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Die globale Erderwärmung im Landkreis Garmisch-Partenkirchen | BR24

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September 2020: traumhaftes Wetter, Temperaturen zum Baden und milde Abende. Zu warm, zu trocken und sehr sonnig - so beurteilt der Deutsche Wetterdienst den September, ebenso wie zwei Bäuerinnen aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

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Die globale Erderwärmung im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

September 2020: traumhaftes Wetter, Temperaturen zum Baden und milde Abende. Zu warm, zu trocken und sehr sonnig – so beurteilt der Deutsche Wetterdienst den September, ebenso wie zwei Bäuerinnen aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

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Katharina Benedikt ist Biobäuerin mit Leib und Seele. In ihrer Freizeit kümmert sie sich um sogenannte Sonnenäcker im Werdenfelser Land. Diese Ackerflächen werden aufgeteilt und an Einheimische verpachtet, die dort Gemüse anbauen.

Am Rand eines Sonnenackers im Süden von Ohlstadt, etwa halb so groß wie ein Fußballfeld, sagt die Biobäuerin: "In diesem Jahr, mit diesem schönen Herbst, ganz ohne Reif, da wachsen sogar noch Gurken und Tomaten." Zwischen den Feldfrüchten blühen Dahlien, Mohn und Kapuzinerkresse. Auch mit dem Sommer ist Katharina Benedikt zufrieden. Es wäre warm gewesen, und die Regenschauer wären immer zur rechten Zeit gekommen, sagt die Vorsitzende der Solidargemeinschaft Werdenfelser Land. In die Freude über die gute Ernte mischt sich aber auch Nachdenklichkeit. Es werde eigentlich jedes Jahr milder, die Erntezeit verschiebe sich schon in den November.

Solidargemeinschaft Werdenfelser Land

Seit elf Jahren betreut die Biobäuerin die Solidargemeinschaft Werdenfelser Land. Sie kümmert sich um Flächen, die im Frühjahr vorbereitet und nach der Ernte abgeräumt werden müssen. Früher war das Ende Oktober, jetzt können sich die Gemüse-Anbauer bis Ende Februar Zeit lassen. Und noch etwas beobachtet die Landwirtin mit Sorge. Gerade die Winter würde immer kürzer und wärmer, außerdem seien die Übergänge anders als früher. Zudem schlage das Wetter größere Kapriolen als früher. Mildes Wetter gebe es kaum noch.

Genauso sieht es Annelies Freisl aus Bad Kohlgrub. Die Bäuerin macht seit 50 Jahren ehrenamtlich "phänologische" Beobachtungen für den Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Das heißt, sie notiert täglich für bestimmte Pflanzen und Bäume, wann die Blüte beginnt, die Früchte reif werden, sich die Blätter verfärben und wann sie abfallen. Und dabei stellt sie fest, dass es kaum noch ein echtes Frühjahr gebe. Der Wechsel verlaufe inzwischen von kalt zu heiß – ohne echten Übergang.

Blütezeit verschiebt sich nach hinten

Vor ihrem Hof im Ortsteil Grub oberhalb des Dorfes steht ein alter Apfelbaum - Spätäpfel, sagt Annelies Freisl, und beobachtet, dass sich die Blütezeit immer weiter nach vorne verschiebt. Der Baum habe vor zwanzig Jahren noch am Muttertag geblüht, also in der zweiten Maiwoche. In den letzten Jahren seien bereits Mitte April die Knospen aufgegangen. Das hat auch Auswirkungen auf die Erntezeit.

Der Winter wird kürzer, der Sommer länger: So kann man ihre Beobachtungen zusammenfassen. Und die decken sich mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes. Und die heißen und trockenen Sommer? Es habe schon immer heiße Sommer gegeben, sagt Annelies Freisl, aber nicht jedes Jahr.

Zurück zum Sonnenacker in Ohlstadt. Katharina Benedikt beugt sich über Radicchio und rote Rüben. Vieles bliebt hier noch länger stehen. Das ist auch ein Trend, der seit Jahren in den Gärten zu beobachten ist. Früher wurden Blumen und Gräser spätestens Ende Oktober radikal abgeschnitten. Heute lassen Gartenbesitzerinnen manche Pflanzen auch über den Winter stehen – sehr zur Freude der Tierwelt.

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