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Die Unis und Corona: Wann können die Studierenden zurück? | BR24

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So langsam werden die Corona-Lockerungen spürbar. Alles normalisiert sich ein wenig. Aber wie sieht es an Universitäten aus? Forschung und Lehre sind ins Homeoffice verbannt. Damit bleibt viel auf der Strecke.

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Die Unis und Corona: Wann können die Studierenden zurück?

So langsam werden die Corona-Lockerungen spürbar. Alles normalisiert sich ein wenig. Aber wie sieht es an den Universitäten aus? Forschung und Lehre sind ins Homeoffice verbannt. Damit bleibt viel auf der Strecke.

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Leere Hörsäle, verwaiste Seminarräume, stille Cafés. Es ist ruhig geworden an Deutschlands Universitäten. Die Corona-Krise hat das Leben dort lahmgelegt. Professor Gunther Friedl vom Lehrstuhl für Controlling an der TU München hat seit Wochen kaum einen Studenten gesehen: "Es ist wirklich ein bisschen traurig, weil eine Universität lebt davon, dass wir uns gemeinsamen treffen, dass wir Ideen entwickeln, dass wir mit den Studierenden diskutieren. Und das fehlt."

Vorlesungen nur noch online

Seit März findet an seinem Lehrstuhl keine Präsenzlehre mehr statt. Keine Vorlesung, kein Seminar. Mit seinen Mitarbeitern bietet er statt dessen Online-Unterricht an. Inzwischen hat er seine gesamte Lehre auf digitale Formate umgestellt. Doch die Studenten müssen zu Hause bleiben. Seit Wochen schon. Friedl sieht das kritisch:

"Eine Universität lebt natürlich davon, dass Studenten da sind, dass Studenten sich austauschen, auch manchmal über Konzepte streiten, und dass sie sich nicht nur einfach berieseln lassen von Dozenten, die am Rechner ihre Vorlesung abspulen." Professor Gunther Friedl, Lehrstuhl für Controlling TU München

Auch der Geographie-Professor Matthias Schmidt von der Uni Augsburg bietet seine Lehre zur Zeit nur digital an. Doch für ihn als Geographen komme er damit an Grenzen, sagt er:

"Gerade unser Studium lebt davon, dass wir sehr viele Gelände-Veranstaltungen durchführen, Exkursionen, Gelände, Praktika. Und der Sinn und Zweck dieser Exkursionen besteht darin, im Hörsaal oder im Seminarraum Gelerntes im Gelände anzusehen, zu verstehen und zu diskutieren." Geographie-Professor Matthias Schmidt, Universität Augsburg

Keine Motivation, kein Studentenjob

Doch das alles findet gerade nicht statt. Die Universitäten sind im Corona-Schlaf. Viele Bibliotheken sind geschlossen, Labore zu. Keine Debatten mehr, keine Seminare, nur noch digitaler Frontal-Unterricht. Studenten fühlen sich allein gelassen. So wie Alessio Carnevale. Er studiert Geographie und Englisch für das Lehramt. Er hat seine Studenten-Jobs verloren und seit Monaten kein Geld bekommen. Doch das sind nicht seine einzigen Sorgen: "Es ist so, dass ich fast aus ein, zwei Kursen rausgeflogen bin, weil ich auch die Abgaben verplant hab. Klar ist das natürlich meine Schuld, aber mir fehlt die Motivation. Zum Studium gehört für mich nicht nur das Studium an sich, und die Prüfungen, sondern auch das Drumherum."

Auch für Antonia Peiler klappt es mit dem Online-Unterricht längst nicht so wie gewünscht. Sie studiert im achten Semester Medizin an der TU München und hat wie viele andere schon manche Online-Veranstaltung verpasst: "Es gab ja viele Kommilitonen, die gearbeitet haben, im Krankenhaus, dann gab's diese Live-Vorlesung morgens, dann konnten sie die nicht anschauen, weil sie nicht da waren. Am späten Nachmittag konnte man sie dann nicht mehr nachholen, weil sie ja nicht aufgezeichnet wurden oder gespeichert wurden."

"Wollen keine Fernuniversität werden"

Wirtschaftliche Sorgen. Verpasste Veranstaltungen. Prüfungsängste. Viele Studenten fürchten, ein Semester zu verlieren oder die Regel-Studienzeit zu überschreiten. Auch die Uni-Leitungen wissen nicht, wie es weiter geht. Während es an den Schulen konkrete Pläne für die Zeit nach den Sommerferien gibt, ist das bei den Unis unklar. Die Präsidentin der Universität Augsburg Sabine Doering-Manteuffel erklärt:

"Eine Universität will auf Dauer natürlich keine Fernuniversität werden. Ich glaube, da sind wir uns wirklich alle einig, auch unter den bayerischen Universitäten. Wir wollen die Studierenden und die Lehrenden wieder auf dem Campus haben." Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg

Ihr Kollege Gerhard Müller der Vize-Präsident der TU München muss aber einräumen: "Wir werden womöglich nicht die großen Hörsäle in der vollen Besetzung betreiben können. Kann sein, dass das auch geht - aber im Moment ist das noch nicht absehbar."

Gibt es Ideen für eine Lockerung?

Für Gunter Friedl ist das alles zu abwartend. Auf der Dachterrasse der TU München treffen sich sonst viele Studenten, um miteinander zu reden oder zu diskutieren. Jetzt ist alles trostlos und still. Ein gedankenleerer Raum. Er findet: "Ich glaube, dass wir schon aufpassen müssen, dass wir langfristig auch den Schaden, den ein Lockdown verursacht nicht unterschätzen. Wenn wir uns tatsächlich nur noch online treffen, dann fehlt etwas ganz Wichtiges. Das, was unsere Gesellschaft eigentlich ausmacht, was sie zusammenhält, der gegenseitige Austausch von Ideen, Universitäten stehen dann normalerweise im Zentrum. Und die müssten eigentlich bei der Öffnungs- Bewegung ganz mutig voranschreiten."

Nur schrittweise Öffnungen

Doch die meisten Unis planen angesichts hoher Studentenzahlen und der damit verbundenen Infektionsgefahr mit einem weiteren digitalen Semester und nur schrittweisen Öffnungen. Und auch die Politik will da keine anderen Vorgaben machen. Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) erklärt:

"Überall müssen wir entsprechend Hygienekonzepte auf den Weg bringen. Je besser die Zahlen sind, umso besser ist es dann natürlich auch für die Präsenzveranstaltungen und natürlich lebt Universität von diesen Präsenzen. Wir wollen im Wintersemester da noch stärker hin, wenn es das pandemische Geschehen möglich macht." Bernd Sibler (CSU), Wissenschaftsminister Bayern

Für viele Studenten ist das alles schwierig. Es kann sein, dass es noch eine Weile kaum Präsenzunterricht an den Unis gibt. Viele finden, es sei an der Zeit, Vorschläge zu entwickeln, wie es weitergehen soll.

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