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Die beiden Schwestern Oksana (links) und Natascha bangen um Artur.

Bildrechte: BR/Lasse Berger
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"Die Welt muss uns helfen": Mutter bangt um Sohn in Mariupol

In Fürth bangt eine Frau aus der Ukraine um das Leben ihres Sohnes. Zusammen mit anderen Kämpfern und toten Soldaten ist er im umkämpften Asowstalwerk in Mariupol eingeschlossen. Sie trinken Wasser aus Heizungsrohren und haben kaum mehr zu Essen.

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Lasse BergerLasse Berger
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Natascha Jäntsch sitzt auf ihrer Terrasse in Fürth und scrollt auf ihrem Smartphone durch ihre Bildergalerie. Die Fotos zeigen verletzte Soldaten: Männer mit amputierten Beinen und Schusswunden am ganzen Körper. Neben Natascha sitzt ihre Schwester Oksana aus der Ukraine. Eigentlich wollte Oksana ihre Schwester im Februar nur kurz besuchen – doch dann kam der Krieg, Oksana blieb in Deutschland. Und bangt nun um ihren 21 Jahre alten Sohn Artur. Denn der ist in dem von Russen beschossenen Asowstalwerk in Mariupol gefangen.

Soldat im Stahlwerk: "Essen reicht nur maximal noch zwei Wochen"

"Meine ganzen Gedanken sind 24 Stunden, Tag und Nacht, bei meinem Kind. Dass mein Sohn lebendig und gesund rauskommt", sagt Oksana, und ihre Stimme gerät ins Stocken. Am 23. Februar hat sie zum letzten Mal mit Artur telefoniert. Seitdem haben sie nicht mehr miteinander gesprochen. Fünf Textnachrichten hat die Mutter seit Februar von ihrem 21 Jahre alten Sohn bekommen. Die letzte SMS kam gestern: "Ich bin wie durch ein Wunder noch gesund und nicht verletzt. Wir essen einmal täglich, das Essen reicht nur noch maximal zwei Wochen. Wie es weitergeht, weiß ich nicht."

Angehörige können sich von Verstorbenen nicht verabschieden

Seit Beginn des Krieges sitzt Artur in dem Stahlwerk in dem von russischen Truppen besetzen Mariupol fest. Zuletzt konnten etwa 500 Bürger über Fluchtrouten aus der Stadt gerettet werden. Die Kämpfer aber bleiben weiter eingesperrt. "Das Wasser zum Trinken nehmen sie aus Heizungsrohrsystemen und füllen es in Behälter ab", erklärt die alleinerziehende Oksana. Medikamente für die etwa 600 Schwerverletzten gebe es keine. Und die bereits toten Soldaten könne man nicht herausbringen. "Mütter, Frauen und Kinder können ihre verstorbenen Geliebten nicht mehr sehen und sich nicht von ihnen verabschieden."

Oksanas Schwester Natascha ist enttäuscht von der ukrainischen Regierung. Es seien zwar zuletzt 36 schwerverletzte Soldaten gerettet worden, doch die verbliebenen haben keine Perspektive. Wenn man die Gefangenen evakuiere, dann müsse man alle evakuieren, sagt Natascha. Auch die Soldaten, die nicht schwer verletzt sind. Denn: Eine Perspektive gibt es für sie in dem Stahlwerk nicht.

Auf Putin einflussreiche Länder sollen helfen

Während Oksana weiterhin um das Leben ihres Sohnes Artur bangt, hoffen die beiden Schwestern auf mehr Aufmerksamkeit durch die Medien. Die einzige Lösung in ihren Augen: Ein drittes Land muss bei der Evakuierung helfen: Türkei, Japan oder Israel – sie hätten Einfluss auf Russlands Präsident Putin, sagt Natascha. "Mir sind die Jungs wichtig, die uns online ansprechen: Bitte helft uns, bitte verteilt die Nachricht in der ganzen Welt!" Wie man sehen könne, helfe die Ukraine nicht, so Natascha. "Und Russland bringt uns um."

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