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AfD-Spitzenkandidat Benjamin Nolte
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Thies Marsen
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AfD-Spitzenkandidat Benjamin Nolte

Er grenze sich klar von Rechtsextremisten ab, erklärte Bayerns AfD-Chef Martin Sichert jüngst im BR. Für viele AfD-Kandidaten gilt das allerdings nicht. Insbesondere nicht für die Oberpfälzer Spitzenkandidaten.

Nolte und die Burschenschaft Danubia

Benjamin Nolte hat definitiv keine Berührungsprobleme mit Rechtsextremisten. Der 36-Jährige, der auf der Oberpfälzer AfD-Liste den aussichtsreichen zweiten Platz belegt, ist "Alter Herr" der Münchner Burschenschaft Danubia. Die Aktivitas der Danubia – also die studierenden Mitglieder – werden vom Verfassungsschutz beobachtet. Ebenso wie die sogenannte Identitäre Bewegung, auf deren Kundgebungen Nolte schon als Redner auftrat, so im Februar 2016 in Freilassing.

AfD-Spitzenkandidat Benjamin Nolte bei einem Neonazi-Aufmarsch 2011 in Dresden.

AfD-Spitzenkandidat Benjamin Nolte bei einem Neonazi-Aufmarsch 2011 in Dresden.

Nolte bei Neonazi-Aufmarsch

Fotos, die dem BR vorliegen, zeigen den AfD-Kandidaten Nolte zudem bei einem der größten Neonazi-Aufmärsche der vergangenen Jahre: 2011 in Dresden, wo sich tausende Rechtsextremisten aus ganz Deutschland zu einem sogenannten Trauermarsch versammelten. Der Rechtsextremismus-Experte Jan Nowak aus Ostbayern hat Nolte damals beobachtet:

"Bei dem Neonazi-Aufmarsch in Dresden stand Nolte in einem Pulk von bayerischen Neonazis zu dem unter anderem Karl-Heinz Statzberger gehört hat, der verurteilte Rechtsterrorist, der heute bei der Neonazipartei Der Dritte Weg aktiv ist." Jan Nowak

Statzberger gehörte zur berüchtigten Kameradschaft Süd um den Neonazi Martin Wiese. Beide wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie einen Sprengstoffanschlag auf die Grundsteinlegung des neuen jüdischen Gemeindezentrums in München geplant hatten.

Spitzname "Bananen-Nolte"

Vom BR gefragt, wie er heute zu seiner damaligen Teilnahme am Dresdner Neonaziaufmarsch stehe, erklärte Nolte, zu solch alten Kamellen wolle er sich nicht äußern. Auch zu seinem Spitznamen "Bananen-Nolte" will er nichts sagen. Den bekam er 2009 verpasst. Bei einem Treffen studentischer Burschenschaften soll Nolte daran mitgewirkt haben, die Teilnahme eines schwarzen Studenten zu verhindern. Nolte soll, so berichteten es Augenzeugen, einem Bekannten des jungen Mannes eine Banane in die Hand gedrückt haben – flankiert vom Affengeschrei seiner Kameraden.

Roland Magerl mit einem T-Shirt von "Ansgar Aryan".

Roland Magerl mit einem T-Shirt von "Ansgar Aryan".

Roland Magerl in Neonazi-Kleidung

Vor Nolte auf Platz eins der Oberpfälzer AfD-Liste kandidiert Roland Magerl. Er scheiterte jüngst mit dem Versuch, in der Oberpfalz eine Wahlkampfveranstaltung mit Björn Höcke zu veranstalten. Spätestens seit Björn Höcke das Holocaust-Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnete und sich unlängst in Chemnitz neben Neonazis und Pegida-Anführern zeigte, ist Höcke deutschlandweit als wichtigster Vertreter des völkischen Flügels der AfD bekannt. Nach außen gibt sich Spitzenkandidat Roland Magerl gern gemäßigt, bei einer AfD-Kundgebung in Neutraubling allerdings zeigte er sich in Kleidung der Neonazi-Marke "Ansgar Aryan". Aryan ist das englische Wort für "arisch". Ein klares Bekenntnis, findet Rechtsextremismus-Experte Jan Nowak:

"Das Tragen von so einem T-Shirt stellt eine äußerst radikale Positionierung dar und es stellt sich die Frage, was das Ariertum für Magerl bedeutet." Jan Nowak

Magerl sieht sich in der Mitte der AfD

Auf Nachfrage des BR erklärt Magerl in einer schriftlichen Stellungnahme, die Begriffe "arisch" und "aryan" hätten für seine politische Arbeit keinerlei Bedeutung. Er könne sich damit nicht identifizieren. Übrigens: Geschäftsführer der rechtsextremen Modefirma "Ansgar Aryan" ist der bundesweit bekannte NPD-Aktivist und Rechtsrock-Konzertveranstalter Patrick Schröder, der jüngst auch beim Neonazi-Aufmarsch in Chemnitz dabei war. Schröder wohnt wie Magerl in Mantel im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Dem BR erklärte Magerl, er kenne Schröder, habe mit ihm aber politisch nichts zu tun. Überhaupt verorte er sich in der Mitte der AfD. Fachjournalist Jan Nowak hat da so seine Zweifel:

"Dass die beiden Spitzenkandidaten der AfD in der Oberpfalz sich in der Vergangenheit so positioniert haben, wirft auch ein Licht auf die AfD in der Region, denn die beiden sind ja formal demokratisch auf diese Spitzenplätze gewählt worden." Jan Nowak

Sollte Benjamin Nolte bei den kommenden Wahlen genug Stimmen erhalten, dann werde im nächsten Landtag ein Abgeordneter sitzen, der jedenfalls in der Vergangenheit kein Problem damit hatte, an Veranstaltungen der extremen Rechten und teilweise sogar der offenen Neonazi-Szene teilzunehmen.