BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Georgios Kefalas
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Georgios Kefalas

Kinder beim Fußballtraining (Symbolfoto)

1
Per Mail sharen

    Die Gemeinschaft fehlt - Vereinsleben im Stillstand

    Seit Beginn der Corona-Pandemie steht das Vereinsleben für Bayerns Vereine auf null: keine Trainings, keine Nachwuchswerbung, kein geselliges Gemeinschaftsleben. Durchhalten lautet da die Devise. Nur wie? Beispiele im Landkreis Amberg-Sulzbach.

    1
    Per Mail sharen
    Von
    • Carina Bauer
    • BR24 Redaktion

    Fast 100.000 Mitglieder hat der organisierte Sport im Corona-Jahr 2020 nach Angaben des Bayerischen Landes-Sportverbands BLSV bayernweit bereits verloren. Durchhalten lautet bei vielen nun die Devise. So etwa im Landkreis Amberg-Sulzbach:

    Schreibtisch statt Turnhalle

    Alle zwei Wochen setzt sich Angelika Hiltner, die Leiterin des Amberger Sportvereins DJK 2002, an ihren Schreibtich, um ihre Vereinsmitglieder von zuhause aus zu trainieren - auf dem Papier per Flyer mit wechselnden Übungsanleitungen: "Wir hatten zuerst gehofft, an Weihnachten oder zumindest an Ostern geht es wieder los, aber das war leider nicht so. Um die Mitglieder zu motivieren, haben wir uns nun zu den Flyern entschlossen", sagt Hiltner. Hit Die Übungsflyer des Amberger Sportvereins sind eine Notlösung, damit seine Wasserfitness-, Pilates- und Rock’n’Roll- Sportler während der Pandemiezeit nicht völlig aus der Übung kommen. Mehr Angebote kann der Sportverein zurzeit nicht bieten. Und dies bekommt er zu spüren: "Wir hatten insgesamt 780 Mitglieder und nun 150 Kündigungen, das ist schon sehr traurig."

    Flyer als Motivationsschub

    Der soziale Kontakt sei nicht mehr da und viele würden müde, da man unwahrscheinlich schnell die Muskulatur abbaue. DJK-Sportlerin Ulrike Ruppert begrüßt die Initiative als willkommenen Motivationsschub. "Ich mach manchmal Yoga, aber wenn man nicht diesen zeitlichen Druck der Trainingstermine hat, denkt man sich gerne, naja, heute nicht, das mache ich morgen." Motivationsprobleme beobachtet Ulrike Ruppert auch in ihrem Bekanntenkreis: "Viele Leute werden träger. Es gibt natürlich welche, die sowieso immer joggen, aber diejenigen, die Fitnessstudios und Sportstätten besucht haben, für die ist es schon schwierig."

    Vom Tanzsaal ins Wohnzimmer

    Ähnlich angespannt sieht Monika Schröder aus Sulzbach-Rosenberg die Situation. Seit Corona hat die Leiterin des Amberger Boogie Woogie und Rock’n’Roll Vereins "Quick Feet" hat den Tanzsaal längst ins heimische Wohnzimmer verlegt. Dort trainiert sie mit ihrem Mann Thomas nun zwischen Couch und Fernseher: "Wir durften einmal Training in der Halle machen im Herbst, da hatten wir ein Hygienekonzept und alles, und und dann war wieder zu. Viele Mitglieder sind letztes Jahr schon weggeblieben. Das Training fehlt halt und der gesellschaftliche Kontakt."

    35 Jahre lang bestimmte der Boogie Woogie zuvor das Leben des Ehepaars. Nun gab es ein Jahr lang keinen Unterricht, keine Tanzpartys. Allenfalls Online-Übungen bot ihr Landesverband an: "Das haben wir eine Zeitlang mitgemacht, aber wenn keiner da ist, der dich kritisiert oder sagt, das machst du jetzt falsch, macht es keinen Spaß." Noch ist offen, wann die Schröders wieder mit ihrer Tanzgruppe proben, gar zu Wettbewerben fahren können. "Das sind alles Leute in unserm Alter. Wenn die jetzt ein Jahr nicht getanzt haben, dann haben sie die Basics nicht mehr drauf. Fraglich, ob sie dann wieder von vorne anfangen."

    Kindern fehlt der sportliche Ausgleich

    Vom sportlichen Stillstand betroffen ist auch Monika Schröders Enkel Ben. Zwei Jahre lang hatte der Neunjährige - bis Corona kam - im Rosenberger Fußballverein TUS trainiert. "Man merkt das dem Ben an, ihm fehlen halt der sportliche Ausgleich und seine Kumpels. Sie sehen ja niemanden mehr, also des sind alles Einzelkämpfer geworden", so Bens Mutter Theresa. Besonders für Kinder sei die Situation schwierig, beobachtet auch Monika Schröder: "Wenn die Kinder nicht vom Elternhaus angehalten werden, was zu tun, dann fällt des einfach hinten runter und sie hocken nur noch vorm Computer."

    Angelika Hiltner vom Amberger DJK 2002 plant derweil längst den lange ersehnten Neubeginn für ihren Turnverein: "Wir haben uns überlegt, dann zumindest Sport in kleinen Gruppen auf dem ehemaligen Amberger Landesgartenschaugelände durchzuführen, weil die Kinder halt sehr drunter leiden, sozial und körperlich. Das ist für alle Kinder in Bayern oder in Deutschland einfach furchtbar momentan."

    Ab kommender Woche geht es wieder los

    Angelika Hiltners DJK 2002 will die neuen Corona-Regeln des Freistaats zum Kinder-Training im Freien schon ab der kommenden Woche umsetzen - zumindest für die Leistungssportler. Ein kleiner Lichtblick nach dem Corona-Jahr.

    Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!