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Bayerisches Jagdgesetz: Ist die Hegeschau noch zeitgemäß? | BR24

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Im Landtag ging es heute um die Pflicht zur Hegeschau: Veranstaltungen, bei denen Jäger die Geweihe männlicher Tiere, die sie erlegt haben, präsentieren müssen. Ist diese Zurschaustellung von Trophäen überholt oder macht sie Sinn?

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Bayerisches Jagdgesetz: Ist die Hegeschau noch zeitgemäß?

Bei der jährlichen Hegeschau präsentieren Jäger Geweihe und Hörner der erlegten Tiere. Kritiker finden sie unnütz und eklig. Befürworter betonen ihre Bedeutung für den Schutz des Waldes. Über ein Ritual, dass es fast nur noch in Bayern gibt.

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Wer auf Hirschgeweihe und Gamshörner steht, ist auf der Hegeschau richtig. Dort präsentieren Jägerinnen und Jäger, die ein Revier pachten, den Kopfschmuck des erlegten und verendeten Wildes. Anhand der Trophäen soll der Zustand der Tiere im Jagdgebiet beurteilt werden.

Jäger zur Teilnahme an Hegeschau verpflichtet

In Bayern ist die Teilnahme für Jäger, die ein Revier pachten, gesetzlich verpflichtend, so steht es im Bayerischen Jagdgesetz. Jeder kann zur Hegeschau kommen, denn sie ist öffentlich – und umstritten: Nicht mehr zeitgemäß, ein archaisches Ritual ohne praktischen Sinn, sagen die einen. Eine wichtige Tradition, um das Revier im Blick zu behalten und die Wälder zu schützen, sagen die anderen.

Antrag auf Abschaffung abgelehnt

Und auch weiterhin sind Jägerinnen und Jäger zur öffentlichen Hegeschau verpflichtet. Ein Antrag der Grünen auf Abschaffung dieser Pflicht im Bayerischen Jagdgesetz wurde heute im Landwirtschafts-Ausschuss des Bayerischen Landtages abgelehnt.

"Eine Pflicht zur Vorlage von Trophäen ist für uns unsinnig und erfüllt nicht den Sinn und Zweck der Hege." Hans Urban, forstpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag.

Die Grünen fordern stattdessen einen verpflichtenden Runden Tisch zur Hege in Bayern. Trophäenschauen könnten weiterhin auf freiwilliger Basis stattfinden, so Urban.

Für Alexander Flierl, CSU, bleibt die verpflichtende Trophäenpräsentation dagegen wichtiger Bestandteil der Hegeschau, allerdings nur einer von vielen. Hegeschauen seien mittlerweile Naturschutzschauen: Runde Tische, an denen sich alle Akteure austauschen können. Jäger, Umweltschutzverbände, Behörden. Grüne und Opposition müssten sich entscheiden, was sie wollen, so Flierl.

Grüne kritisieren hohe Kosten

Das Argument der Grünen, die Teilnahme an Pflichttrophäenschauen verursache jährlich einen Kostenaufwand von etwa 400.000 Euro für die Bayerischen Staatsforsten, ließ Flierl nicht gelten. Man müsse diese Summe hinterfragen:

"Natürlich müssen die Trophäen angeliefert werden, müssen abgeholt werden, müssen natürlich auch präpariert werden. Aber das geht auch locker in der Freizeit und ist kein großes Problem." Alexander Flierl, CSU

Hegeschauen überhaupt aussagekräftig?

Doch kann eine solche Trophäenschau überhaupt den Bestand der Tiere gut bemessen? Nein, glaubt der Ex-Jäger und Forstwirt Thomas Grebenstein, der 2018 mit einer Petition versuchte, die Hegeschau-Pflicht abzuschaffen.

"Es werden nur die Trophäen von dem Wild abgeliefert, das Kopfschmuck trägt - das heißt es ist nur das männliche Wild. Das weibliche Wild nicht, und das Wild ohne Kopfschmuck auch nicht. Daraus einen Rückschluss zu ziehen auf den Zustand und Lebensraum des Wildes ist schlichtweg nicht möglich.“ Forstwirt Thomas Grebenstein

Der bayerische Jagdverband sieht das anders.

"Die Hegeschau bietet die Gelegenheit, dass man zeigt, was abseits der Abschlussplanerfüllung passiert ist: Welche natur- und lebensraumpflegenden Maßnahmen wurden umgesetzt, wo wurden Wildäcker angelegt oder Hecken gepflegt. Man kann Tipps unter Verbänden austauschen, die Veterinärämter können hier über Tierseuchen berichten. Dafür brauche ich alle Revierpächter an einem Tisch." Thomas Schreder, Bayerischer Jagdverband

Andere Bundesländer würden zeigen, dass die Hegeschauen völlig zum Erliegen kommen, wenn die Pflicht abgeschafft wird. "Natürlich: Alles was Pflicht ist, hat einen negativen Touch. Aber einmal pro Jahr zu einer Veranstaltung zu kommen, ist doch vertretbar", sagt Jürgen Vocke, Vorstand Bayerischer Jagdverband:

" Wir laden Tierärzte, Polizei und alle ein, um über die Probleme in der Region zu sprechen. Ich meine, da dominiert das Gemeinwohl gegenüber Einzelinteressen." Jürgen Vocke, Vorstand Bayerischer Jagdverband

Immer weniger hauptberufliche Jäger

In Bayern gibt es laut dem Bayerischen Jagdverband rund 51.000 Jäger, die eine Jagdfläche von 6,8 Millionen Hektar bewirtschaften. Das Interesse fürs Jagen steigt – zumindest deutschlandweit. Während 1968 noch rund 219.000 Jagdscheine ausgestellt wurden, waren es 2017 schon rund 384.000. Und das, obwohl die Ausbildung zu den härtesten weltweit zählt. Kaum einer arbeitet noch hauptberuflich als Jäger. Die meisten sind Hobby-Jäger, sagt Anna Martinsohn, stellvertretende Pressesprecherin des deutschen Jagdverbands.

"Jagd ist Leidenschaft, Verantwortung und Liebe für die Natur." Anna Martinsohn, Deutscher Jagdverband.

Ob nützlich oder sinnlos – die Hegeschau bleibt für bayerische Jägerinnen und Jäger nun erstmal eine Pflicht. Die Diskussion darum dürfte aber weitergehen.

Von
  • Caroline von Eichhorn
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