüllt!!".

Blog-Eintrag zeigt: In diesem Fall Satire

Was erst auf den zweiten Blick erkennbar ist: Bei der Behauptung zu Augsburg handelt es sich um Satire auf einer politisch nicht rechts gerichteten Webseite. Der Hinweis "Satire" steht weder auf dem Twitteraccount noch in dem Post. Erst wenn man auf den Link zum Blog-Eintrag klickt, wird das deutlich.

Foto entstand nach Street Parade 2011 in Zürich

Das Foto, das angeblich mal in Köln, mal in Augsburg entstanden sein soll, wurde tatsächlich in Zürich aufgenommen, nach der Street Parade 2011. Das ergibt eine Bilder-Rückwärtssuche im Internet. Der älteste, auffindbare Eintrag ist bei Wikipedia unter dem Stichwort "Street Parade" zu sehen: ein Foto mit der Unterschrift: "Abfallberge im Morgengrauen nach der Street Parade 2011".

Kritische Worte von Twitter-Nutzern

Viele Kommentatoren des Twitter-Posts zu Augsburg erkennen den falschen Zusammenhang, in den das Bild gestellt wurde: "Und wenn das Bild aus Zürich ist?" schreibt ein Twitternutzer. Und ein anderer: "Bin Augsburger und kann bestätigen, dass das gar nicht unsere Stadt ist!". Oder: "Ach?! Jetzt ist es plötzlich Augsburg? Ich habe das selbe Bild auch schon zu Köln gesehen." Andere Kommentatoren meinen, man solle erst mal genauer lesen.

Müll-Vorwürfe von Gegnern der Klima-Aktivisten

In einigen Posts werden Klima-Aktivisten mit feiernden Abiturienten gleichgesetzt: "Freitags fürs Klima demonstrieren, und den Rest der Woche feiern und die Städte vermüllen, genau mein Humor" - heißt es in einem Twitterbeitrag. Den Jugendlichen wird darin widersprüchliches Verhalten vorgeworfen. Unterstrichen wird die Behauptung mit dem Link auf einen Zeitungsbericht, wonach Abiturienten aus Essen Müll hinterlassen haben.

Welche Jugendlichen fürs Klima demonstrieren, welche beim Feiern Müll hinterlassen und ob es Schnittmengen zwischen beiden gibt, ist eine offene Frage.

Der Artikel wurde am 12.4.19, 23 Uhr, um den Absatz über Fake-Bilder zu Köln und die deutlichere Einordnung als Satire bei dem Twitter-Post zu Augsburg ergänzt.

© BR

Fridays For Future Bayern will in Sachen Klimaschutzmaßnahmen die Initiative ergreifen - und hat kurzerhand Vertreter aller Fraktionen im bayerischen Landtag zu einem Runden Tisch am Freitag in München geladen.

Alles, was man über "Fridays for Future" wissen muss, klärt Dominic Possoch. Und das in zehn Sekunden – zumindest ist das die Challenge. Schafft er es?