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Ein Tipp beim Abdichten eines Wasserhahns oder der direkte Nachbar, der sich als leidenschaftlicher Fliesenleger entpuppt. Ein Mittelfranke aus Diebach will mit seiner App "Ugain" Menschen in der Umgebung miteinander vernetzen.

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Diebacher entwickelt Alltagshelfer-App "Ugain"

Ein Tipp beim Abdichten eines Wasserhahns oder der direkte Nachbar, der sich als leidenschaftlicher Fliesenleger entpuppt. Ein Mittelfranke aus Diebach will mit seiner App "Ugain" Menschen in der Umgebung miteinander vernetzen.

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Von
  • Markus Balek
  • Jonas Miller

Nutzerinnen und Nutzer sollen mit der App "Ugain" Anderen im Alltag schnell und bequem helfen oder dort selbst um Hilfe anfragen können. Das ist der Wunsch und die Idee von Start-Up-Unternehmer Chris Martens. Er hat die App "Ugain" als neue Plattform auf den Markt gebracht. Der 32-Jährigen aus Diebach im Landkreis Ansbach hat für die Entwicklung der App seine Festanstellung aufgegeben und arbeitet nun als Selbstständiger.

Nutzer in der Region sollen sich unterstützen können

Mit seiner App will Martens Menschen ansprechen und fördern, die gerne ehrenamtlich tätig sind oder sich freiwillig engagieren wollen. Seine App hat Martens deswegen unkompliziert strukturiert, in verschiedene Kategorien wie Auskunft, Einkaufen, Garten, Fahrdienst und Reparaturen. So soll jeder Nutzer Hilfe in seiner Region anfragen oder anbieten können. Der Aufbau und das Design erinnert an die Fotoapp Instagram. So habe der User gleich ein vertrautes und bekanntes Bild, so Martens. Das „U“ im Firmennamen „Ugain“ steht dabei für das englische "You" (dt.: du) und "gain" ist das englische Wort für Erreichen und Erlangen, sagt Martens. "Du kannst mit dieser App etwas Schaffen und Erreichen, das war mein Grundgedanke".

Sponsoren sollen von Idee und Arbeit überzeugt werden

Erreichen will der 32-jährige Familienvater aus Mittelfranken nach Jahren in der Festanstellung eine erfolgreiche Selbstständigkeit. Mehr als sieben Jahre war Martens bei Electrolux angestellt. Aus dieser Zeit stammen einige Ersparnisse. Außerdem hatte Martens den Gründerzuschuss bekommen. So konnte die Phase der Entwicklung und Vorbereitung seiner App gut überstanden werden, sagt Martens. Doch jetzt seien die Ersparnisse langsam aufgebraucht. Der Diebacher will jetzt Sponsoren akquirieren und von seiner Idee überzeugen.

Aller Anfang für Gründer ist schwer

Dass der Anfang die härteste Nuss ist, weiß Martin Ritter. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Freiburg und Spezialist für Social Media. Das Problem sei, dass Apps dieser Art am Anfang keine Nutzer hätten. Primäres Ziel müsse also sein, viele Menschen auf die Plattform zu holen, viele Accounts, aber auch viel Inhalt zu haben und erst dann hätte die Plattform einen Wert. Die große Gründerwelle sei eigentlich vorbei, aber mit einer neuen Idee könne man schon durchstarten, sagt Ritter im BR-Gespräch.

Mehrere Finanzierungmöglichkeiten für eine App

Ab irgendeinem Punkt brauche jede Plattform oder App aber ein Geschäftsmodell. So könne man sich über Mitgliederbeiträge finanzieren oder einen Träger finden, beispielweise eine Kommune, meint Experte Ritter. Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit wäre das Modell Wikipedia. Es sei rein spendenfinanziert, allerdings brauche es dazu eine sehr engagierte Community. Eine andere, weitaus gängigere Variante seien Werbeeinnahmen. Man erlaube Unternehmen die Daten der eigenen App zu nutzen, um dann zum Beispiel Werbung zu schalten.

Positive Erfahrungen durch Nachbarschafts-Apps

Doch wie hilfreich sind Nachbarschafts-Apps tatsächlich, wenn es um kompetente Hilfe, soziale Kontakte oder sogar Freundschaften geht? Martin Ritter hat selbst an der Konzeptionierung einer Community-Plattform mitgearbeitet und durchweg positive Erfahrungen gemacht. Plattformen dieser Sorte würden meist Informationsdefizite abbauen, wenn sie aktiv seien – das heißt viele Menschen sie nutzten, so Ritter.

"Ich kenne vielleicht noch mein direktes nachbarschaftliches Umfeld, aber wer zwei Straßen weiter wohnt mit einem ganz ähnlichen Hobby wie ich, das wird schon sehr schwer." Martin Ritter - Spezialist für Social Media und nachhaltige Geschäftsmodelle der Sharing Economy.

Vorsicht auch in Nachbarschafts-App geboten

Trotz der positiven Erfahrung im Umgang mit Social Apps, weist Martin Ritter darauf hin, dass stets ein umsichtiger und vernünftiger Umgang im Netz geboten sei. Wichtig sei immer das Impressum und die Datenschutzverordnungen genau durchzulesen. Dazu warne er davor, zu fahrlässig unbedachte Botschaften ins Internet zu senden und damit auch in Nachbarschafts-Apps zu hinterlassen.

"Nachrichten wie: 'Ich bin jetzt mal zwei Wochen im Urlaub“, wären auf Plattformen dieser Art fahrlässig.' Martin Ritter, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Freiburg

Schon 350 Downloads und regionaler Bonus

Nach dem Start vor zwei Wochen hätten rund 350 User die App von Chris Martens heruntergeladen, mehr als zehn Probleme wären bereits gelöst, sagt Chris Martens, der zu guter Letzt auch auf seinen regionalen Bonus baut. "Ich denke, es hat eine gewisse Attraktivität, dass nicht jedes Start-Up aus Berlin kommt. Da denke ich eben: von Franken für Franken", meint Start-Up Gründer Chris Martens. Natürlich solle sich die App so schnell wie möglich überall verbreiten und User finden, aber Chris Martens wollte in Franken starten und sei darauf auch stolz. Er glaube daran, in Franken etwas zu schaffen.

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