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Fürth-OB Jung: "Parken wird deutlich teurer werden müssen" | BR24

© pa/dpa/Marijan Murat

Stuttgart, 29. März 2019: Ein Schild weist auf das Diesel-Fahrverbot für Dieselfahrzeuge unter Euro 5 hin.

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Fürth-OB Jung: "Parken wird deutlich teurer werden müssen"

Besserer Nahverkehr, mehr Fahrradwege, teurere Parkplätze - so soll laut Bayerns Städtetags-Vize Thomas Jung die Luft in den Städten besser werden. In der Debatte um Diesel-Nachrüstungen spricht er sich weiter deutlich gegen mögliche Fahrverbote aus.

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In mehreren deutschen Städten gibt es inzwischen Fahrverbote für ältere Diesel-Fahrzeuge - in Bayern bisher nicht. Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD), der auch stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Städtetags ist, will solche Verbote auch weiterhin unbedingt verhindern. Im BR-Interview spricht Jung über seiner Meinung nach wirkungsvollere Maßnahmen für bessere Luftqualität.

Herr Jung, was wird in den Städten für die Luftverbesserung getan - und helfen diese Maßnahmen?

Die Hauptursache für die Luftverschmutzung ist der Individualverkehr. Den wollen wir nicht verbieten - aber wir wollen ihn ersetzen. Ein Schwerpunkt dabei ist der öffentliche Nahverkehr, den wollen wir modernisieren und attraktiver machen. Es gibt in fast allen Städten Bus-Beschleunigungs-Maßnahmen. Wir versuchen, die Tarif-Steigerungen zu stoppen. Wir versuchen, auch neue Buslinien einzurichten oder die U-Bahnen zu modernisieren.

Das andere Standbein ist der Fahrrad-Verkehr. Da gibt es etwa Ausbauprogramme für Radwege. In Fürth oder Nürnberg gibt es Zuschüsse für Lastenräder. Also auch da tun die Städte in Bayern viel. Das Ziel ist klar: weniger Auto in der Stadt, mehr Alternativen wie Fahrrad oder Bus.

Viele Initiativen drängen darauf, dass noch mehr gegen schlechte Luft in den Städten getan wird. Braucht es diese Einwirkung von außen?

Die Klagen der Deutschen Umwelthilfe, die "Fridays for Future"-Demonstrationen - das alles begrüße ich insoweit, weil es ein Bewusstsein schafft. Menschen beginnen nachzudenken - und unterstützen etwa den Nahverkehr. Dafür ist ein Umbau notwendig, man muss den Autos einen gewissen Raum wegnehmen. Das geht nicht, wenn die Mehrheit der Bevölkerung strikt dagegen ist. Deswegen helfen Aktionen von außen oder von der Stadtgesellschaft selbst.

Wie kann man die Autos ohne Fahrverbote aus den Innenstädten vertreiben?

Ich halte auch nichts von Verboten. Denn Verbote führen zu Widerstand und Unbehagen. Nochmal: Man muss einfach die Alternativen attraktiver machen. Wenn ich im Bus sitze und auf der Beschleunigungsspur an den wartenden Autos vorbeifahre, dann will ich gar nicht mehr ins Auto umsteigen.

Und wenn das doch nicht klappt? Kommt dann die City-Maut?

Die City-Maut ist das allerletzte Mittel. Das war im Mittelalter üblich - überall Eintrittsgelder und Maut zahlen. Aber es ist klar: Wer hier Parkraum in Anspruch nimmt, muss wissen, dass innerstädtischer Raum ein teures Gut ist. Ich denke, parken in den Städten wird noch deutlich teurer werden müssen.

Wie wird sich ihrer Meinung nach in den nächsten fünf Jahren die Luftqualität in Deutschlands Städten entwickeln?

Ich bin da sehr optimistisch. Wir haben in den meisten Städten jetzt schon weit bessere Werte als vor drei, vier Jahren. Viele Städte halten jetzt die Grenzwerte ein, die sie noch vor drei, vier Jahren verletzt haben. Wir sehen, dass die Fahrzeugflotten sauberer werden. Wir sehen, dass die Elektromobilität am Wachsen ist. Das ist jetzt noch keine Sensation, aber unser städtischer Fuhrpark in Fürth zum Beispiel ist schon zur Hälfte umgestellt. Andere Firmen ziehen nach. Deswegen bin ich optimistisch, dass wir gute Fortschritte erleben werden.

© BR

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