BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Die Herkunft von Lebensmitteln bleibt oft ein Geheimnis | BR24

© Florian Kienast/BR

Wer Wurst kauft oder auch Lebensmittel, in denen Milch oder Eier verarbeitet wurden, erfährt auf der Verpackung nichts über die Herkunft der Tiere. Einige Landwirte aus Mittelfranken wollen das ändern und fordern mehr Transparenz.

6
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Die Herkunft von Lebensmitteln bleibt oft ein Geheimnis

Woher kommen unsere Lebensmittel? Woher stammt das Fleisch, aus dem die Wurst gemacht wurde? Oder aus welchem Land kommen Eier und Milch in Fertig-Produkten? Wer das in Deutschland herausfinden möchte, hat nahezu keine Chance.

6
Per Mail sharen

Die Herkunft unserer Nahrungsmittel scheint ein großes Geheimnis zu sein. Mittelfränkische Landwirte wollen diese Intransparenz beenden – und schauen dabei sehnsüchtig nach Österreich.

Landwirte fordern Transparenz

Andreas Forster ist bei "Land schafft Verbindung" Mittelfranken aktiv. Zusammen mit seinen Mitstreitern, fordert er eine klare, leicht verständliche Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel. Ihr Ziel: Verbraucher sollen auf den ersten Blick erkennen können, woher ein Lebensmittel kommt.

"Wir wollen, dass in Klarschrift draufsteht: wo kommt das Tier hier, wo ist es geboren, wo ist es aufgewachsen, wo ist es geschlachtet worden." Andreas Forster, Landwirt

Mit dieser Forderung verbinden die Landwirte natürlich eine große Hoffnung. Denn in ihren Augen würde das Ende der Intransparenz große Chancen für die heimische Landwirtschaft bieten. "Wir hoffen, dass die Konsumenten durch die richtige Kaufentscheidung dafür sorgen, dass wir in Bayern unsere gerade kleinstrukturierte Landwirtschaft in Bayern erhalten können."

Lobby gegen Herkunftskennzeichnung

Und bei den Verbrauchern gibt es tatsächlich den Wunsch danach, Lebensmittel transparenter zu kennzeichnen – auch was ihre Herkunft angeht. Umfragen würden das belegen, so Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Aber einer solchen Transparenz stehen andere Interessen entgegen.

"Da ist sicher auch die große Ernährungsmittellobby schuld, weil sie sagen, der Aufwand ist so groß." Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern.

Der Aufwand: damit meint sie, dass gerade große Unternehmen, mit zahlreichen Lieferanten aus unterschiedlichen Ländern, Probleme bekommen könnten, bei jeder einzelnen Marge zu kennzeichnen, woher etwa das Fleisch für die Wurst kommt.

Ministerium sieht eher Probleme als Chancen

Im Bayerischen Landwirtschaftsministerium stößt die Idee einer Herkunfts-Kennzeichnung auch eher auf Skepsis. Im Gegensatz zu den mittelfränkischen Landwirten sieht man hier Risiken für die bayerischen Bauern. Dafür gebe es mehrere Argumente. Beispielsweise sei Bayern in einigen Bereichen der Landwirtschaft selbst ein großer Exporteur. Bei Milch etwa hat Bayern einen Selbstversorgungsgrad von 160 Prozent. Auf Anfrage des BR teilt das Ministerium mit: "Würden auch andere Regionen oder Länder eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung einführen, würde dies den Export bayerischer Milch- und Milchprodukte erschweren. Gleiches gilt auch für das bayerische Rindfleisch."

Österreich plant Herkunftskennzeichnung

Jenseits der Grenze in Österreich sieht die Politik das anders. Die dortige Regierung plant für das kommende Jahr das, was die mittelfränkischen Landwirte auch für Bayern und Deutschland fordern. Im Regierungsprogramm heißt es:

"Verpflichtende Herkunftskennzeichnung der Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier in der Gemeinschaftsverpflegung (öffentlich und privat) und in verarbeiteten Lebensmitteln ab 2021."

Bayerische Bauern könnten also schon nächstes Jahr sehnsuchtsvoll über die Grenze blicken, wo die Produkte ihrer österreichischen Kollegen dann vielleicht von den österreichischen Verbrauchern bevorzugt gekauft werden.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!