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Josef Häckler
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Dieselfahrzeuge haben durch den Dieselskandal stark an Wert verloren. Immer mehr Dieselbesitzer wollen deshalb vor Gericht ziehen. Inzwischen haben die Bundesverbraucherzentrale und der ADAC eine Musterfeststellungsklage angekündigt. Viele Verbraucher fragen sich, ob es reicht, sich einfach anzuschließen.

"Verantwortung übernehmen"

"Ich möchte klagen, weil ich als Mutter von drei Kinder Verantwortung übernehmen will", sagt Annette Schlossberger. Sie wolle der Industrie zeigen, dass es nicht sein kann, dass man die Menschen "für dumm verkauft, nur um Gewinne zu optimieren". Schlossberger wohnt in München. Sie ist Ärztin und hat drei Kinder. Als sie und ihr Mann Matthias vor ein paar Jahren den Seat, den sie fährt, gekauft haben, wussten sie nicht, dass die Autoindustrie geschummelt hat.

Hausbesuche in Fahrverbotszone mit Diesel nicht möglich

Matthias Schlossberger ist ebenfalls Arzt. Auch sein Mercedes E-Klasse fährt mit manipulierter Software. "Beim Hausbesuch von Patienten, die in einer Fahrverbotszone wohnen, würde ich vor einem Problem stehen, weil ich da einfach nicht hinfahren kann", sagt Schlossberger. Sein Vorwurf: "Als ich das Auto gekauft habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich mich damit uneingeschränkt bewegen kann."

Er und seine Frau sind also gleich doppelt vom Dieselskandal betroffen. Deshalb haben sie sich entschieden, zu klagen.

"Zunächst einmal bin ich ja von einer deutlichen Wertminderung betroffen – und die Klage soll das ausgleichen. Das Zweite: Ich hätte natürlich gerne das umweltfreundliche Auto, das ich mir vorgestellt habe, als ich mir diesen Wagen gekauft habe." Matthias Schlossberger

Rechtsanwalt sieht bei Klagen gegen Daimler und VW gute Chancen

Ein Rechtsanwalt, der sich auf Diesel-Fälle spezialisiert hat, macht dem Ehepaar Mut. Sven Keusch sieht für betroffene Fahrer sowohl bei Daimler als auch bei VW gute Chancen auf Entschädigung. "Ansprüche sind grundsätzlich auf Rückabwicklung ausgerichtet. Das heißt der betroffene Kunde gibt dann den Wagen zurück und erhält den Kaufpreis."

Abgezogen werden die Kosten für die Nutzung des Fahrzeugs. Wichtig ist laut Keusch, die Klage noch heuer einzureichen. Sonst sind die Ansprüche verjährt.

Zahlreiche Klagen im Dieselskandal gegen VW

Klagen gegen VW gibt es Tausende. Um wegweisende Richtersprüche zu verhindern, hat der Konzern bisher oft großzügige Vergleichsangebote gemacht.

Um möglichst vielen Betroffenen gleichzeitig zu helfen, reichen der ADAC und der Bundesverband der Verbraucherzentralen am 1. November eine Musterfeststellungsklage vor dem Oberlandesgericht Braunschweig ein. Das Ziel: ein höchstrichterliches Urteil.

"Wenn ich mich der Musterfeststellungsklage anschließe, muss ich mich lediglich im Klageregister eintragen. Dann kann ich abwarten, wie der Verband die Klage führt, was beim Oberlandesgericht Braunschweig bzw. dem Bundesgerichtshof rauskommt." Rechtsanwalt Sven Keusch

Kürzere Prozesslaufzeit und höherer Schadenersatz

Das Ehepaar Schlossberger klagt aber trotzdem persönlich gegen den Hersteller, denn Rechtsanwalt Sven Keusch rät: "Wer aber ernsthaft Schadenersatz haben möchte, der sollte kurzfristig selber klagen, denn die Prozesslaufzeit dürfte deutlich kürzer sein. Und damit dürfte der Schadenersatz auch deutlich höher ausfallen.“"