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Sie nennen sich die Fotoschubser/NowherePix und bieten für Hobbyfotografen ein Komplettpaket an: Location, Workshops, Models.

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Die unkonventionellen Fotografen aus dem Fichtelgebirge

Die unkonventionellen Fotografen aus dem Fichtelgebirge

Sie nennen sich die Fotoschubser oder auch NowherePix und bieten für Hobbyfotografen ein Komplettpaket an: Location, Workshops, Models. Motive von klassisch über crazy bis erotisch. Erwartet man nicht unbedingt im Fichtelgebirge.

Alica und Katharina giggeln, necken sich, sie lachen. Die langhaarige Alica trägt ein schwarzes Tutu zu einer weißen Bluse. Sie sitzt an einem kleinen Kaffeetisch und hält einen Becher in der Hand. Ihr gegenüber steht Katharina mit den kurzen, leuchtend roten Haaren. In schwarzer Hose, schwarzem Korsett und schwarzem Frack. In ihrer Hand eine weiße Kaffeekanne. Frank Kleespies, der die Szene eingerichtet hat, zählt drei Sekunden ab. Die beiden jungen Frauen hören auf zu scherzen, blicken sich an. Die eine streng und fordernd, die andere demütig. Nach einigen Aufnahmen tauschen sie die Mimik. Frank Kleespies fotografiert die Szene und den Wandel im Gesichtsausdruck. Am Ende steht eine kurze Fotoserie mit einer eigenen Dramaturgie: ein wenig roh, ein wenig erotisch, ein wenig verrückt.

Fotostudio im "Lost Place" mit alter Schmiede und Tresor

Das Fotostudio ist ein altes Büro in einer stillgelegten Fabrik mitten im Fichtelgebirge – oder mitten im Nirgendwo, wie es Frank Kleespies schmunzelnd beschreibt. Immerhin animierte die Lage der Fabrik ihn und seine Kollegin Heike Grundwald ihre Fotokooperative "Team Fotoschubser" um die Zweitfirma "Nowhere Pix" zu erweitern. Mit dem alten Fabrikgelände, einem sogenannten "Lost Place", haben sie eine ideale Basis für ihre Fotoarbeiten. In den ehemaligen Maschinenhallen, der Schmiede oder dem Tresorraum bieten sich viele Möglichkeiten, jede noch so ausgefallene Szenerie einzurichten.

Sich vor die Kamera trauen und etwas Exhibitionismus mitbringen

Angefangen haben Kleespies, der Vertriebsmann aus Unterfranken, und Grunwald, die Werbegrafikerin aus Oberfranken, als Fotoamateure. Beide waren auch mal selbst als Models unterwegs, aber mittlerweile stehen sie lieber hinter der Kamera. Für das "Davor" haben sie einen festen Stamm von Männern und Frauen, die auch die notwendige Portion Exhibitionismus mitbringen. Katharina mit den roten Haaren musste das Posen vor der Kamera erst mal lernen und auch Vertrauen zu den Fotografinnen und Fotografen aufbauen, erzählt sie. Mittlerweile laufe das von selbst.

Auf schlechten Fotos sieht man kein "Leuchten in den Augen"

Die Shootings seien wie eine Auszeit vom Normalen, ein Eintauchen in ein anderes Ich. Alica mit den langen Haaren ist dagegen von Natur aus eher offen und geradeheraus. Sie wollte immer schon vor der Kamera stehen. Wobei es natürlich auf die Stimmung am Set ankomme, berichtet Theresa, die Dritte der Models. Und auf ihre eigene Verfassung. Sie merke im Grunde schon vor dem Fotografieren, ob eine Aufnahme gelinge oder nicht. Auf den schlechten Fotos sehe man kein Leuchten in den Augen.

Allein von den Fotoshootings können sie nicht leben

Wie die Models auch, eine ist Lehrerin, eine Lastwagen-Fahrerin, die dritte Vorstandsassistentin, müssen Frank Kleespies und Heike Grunwald ihren Lebensunterhalt mit anderen Berufen verdienen. Miete und Nebenkosten der Fabrik kosten Geld, der Rest geht in die Ausrüstung. Die Auftragsarbeiten – vom Kalender bis zum Einzelporträt - werden zwar immer mehr, doch es reicht noch nicht. Sie bieten Workshops und Fotoevents auf dem Industriegelände an. Vom richtigen Licht über Szenen einrichten bis hin zu Modelseminaren. Die Kunden dafür kämen mittlerweile aus ganz Deutschland, erzählt Frank Kleespies. Im November seien es an einem solchen Event-Wochenende 80 Leute gewesen: vom Bankdirektor bis zum Arbeiter. Doch in ihrer Szene gebe es keine Klassenunterschiede.

Ausprobieren und Spaß haben lautet die Devise beim Fotografieren

Heike Grunwald, Frank Kleespies und Timo Schill, der dritte im Bunde, zuständig für die Technik, wollen mit ihrer alten Fabrik Möglichkeiten anbieten. Keine Vorgaben machen, keine Dos und Don'ts. Für alle, die Lust auf Fotos mit einer besonderen Note haben. Ausprobieren, Spaß haben. Und wenn gerade mal keine Aufträge da sind, dann Fotografieren sie halt, um ihre Ausrüstung zu testen, sich selbst weiter zu bilden.

Bildrechte: BR

Frank Kleespies und Heike Grunwald sind Fotografen und betreiben das Fotostudio "Team Fotoschubser".

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