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Neue Synagoge in Regensburg: "Zeichen für Vielfalt und Toleranz" | BR24

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500 Jahre nach der Zerstörung der ersten Synagoge in Regensburg hat die jüdische Gemeinde in der oberpfälzer Stadt ein neues Gebetshaus. Mit dem Neubau geht ein lange gehegter Wunsch der Juden in Regensburg in Erfüllung.

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Neue Synagoge in Regensburg: "Zeichen für Vielfalt und Toleranz"

Die älteste jüdische Gemeinde in Bayern hat eine neue Synagoge: Der Neubau im Regensburger Zentrum wurde am Mittag feierlich eröffnet - gut 80 Jahre nach der Zerstörung des früheren Gebetshauses durch die Nationalsozialisten.

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Regensburg hat wieder eine Synagoge. "Die Jüdische Gemeinde Regensburg hat ihr Herzstück wieder", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Er sprach von einem deutlichen "Zeichen für Zusammenhalt, für Vielfalt und für Toleranz" seitens der jüdischen Gemeinde, der Stadt und ihrer Bürger, des Freistaats und des Bundes.

Jüdische Gemeinde in Regensburg ist älteste in Bayern

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach von einem "Freudentag nicht nur für die jüdische Gemeinde, sondern für uns alle in Bayern". Mit ihren mehr als 1.000 Jahren Geschichte ist die jüdische Gemeinde in Regensburg die älteste in Bayern.

Der Neubau steht am selben Ort wie die 1938 während der Novemberpogromen zerstörten Synagoge unweit des Doms. Die Eröffnung findet fast genau an jenem Termin statt, an dem vor 500 Jahren die jüdischen Einwohner von Regensburg aus der Stadt vertrieben wurden.

Regensburger Bischof: Abendland steht auf "jüdisch-christlichem" Boden

Der katholische Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bat die jüdische Gemeinde um Vergebung für das Leid, das durch Christen geschehen sei.

"Es schmerzt uns, dass sich die Vertreter der Kirche 1519 nicht nur nicht schützend vor die jüdischen Mitbürger gestellt, sondern einige sogar noch Profit aus ihrer Ausweisung gezogen haben." Rudolf Voderholzer

Auch 1938 hätten Christen in der überwiegenden Mehrheit nicht den Mut aufgebracht, sich mit den jüdischen Mitbürgern zu solidarisieren. Heute gelte es zusammenzustehen, wenn geschichtsvergessene Kräfte und Bewegungen offen antisemitische Klischees bedienten, so der Bischof weiter. "Lassen Sie es mich deutlich sagen: Das europäische Abendland steht auf jüdisch-christlichem Boden, und wer heute die einen gegen die anderen auszuspielen versucht, verkennt unsere gemeinsame Heimat und stärkt unsere Solidarität."

Der evangelische Regionalbischof Hans-Martin Weiss erklärte in seiner Rede: "Ich freue mich, dass wir in dieser Weise das wahr machen können, was der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner für unsere Geschichte in Deutschland so wichtigen Rede vom 8. Mai 1985 die kollektive Verantwortung genannt hat."

Den Neubau der Synagoge in Regensburg hat der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) als wichtigen Schritt für das jüdische Leben im Freistaat gewürdigt. In Regensburg gebe es die ältesten schriftlichen Nachweise für jüdisches Leben auf dem Gebiet des heutigen Bayern, sagte Spaenle. Diese reichten bis ins zehnte Jahrhundert zurück. "Deshalb ist es umso erfreulicher, dass die Israelitische Kultusgemeinde in Regensburg einen neuen Ort für ihr religiöses Leben schaffen konnte, der weit über Regensburg hinaus ausstrahlt."

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Die Torarollen werden in den neuen Gebetsraum gebracht.

Zentralratspräsident wirbt für breites Bündnis

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach von einem grassierenden Antisemitismus. "Wir erleben, wie Rechtspopulisten versuchen, rote Linien zu verschieben und dabei gegen Minderheiten hetzen." Auch die Erinnerung an die Schoa versuchten manche zu relativieren. In vermeintlich legitimer Kritik am Staate Israel drücke sich ebenfalls Antisemitismus aus. "Ein Antisemitismus, der in die Mitte der Gesellschaft gerückt ist und mit einer gefährlichen Gelassenheit von zu vielen Menschen akzeptiert wird."

Der Zentralratspräsident warb für ein breites politisches und zivilgesellschaftliches Bündnis, das die Errungenschaften der Europäischen Union verdeutliche und sie dem wachsenden Nationalismus in Europa entgegensetze. "Wir dürfen all jenen, die die EU schlecht reden und die Grundrechte wie die Religionsfreiheit oder Gleichberechtigung mit Füßen treten, nicht auf dem Leim gehen." Für die jüdische Gemeinschaft wolle er betonen: "Sowohl die europäische Einigung als auch das Grundgesetz sind seit langem das Beste, was uns in Europa und in Deutschland passieren konnte", so Schuster.

Neue Synagoge kostete rund neun Millionen Euro

Die nun errichtete Synagoge nach Plänen des Berliner Architekturbüros Volker Staab bietet Platz für 160 Gläubige, der angrenzende Gemeindesaal für 200 Personen. Einschließlich der Sanierung des historischen Gemeindehauses entstanden Kosten in Höhe von neun Millionen Euro. Vom Bund kamen 3,3 Millionen, von der Stadt Regensburg zwei Millionen Euro Zuschuss. Der Rest wurde durch Eigenmittel der jüdischen Gemeinde und Spenden aufgebracht, darunter auch von den christlichen Kirchen.

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Der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) würdigte den Neubau als wichtigen Schritt für das jüdische Leben im Freistaat. Die Synagoge war heute Vormittag im Beisein vieler Festgäste eingeweiht worden

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Die älteste jüdische Gemeinde in Bayern hat eine neue Synagoge: Der Neubau im Regensburger Zentrum wurde am Mittag feierlich eröffnet - gut 80 Jahre nach der Zerstörung des früheren Gebetshauses durch die Nationalsozialisten.