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Karin Simon aus Lupburg hat das zu ihrem Beruf gemacht, wovor sich die meisten fürchten. Sie begleitet Todkranke auf ihrem letzten Weg.

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Die Sterbeamme - Begleitung auf dem letzten Weg

Karin Simon aus Lupburg hat das zu ihrem Beruf gemacht, wovor sich die meisten fürchten. Sie begleitet Todkranke auf ihrem letzten Weg. Der Tod gehört für die Sterbeamme zum Leben. Und sie möchte die Angst vor dem Sterben nehmen - als Kabarettistin.

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Von
  • Andrea Koeppler

Seit eineinhalb Jahren besucht Karin Simon den 85-jährigen Heinz einmal im Monat. Er ist dement und kaum noch ansprechbar. Sie sitzt mit ihrer Gitarre an seinem Bett und singt "Lili Marleen". Sein Zustand verschlechtert sich von Mal zu Mal, aber sterben kann er noch nicht. Manchmal lächelt er, wenn sie singt.

Das sei ihre Aufgabe als Sterbeamme, erklärt Karin Simon: "Erstmal Leben bis zum Schluss und dann am Ende Lachen ans Bett zu bringen." Auch auf Heinz versucht sie, positiv einzuwirken. "Heinz kann irgendwie nicht so abfliegen, wie er das möchte, glaub ich", sagt die Sterbeamme. Da stehe noch eine Versöhnung aus.

Der frühe Tod der Mutter prägt

Den Tod hat Karin Simon bereits sehr früh kennengelernt. Sie war erst 15 Jahre alt, als ihre Mutter starb. Zwei Jahre lang litt diese an einer schlimmen Krankheit, erzählt Simon: "Sie war auf dem Rollstuhl festgebunden und hat nur noch vor sich hingesabbert. Mit 15 Jahren war das für mich ganz schön krass. Ich konnte sie nicht mehr besuchen - ich habe mich so vor ihr geekelt. Und dann ist sie gestorben und ich bin dagesessen mit riesigen Schuldgefühlen."

35 Jahre lang arbeitete Karin Simon später in Parsberg als Krankenschwester. Dort begegnete sie dem Tod permanent, erzählt sie: "Da habe ich eine Gabe entdeckt, die mich selber total verängstigt hat: wenn ich die Leute in den Arm nehme, dass die einfach sterben können."

Sie arbeitete im Krankenhaus bis es nicht mehr ging und sie einen Burnout erlitt. Als sie sich wieder erholt hatte, machte sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie. Heute ist sie selbstständig und bietet auf ihrer Homepage Atempause ein großes Spektrum an Unterstützung an. Sie begleitet Menschen in schweren Lebensphasen und gibt autogenes Training. In Lupburg führt sie eine Trauergruppe. Und sie begleitet als Sterbeamme Menschen in der letzten Phase ihres Lebens.

Keine Angst vor dem Tod

Den Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen, sei ihr ein großes Anliegen, sagt Karin Simon. Deshalb tritt sie auch mit einem Kabarett-Programm auf gemeinsam mit ihrer Partnerin, der Handpuppe Babette. Mit ihr thematisiert sie zum Beispiel die Angst vor dem Fegefeuer, die Angst, von Gott bestraft zu werden. Aktuell probt Karin Simon zusammen mit Bernie Helmstreit und Isolde Baldauf neue Lieder für ihr Kabarett-Programm "Zum Sterben schön". Sie alle sind überzeugt: Man muss dem, was Angst macht, ins Gesicht lachen, damit es seinen Schrecken verliert.

Beim Sterben helfen ist keine Sterbehilfe!

Lebensverlängernde Maßnahmen bei Todkranken sieht Karin Simon genauso kritisch wie den assistierten Suizid: "Ich habe mir oft gewünscht, ja, man dürfte nachhelfen. Aber das ist die Sicht der Krankenschwester. Die spirituelle Sicht sagt, man kann in den letzten fünf Minuten immer noch etwas lernen. Das ist eine ganz schwere Entscheidung."

Mehr über die Sterbeamme Karin Simon erfahren Sie am Mittwoch, den 13. Oktober um 19 Uhr in STATIONEN im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.